Die Geschichte von Samurai V

Es geschah also: Der Kaiser stellte mich als Weisen vor, der vom Himmel gesandt wurde, um zu helfen. Ich hatte einen großen Sieg errungen, ohne einen einzigen Soldaten zu verlieren. Wer ebenfalls siegreich sein möchte, würde nun die Möglichkeit haben, von mir, dem Berufenen, zu lernen.
Noch ehe der Unterricht richtig begann, wurden mir meine Schüler in einem Licht gezeigt, das dem menschlichen Auge sonst verborgen bleibt. Ihre Schwächen öffneten den Weg ins Reich der Finsternis. Besonders erschreckend war ein junger Mönch im königlichen Palast. Er war aus ärmlichen Verhältnissen durch Fleiß bis in den höchsten Tempel aufgestiegen. Äußerlich bescheiden und voller Hilfsbereitschaft, wurde er doch von Anerkennungssucht und Ehrgeiz getrieben, was seinen Weg ins Reich der Finsternis breit und leicht zugänglich machte. Dunkle Geister umgaben ihn, flüsterten ihm scheinbar schöne Gedanken ein, die in Wahrheit jedoch bitter waren. Die schädlichen Folgen seines Handelns wurden erst sichtbar, als es bereits zu spät war, um die Dinge zu ändern.

Mit jedem vermeintlichen Erfolg mehrte sich die Stärke dieser Verbindung. Finstere Gestalten und Gräuel umgaben ihn, während er äußerlich unantastbar wirkte und sich stets hilfsbereit zeigte. Solcher Menschen gibt es viele, gerade in eurer Zeit. Nur eure innere Stimme kann euch ihre wahre Natur offenbaren. Ich durfte mehrere solcher Menschen sehen. Ehrgeiz, Hochmut, Machtgier und Besitzstreben bildeten den Hofstaat des dunklen Reiches, der allen Geistern, die von dort kamen, eine verzerrte Form verlieh. Denkt an meine Worte, sooft ihr die Tore eurer Gedanken öffnet! Wie verblendet und verfinstert waren diese Priester doch! Sie versuchten, Vorbilder zu sein und zu predigen, während sie in ihren größten Lastern lebten. Inneres ersetzten sie durch äußere Formen und sinnleere Regeln, doch das freudige Lachen und das kindliche Herz waren ihnen längst abhandengekommen.
Mit Freude und dem Wunsch, ihnen das Beste zu geben, bat ich den Allmächtigen und meine Helfer um den richtigen Weg zur Weitergabe der Wahrheit. Auch für mich war der Weg mit diesen neuen Schülern neu. Worte waren nur Hüllen für das, was sich vor meinem inneren Auge offenbarte. Wie ein Gruß aus der Höhe nahm ich die offenen Tore zum himmlischen Reich wahr, durch die die Kraft strömte, das Gesagte besser zu verstehen. Diese Kraft bewirkte eine Reinigung, die von den Schülern, die reinen Herzens waren, freudig aufgenommen wurde. Die anderen jedoch, deren Inneres dem Falschen zuneigte, blieben meinen Worten fern und empfanden meine Gegenwart als Last. Sie fanden Ausreden, verpassten den Unterricht oder hetzten heimlich andere gegen mich auf. Die Diener der Finsternis waren oft ihre Gäste, und anstatt diesen Zustand zu ändern, bekämpften sie das Einzige, das ihnen hätte helfen können.

