Geister und Rauschgifte

Eine Gruppe von Männern sitzt um einen Tisch in einer dunklen, gemütlichen Umgebung, hebt Gläser und stößt an. Geisterhafte Figuren sind im Hintergrund sichtbar. Eine Kerze beleuchtet die Szenerie.

Das sechste Kapitel der Neuausgabe von Dreißig Jahre unter den Toten ist veröffentlicht. Es behandelt das Gebiet der Süchte: wo sie wurzeln, wie sie wirken, und warum sie über den Tod hinaus weitergetragen werden können. Wickland leitet das Kapitel selbst mit zwei Sätzen ein, die das Thema knapp umreißen:

So unbarmherzig die Rauschgiftsucht ihre Opfer ein Leben lang in ihren Klauen hält – jenseits des Grabes entfaltet sie ihre Macht noch grausamer. Jede Sucht wurzelt tief in der Seele; und die Qualen erdgebundener Geister, deren verzehrendes Verlangen ohne Körper keine Befriedigung mehr findet, sind unbeschreiblich.

Solche Geister verschaffen sich häufig eine teilweise Stillung, indem sie vom Körper medial veranlagter Menschen Besitz ergreifen und sie zwingen, sich an den Genuss eines Rauschgifts zu gewöhnen. In unseren Sitzungen haben wir oft mit Geistern zu tun gehabt, die schwer unter den Folgen ihrer eigenen Sucht litten; und manche eindringliche Warnung haben wir aus dem Mund Abgeschiedener gehört, die selbst einmal Sklaven dieser Leidenschaft gewesen waren.

Was hier als Beobachtung klingt, entfaltet sich im Kapitel an Fallgeschichten: Minnie Morgan, eine 1897 in Chicago verstorbene Morphinistin, die ihrem Sezierer in den Anatomiesaal folgt; Elisabeth Noble, deren Sucht im Krankenzimmer nach einer Entbindung beginnt; ein junger Filmschauspieler, dessen Witwe später in einem Aufklärungsfilm die Hauptrolle spielt; ein Trinker, der ohne Körper noch immer Whisky braucht – und ihn sich durch eine lebende Frau verschafft, die er allmählich selbst zur Trinkerin macht.

Am Ende des Kapitels steht eine Anmerkung, die das Geschehen mit der Gegenwart verklammert. Dabei werden zwei Fragen aufgeworfen: Warum scheitert das Aufbieten des bloßen Willens beim Suchtentzug so regelmäßig? Und wie lässt sich das verstehen? Die Antwort finden wir im Bild des menschliche Innere als Haus mit drei Stockwerken.

Wo das Kapitel erscheint

Ich veröffentliche diese Ausgabe nicht hier, sondern auf meiner anderen Webseite Psyche und Seele, weil sie thematisch dort besser hinpasst. „Psyche und Seele” richtet sich an Menschen, die ihren inneren Weg gerade beginnen, die – wie wir sagen könnten– noch auf der Suche sind.

Genau dort findet Wicklands Werk seinen natürlichen Platz, denn es geht ihm letztlich um sehr konkrete Fragen: Warum geht es Menschen schlecht? Was wirkt auf uns ein, das wir nicht sehen? Und wie lässt sich solches Wirken erkennen und auflösen?

Zum Kapitel: Kapitel 6 – Geister und Rauschgifte. Trunksucht.

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