Von der Sorge zum Segen

Ein kleiner, warmer Körper rollt sich vertrauensvoll in meinen Händen zusammen und schläft ein. Eines von vier Kätzchen, die das Schicksal uns anvertraut hat, nachdem ihre Mutter sie verlassen hatte. Während ich den schnellen Herzschlag unter meinen Fingern spüre, begreife ich, worum es wirklich geht:

Nicht darum, diesen Moment festzuhalten oder zu besitzen. Sondern darum, ein verletzliches Leben zu schützen, zu bewahren und ihm Geborgenheit zu schenken. Es ist eine Kraft, die nicht auf sich selbst blickt, die nichts fordert, sondern sich ganz in den Dienst stellt. Was mit einem Schreck begann – der plötzlichen Verantwortung für vier kleine Leben –, hat sich als unermessliches Geschenk erwiesen.

Diese Erfahrung begleitet mich auch in meiner täglichen Arbeit. Dort begegne ich oft etwas, das ähnlich scheint und doch ganz anders ist: der Sorge. Einer Sorge, die sich um das Haben dreht – die Angst, nicht genug Zuwendung zu erhalten, die Angst vor Mangel, die Furcht vor Verlust. Diese Art von Sorge wiegt schwer. Sie kreist um das eigene Ich, klammert sich fest und zieht nach unten.

Doch die Begegnung mit dem kleinen Kätzchen zeigt mir einen anderen Weg. Sie zeigt Fürsorge als Wunsch, Schutz zu schenken – etwas, das nicht belastet, sondern erhebt. Doch wahre Fürsorge verlangt noch mehr: Sie verlangt Mut.

Den Mut zu akzeptieren, dass wir das Geliebte nicht vor allem bewahren können und dies auch nicht sollen. Nicht vor dem kalten Wind des Lebens, nicht vor dem Regen der Enttäuschung, nicht vor dem gelegentlichen Schmerz des Scheiterns. Unsere Aufgabe ist nicht, einen Käfig aus Watte zu bauen, sondern ein Netz zu spannen, das auffängt, wenn es nötig ist.

Denn oft liegt gerade im Schmerz über eigene Fehler oder im Verlust ein verborgener Schatz. Ein Wert, den wir erst dann erkennen, wenn das Leben uns darauf stößt. Darum brauchen wir den Mut, das Kätzchen, das Kind oder den geliebten Menschen hinaus ins eigene Leben zu lassen. Wir müssen ihnen erlauben, zu wachsen, eigene Wege zu gehen, Fehler zu machen und Schmerz zu erfahren, um daran zu reifen, stärker zu werden und sich selbst zu erkennen.

So verwandelt sich Sorge – vom ängstlichen Festhalten zum mutigen Begleiten. Aus Sorge wird Fürsorge, und aus Fürsorge wird Segen.

Rose

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