Ende

Heimat des Geistes – Diejenigen, die dort weilen

DER WEG DES GRALS – ERGÄNZENDE TEXTE  – 2. November 2020 

Befreit und gelöst von allem Irdischen, wandeln all jene, denen es vergönnt ist, in den lichten Gärten der geistigen Heimat zu weilen

Fern gleich den Tagen der Kindheit erscheint ihnen nun alles, was sie einst durchschritten, was sie formte in ihrer Annäherung an die Erhabenheit, die sie nunmehr als geistigen Schatz in Händen halten dürfen

Ihr Stern leuchtet und kündet von der Vollendung ihrer Wege, da alles, was sie durchschritten, von ihnen abgefallen ist

Auch fragt niemand mehr nach ihren vergangenen Pfaden, es sei denn, sie selbst möchten davon sprechen

So stehen hier Seite an Seite in inniger Freundschaft jene, die niemals ernsthaft fehlgingen und deren Wege stets von lichtdurchfluteten Abschnitten des Lebens geprägt waren, wie auch jene, die sich oft gegen Gottes Gebote vergingen, sie missachteten, doch schließlich erwachten und deren späterer Weg einem glühenden Ringen um jeden Schritt näher zum Lichte glich

Das weißgewaschene Gewand des Geistes, einst befleckt von Fehltritten und Irrungen auf den irdischen Lebenswegen, strahlt und glänzt hier in der geistigen Heimat gleich dem Gewand jener, die niemals fehlten, weil sie nicht in die Stofflichkeit hinabzusteigen brauchten

So erfüllen die Straßen der goldenen Stadt viele, die eine bewegte Vergangenheit trugen, doch schließlich zur rechten Zeit den wahren Sinn des Daseins fanden und alles, was als Schuld auf ihrem Wege lag, sühnten und ablegten für die Seligkeit, die sie in den Gesetzen Gottes für ihr Inneres erkannten

Wahrlich sind es die, die man als verlorene Söhne des Geistes bezeichnen mag, die jedoch die Stimme des Gewissens in sich hörten und bereit waren, alles Vorherige bis auf den letzten Heller zu begleichen, um befreit zu werden und durch die gerechten Gesetze der Schöpfung die Pforte zum geistigen Lichte durchschreiten zu dürfen

In tief empfundener Seligkeit sind sie eins mit all den Helfern, die aus höheren Ebenen über sie gewacht und ihren Weg zur geistigen Wiedergeburt mit liebevoller Hand geführt haben

Und doch erinnert sie keiner derer, die sie einst führten und ihnen halfen, auch nur im leisesten Gedanken an die Zeit, da die Seele ihres jetzigen Freundes um ihr Selbst ringend in den Tiefen der Stofflichkeit zu versinken drohte, da die Fäden des Schicksals in ihrer Verworrenheit noch unendlich lang erschienen

Gleichwertigkeit in strahlendem Glanz ist das erfüllendste Erlebnis für alle, die hier eintreten dürfen

Gerettet sind sie und haben denselben Anteil am Mahle der Ewigkeit wie alle anderen Bewohner und Wesen um sie herum, wie auch jene, die noch über ihnen in höheren Sphären des Lichtes in der Schöpfung stehen

Nur allumfassende Freude und Hingabe an die Regungen der göttlichen Liebe, die hier stets spürbar in allem gegenwärtig ist, was sie berührt, erfüllt das geistige Innere der Bewohner der gesegneten Sphären des Lichts

Wer hier weilen und die Pracht dieser Orte genießen darf, hat alle seine Bindungen an die Sphären des Schattens, wie hier die Nachschöpfung mit ihren Ebenen der Stofflichkeit noch genannt wird, weit in vergangenen Geschehnissen zurückgelassen, und durch die Hände der dienenden Wesen ließen die Gesetze der Schöpfung diese Bindungen zerfallen, um sich in neue Energien und Formen zu verwandeln

Die Fäden der Vaenen durften sich für einen solchen seligen Geist allmählich aus immer helleren und strahlenderen Schattierungen weben, bis sie ihn zu den blühenden Lichtauen der Feinstofflichkeit führten, wo bereits der Glanz der Stufen zu den Toren der geistigen Heimat sichtbar wird

Seine Seele ward befreit, und die Hülle seines Inneren, die lediglich die Last der feinsten Stofflichkeit trug, fiel ab gleich dem Gewebe eines leichten Gewandes und verwandelte sich bei der Berührung mit der erleuchteten Erde in goldenen Staub

In den Gärten der geistigen Funken erblühte die Blume seines Daseins in der Nachschöpfung, und wie das seelische Gewand verwandelte sie sich in golden leuchtende Körner, die sich in die Beete senkten, aus denen sie erwuchs

