
„Siehe, ich will viele Fischer aussenden…“
Ein prophetisches Bild aus Jeremia 16:16

„Siehe, ich will viele Fischer aussenden, spricht der HERR, dass sie sie fischen sollen; und darnach will ich viele Jäger aussenden, dass sie sie jagen sollen von allen Bergen und von allen Hügeln und aus den Felsklüften.“
(Jeremia 16:16)
Johann Sebastian Bach hat diesem eindringlichen Bibelvers eine musikalische Gestalt gegeben, insbesondere in der Arie „Siehe, ich will viel Fischer aussenden“ aus der Kantate BWV 88. In dieser Vertonung zeigt sich die kraftvolle Zweiteilung des Textes: Die sanfte, einladende Melodie der Fischer-Arie kontrastiert mit der kraftvollen und dynamischen Darstellung der Jäger. Diese musikalische Umsetzung unterstreicht die Verschiedenheit der beiden Rollen und die zugrundeliegende Spannung zwischen Gnade und Gerechtigkeit.
Eine Interpretation des prophetischen Bildes
Die beiden Gruppen – die Fischer und die Jäger – symbolisieren unterschiedliche Werkzeuge des göttlichen Wirkens in der Schöpfung.
- Die Fischer
Sie verkörpern die Menschen, die im Geist Jesu handeln. Mit Geduld und Liebe „fischen“ sie Seelen, indem sie den Weg zur Wahrheit weisen. Ihr Wirken ist geprägt von einem tiefen Mitgefühl und der Aufgabe, den Menschen die göttlichen Gesetze näherzubringen, um sie zur Umkehr zu bewegen. - Die Jäger
Die Jäger stehen für die Wesenhaften – die Diener Gottes, die das göttliche Gesetz ausführen. Sie wirken streng und unnachgiebig und setzen die Gerechtigkeit um. Ihr Handeln erfolgt in völliger Harmonie mit den Schöpfungsgesetzen, und sie bringen die Konsequenzen über jene, die sich bewusst gegen den göttlichen Willen stellen.

Die zwei Wege: Gnade und Gerechtigkeit
Dieses illustriert die doppelte Ausrichtung des göttlichen Wirkens: Zuerst die Einladung zur Umkehr und zum Licht durch die Fischer, dann die unbestechliche Vollstreckung der Gerechtigkeit durch die Jäger. Beide sind unverzichtbare Elemente im Aufbau und der Reinigung der Schöpfung. Der Mensch selbst entscheidet, welchem Weg er folgen möchte – dem der Gnade oder dem der gerechten Korrektur.
Bachs Musik und Jeremias Worte lassen uns so über die Verantwortung jedes Einzelnen nachdenken, den Ruf der Fischer zu hören und sich der Wahrheit zuzuwenden, bevor die Jäger eingreifen müssen..
Hier finden Sie die Arie „Siehe, ich will viele Fischer aussenden“ aus der Kantate BWV 88 auf YouTube