So ist es auch bei euch, Menschen der Zukunft. Ihr seid keinen Deut besser als die Priester von damals. Für diejenigen, die in ihrem Inneren gut und nach Wahrheit strebend sind, darf ich nach vielen Jahren das Tor erneut öffnen und euch Schwingungen zufließen lassen, die, wenn auch abgeschwächt, noch heute über den Inseln Japans schweben.
Damals sagte ich zu meinen Schülern:
„Meine lieben Schüler, die lichten Ritter haben an vielen von euch Gefallen gefunden. Ihr tragt viele Fesseln, aber eure Sehnsucht nach Veränderung und eure strahlenden Augen durchdringen sie. Nehmt alles an, was euch nun gegeben wird; die Zeit eurer Erfüllung wird kommen, wenn ihr aus dem Quell der Wahrheit schöpft und mit vollen Händen weitergebt. Freut euch und bereitet euch darauf vor.“
Alles, was ich meinen Schülern vermitteln durfte, waren nur kleine Splitter wahren Wissens. Wir nahmen sie auf wie Kinder, freuten uns ihrer und suchten nach Wegen, sie zu nutzen. Durch mich erhielt mein Volk Wissen über Gedankenformen, über Angst und Wege, diese aufzulösen. Viele meiner Schüler entwickelten sich weiter und kamen voran. Der Allmächtige bestätigte mir, dass diese eines Tages das „Salz der Erde“ sein würden. Doch mit dem Guten wuchs auch der versteckte Hass und Widerstand einiger meiner Schüler. Dies beunruhigte mich jedoch nicht. Solange ich meinem Land von Nutzen war, würden die Mächtigen mich beschützen, auch wenn mir klar war, dass ich wohl kein hohes Alter erreichen würde. Deshalb bemühte ich mich, jede Minute voll zu leben.
Wie bei den Mönchen, so war es auch bei den Soldaten. Auch unter ihnen sah ich jene, die den Weg des Kriegers aus Ehrsucht gewählt hatten, doch mein Herz freute sich über jene, für die diese Berufung ein heiliger Dienst am Vaterland war. Sie verlangten danach, es mit all ihrer Kraft zu schützen. Um sie herum strahlte ein Licht von oben, und mächtige Krieger in Rüstung forderten sie regelmäßig zur Wachsamkeit auf. Mein Unterricht für die Soldaten drehte sich um die Entwicklung dieses Strahlens. Jede neue Erkenntnis erhellte ihre Umgebung und stärkte ihre Schutzkraft. Doch auch unter ihnen gab es solche, die aus Starrsinn oder Eitelkeit das Neue ablehnten.

Die Priester und Krieger, die bei mir lernten, wechselten sich ab, sodass das Neue in jede Ecke unserer Inseln dringen konnte. Mit jedem neuen Schüler wurde unser Land offener für lichte Ströme, die Glück und Freude brachten.
Wer glaubt, die Macht des Kaisers hätte darunter gelitten, irrt. Im Gegenteil, sein Ansehen wuchs, da man meine Anwesenheit als Zeichen kaiserlicher Weisheit deutete. Möge auch ihr solche wunderbaren Zeiten erleben, auch wenn eure Erfahrungen euch daran zweifeln lassen. Über unseren Inseln schwebten Segen und Harmonie, die der Weise brachte.
Mit dem Fortschritt wuchs jedoch auch der Widerstand jener, deren Macht zu schwinden begann. Drachen der Rache und Gestalten des Hasses suchten ihren Weg zu mir. Ich erkannte, dass die Zeit kommen würde, in der sie diesen Pfad finden würden. Der Allmächtige bestätigte meine Ahnung:

„Du hast deine Aufgabe erfüllt, Hamatoioshi. Du wirst nun zurückkehren. Dein Name wird in Erinnerung bleiben, und die Ströme, die du über den Inseln Japans verankert hast, werden für immer bestehen bleiben. In der schwersten Zeit der Menschheit wird dein Name von Neuem erstrahlen und zur Hilfe werden.“
Der Druck war so stark, dass ich die Bilder nicht mehr aufnehmen konnte und zu Boden sank. Das Erlebnis des weißen Lichts hatte so viel Kraft, dass mein Geist danach strebte, für immer bei Ihm zu sein. Diese Bitte wurde erhört.
Möge meine Geschichte für euch eine Ermutigung sein.
Mutig voran! Die Ewigkeit öffnet euch ihre Tore.
Sie können den Text hier anhören
Übersetzung aus dem Slowakischen
Príbeh Samuraja V