Und dann, beim Betreten der ersten breiten Stufen, die sich in ihrem Glanz zum strahlenden Licht erheben, durchstrahlte der Geist die letzte feinstoffliche Hülle, und in einem besonderen Aufleuchten sank diese hinab in den Boden der Gleichart, aus der die Stufen gebildet sind

Die Finger der erhabenen Wissenden weben in diesem Augenblick wieder einen strahlenden Faden, der über die wesenhafte Sphäre hinausgeht, und in der Krone des Baumes, über der Nachschöpfung, wird ein Stern aufleuchten, der die Botschaft von der Vollendung der Reise eines der geistigen Keime trägt

Der blau leuchtende Stern verkündet, dass ein weiterer menschlicher Geist seinen Weg vollendet hat und in seine Heimat zurückkehrt

Inmitten des kreisenden Lichtstrahls der Hülle steigt der aus den Stofflichkeiten auferstandene Geist empor, dorthin, von wo ihn sein Ursprung ruft, die Heimat, das Licht!

Dort hält er inne und, überwältigt von Tränen unsagbar befreienden Glücks, sinkt er in glühendem Gebet auf die Knie

Eine heilige Stille, die plötzlich den Raum erfüllt, ermöglicht es ihm, noch einmal alles zu durchleben, was Teil seines Weges war

So kniet hier, wunderschön geformt, ein männlicher oder weiblicher Geist im Gebet und sieht vor seinem geistigen Auge alles, was plötzlich in voller Klarheit seinen Weg erhellt, den er seit seinem ersten Erwachen beschritten hat

Er erkennt in allem so viel weise Liebe, die ihn auf jedem Schritte begleitete

Er sieht die Hände der Helfer, die ihm bis dahin verborgen waren, er sieht ihr weises Wirken, das ihn genau an die Orte führte, an denen er die Erfahrungen fand, die ihn zur Reife im Geiste führten

Er sieht auch, wie er oft eigensinnig von diesen Pfaden abwich, verführt von Nebensächlichkeiten, die ihm damals in seiner Unreife als die volle Pracht des Erlebens erschienen

Wie er sich schämt für diese Torheit, mit der er sich durch schmutzige Abgründe ziehen ließ, im Glauben, dies sei das wahre Erleben in der Grobstofflichkeit!

Er sieht, wie er oft denen, denen er auf seinen Wegen begegnete, Schmerz zufügte, doch gleichzeitig erblickt er ihre Gesichter, die Spuren der Vergebung tragen, denn er hat bereits alles aus diesen Fehlern gesühnt und wiedergutgemacht

Er sieht wieder, wie sich die Fäden zu ihm aus den Höhen des Lichtes spannen, von seinen unbekannten Freunden und Helfern, die ihn immer wieder riefen, um ihn an das wahre Ziel seines geistigen Weges zu erinnern

Oh, wie lange er sie nicht sah, oh, wie töricht er sie missachtete und seinen Blick stets auf das Glück richtete, das ihm im Erleben der Stofflichkeiten so wichtig erschien!

Dann durchschneidet ein Strahl starken Lichtes seinen Weg

Das Wort der Wahrheit trat in sein Leben

Lange verstand er seinen Wert nicht, lange ließ er es beiseite in der Annahme, dass die Welt um ihn herum wichtiger sei

Erst in einer Zeit großer Schmerzen und Verluste, als diese Welt um ihn zusammenzubrechen begann, erkannte er, wie sich ihm im immer strahlenden Worte die gereichten Hände all seiner geistigen Helfer boten

Erst dann ergriff er diese dargereichten Hände und begann langsam, zögernd, doch entschlossen, aufzusteigen

Er sieht, wie sich plötzlich alles zum Guten wendete, wie seine Seele erwachte und in der Wahrnehmung neuer Welten lebendig wurde

Wie sein geistiger Funke begann, sich am Leben zu erfreuen!

Oh, wie der Geist zum Leben erwachte, denn alles wurde für ihn immer lichter bis zur Klarheit großer Erkenntnis!

