Die Bedeutung der „Friedfertigkeit“

Die Wahl des Begriffs „Friedfertig“ zur Übersetzung von „Kruhy Klidných“ (Kreise der Friedfertigen) ist eine bewusste Entscheidung, die die tiefere Bedeutung und Intention des Originaltextes im Deutschen besser erfassen soll. Als ich vor zwei Jahren begann, die Texte von Cesta Gralu zu übersetzen, fiel es mir lange Zeit schwer, die Bedeutung von „Kruhy Klidných“ ins Deutsche zu übertragen. Die dafür anscheinend offensichtlich in Frage kommenden Wortstämme wie „Ruhe“, „Frieden“, „friedlich“ oder „Stille“ tragen alle eine gewisse Schwäche in sich, da sie vornehmlich einen passiven Ausdruck vermitteln. Ruhe kann schnell durch Lärm gestört werden. Die Stille trägt zwar einen Zauber in sich, aber auch eine passive Bedeutung. Auch der Ausdruck „friedlich“ im herkömmlichen Sinne drückt wenig Stärke aus. Ganz anders klang das Wort „Friedfertig“ in mir, das eine unmittelbare Verbindung zu den Seligpreisungen aus der Bergpredigt schafft. Außerdem liegt in diesem Wort die Beschreibung der Fähigkeit und des Geschicks, Frieden zu schaffen.“

Friedfertigkeit geht über bloße Ruhe hinaus und beschreibt eine aktive, lichtvolle Haltung. Friedfertige Menschen öffnen sich dem Licht und streben danach, in Harmonie mit den göttlichen Gesetzen zu leben. Wenn ein friedfertiger Mensch dann durch das Licht zur Liebe zu seinen Mitmenschen entflammt ist, strömt er aus, und diese Ausstrahlung der lebendigen menschlichen Liebe schwächt ganz natürlich alle dunklen Formen, auf die sie trifft, oder löst sie ganz auf. Die Folge davon ist, dass dieser Mensch Frieden schafft, wohin er auch kommt – notfalls auch ganz ohne Worte.

Doch auch die oben erwähnte Harmonie bedeutet mehr als nur ein „nicht stören“. Der bewusste Menschgeist kann diese Harmonie nicht erreichen, indem er sprichwörtlich in einer Ecke sitzt und nicht weiter stören möchte. Der Menschgeist strahlt immer aus – eine Fähigkeit, die er nie abschalten kann. Dies bringt mit sich, dass das Schwingen in Harmonie mit den Gesetzen des Schöpfers eine vollbewusste, aus dem Wissen entstandene Harmonie ist. Darin liegt keinerlei Passivität, sondern ein bewusster Umgang mit der hohen Kraft.

Ein treffender Vergleich lässt sich in der Welt der Kunst, insbesondere der Musik, finden. Stellen wir uns vor, wir besuchen ein Konzert. Es gibt die Möglichkeit, passiv daran teilzunehmen, indem man einfach als Zuhörer im Publikum sitzt. Der Zuhörer nimmt die Klänge auf, genießt die Musik und lässt sich vielleicht sogar emotional davon berühren. Doch seine Rolle bleibt passiv – er beeinflusst die Musik nicht, er ist lediglich ein Empfänger.

Ganz anders verhält es sich mit den Musikern auf der Bühne. Sie sind aktiv an der Gestaltung der Musik beteiligt. Jeder einzelne Musiker bringt seine Fähigkeiten, seine Leidenschaft und sein Bewusstsein in das Zusammenspiel ein. Ein Geiger, der sein Instrument meisterhaft beherrscht, formt mit jedem Bogenstrich den Klang, ein Pianist, der die Tasten mit Gefühl und Präzision anschlägt, gestaltet den musikalischen Fluss. Diese Musiker sind in vollstem Maße bewusst in ihrem Tun und stehen in einer harmonischen Wechselwirkung mit der Musik und den Mitspielern. Sie schaffen gemeinsam etwas Einzigartiges, das weit über bloße Klangerzeugung hinausgeht.

Genauso verhält es sich mit dem Menschgeist und seiner Harmonie mit den göttlichen Gesetzen. Er kann nicht einfach passiv existieren, sondern muss aktiv und bewusst in dieser Harmonie schwingen. Er muss seine Fähigkeiten und sein Wissen einsetzen, um in Übereinstimmung mit den hohen Kräften des Schöpfers zu wirken. Wie ein Musiker, der aktiv die Musik formt, so formt der Menschgeist aktiv sein Leben und seine Umgebung im Einklang mit den göttlichen Gesetzen. Denn erst in der Tat entsteht der Klang, des sich dann in die Harmonie der Schöfpung fügen kann.

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