Doch er sieht, wie er dennoch immer noch fehlte, da er in seinem Denken gebunden war an die Starrheit und Enge des Gehirns, in dessen schwerfälliger Benutzung

Er hielt den Schatz des Lichtes in Händen, das Gottesgeschenk, das ihm den Weg erleuchtete, und doch war er lange, sehr lange nicht in der Lage, es in seiner ganzen Essenz anzunehmen

Erst als er sich von den vielen Fäden einer starren Vorstellung befreite, wie Gottes Wille in seinem Leben und im Leben der anderen auszusehen habe, konnte alles um ihn herum lebendiger werden und ein Stück wahrer Weisheit in sein Bild von der Welt einfließen

Dann erst erstrahlte es wirklich, und sein Geist erhob sich neu und gereift wie ein flammender Diener des Herrn

Nun kniend auf den Stufen des Lichtes, erschaut er all dies, und das Bewusstsein seines Geistes flüstert wiederholt Dank für alles, was ihm gnädig in den Weg kommen durfte, damit er sich nicht verliere, damit er nicht stürze, damit er alles abtragen und ablegen könne

Es kommt ihm unwürdig vor, dass so viel Güte des Lichtes ihn umgab, obwohl er lange nichts davon erkannte

Wie kommt es, dass ihm dies so gegeben ward, und mit solcher Liebe und Sorgfalt, als gäbe es keine anderen, lichteren Geister, die der Hilfe weit mehr bedurften als er?

Alles nacheinander und wieder von neuem zusammen in ihm flammt und leuchtet es auf, und er erlebt dies als Selbstprüfung und dankbare Feier des Daseins zugleich

Der Geist erstrahlt in diesem Erleben in immer stärkerem Glanze, und sein Schein lodert hoch empor

Da senkt sich zu ihm ein blau leuchtender Stern vom Baume der Erkenntnis, die ihm geschenkte Gnade vollständiger Vergebung, und bringt ihm Kunde, dass er ewig bestehen darf in diesem göttlichen Schöpfungswerk

Der Geist erhebt sich, und mit lautlosen Schritten schreitet er empor zu den Orten, wo in zartem Nebel strahlenden Lichtes sich ein wunderschön geformtes Tor erblicken lässt, das zur geistigen Heimat führt

Aus dem Tor treten jene hervor, die er nicht kennt, oder derer er sich nicht erinnert, doch zugleich weiß er gewiss, dass es seine Nächsten sind, die ihn von Beginn seiner Wege in den Welten der Stofflichkeit begleitet haben

Es gibt so viel, was er ihnen sagen möchte, wie er ihnen seinen Dank aussprechen möchte!

Gereichte Hände helfen ihm, die letzte Stufe zu überwinden

Stehend vor dem hohen Tor, das in unerreichbarer Höhe endet, fühlt er, wie er sein Bewusstsein verliert, denn ihn umfing eine Kraft, an die er sich erst noch gewöhnen muss

Die Freunde halten ihn mit Innigkeit, still und gütig warten sie, bis er sich an diese neue Art der Seligkeit gewöhnt hat, die sein ganzes Inneres durchdringt und ihm einen Zustand bringt, als ob er erst jetzt das Erwachen zum Leben erkenne

Ein Schritt, noch einer, noch einer, und alles scheint sich zu verändern, die ganze Vergangenheit irgendwo weit weg in den Tiefen der Welten zurückzulassen

Seine Sinne verändern sich, und allmählich erkennt er, wie unbeschreiblich schön das Bewusstsein all jener ist, die hier weilen dürfen

Erhabenheit und Seligkeit durchströmen ihn, beides vereint zur Größe des Daseins

Sein Wille verwandelt sich in den Wunsch, die höchste Anwendung all seiner Fähigkeiten und Tugenden zu verwirklichen, die in ihm neu erwachen, als wären sie erst jetzt aus einem langen Schlaf erwacht

Nun hört er seinen Namen, den wahren, der untrennbar zu ihm gehört

Dieser Name ist er, er war es immer, und es ist der schönste Einklang, der sein geistiges Inneres durchdringt

Wie konnte er nur so lange seinen wunderbaren Namen vergessen, wo er doch dieser Name ist und dieser Name er ist?

Niemals wieder darf er jenen Klang vergessen, der zu ihm gehört und all die Größe und Würde seiner selbst in sich trägt!

Und in all dem darf er, stets ohne jegliche Ablenkung in seinem klaren Denken, überall um sich her die Schönheit wahrnehmen, die sich nicht beschreiben lässt

Die Freunde, als wüssten sie im Voraus sein Verlangen, geleiten ihn mit sanftem Schritt zu den Orten, wo sich inmitten der Fluten herrlicher, ineinanderfließender Blumen eine Laube erhebt mit Blick auf die ferne Landschaft und den See

Hier lassen sie ihn, und er weiß, dass sie ihm, wenn die Zeit kommt, weitere Schönheiten dieses Ortes zeigen werden

Er steht noch ganz am Anfang, und doch kommt ihm alles so vor, als sei er nach langer Reise an einen Ort zurückgekehrt, den er schon kennt

Ja, er ist daheim, er ist in der wahren Heimat seliger Geister


Übersetzung aus dem Tschechischen

https://www.cesta-gralu.cz/domov-ducha-ti-kdo-tam-prebyvaji/

Domov Ducha – Ti, Kdo Tam Přebývají

Ende

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