30 Jahre unter den Toten – Carl Wickland
Kapitel 9 – Materialismus und Gleichgültigkeit gegenüber geistigen Dingen

Das neunte Kapitel der Neuausgabe von Dreißig Jahre unter den Toten ist veröffentlicht. Es wendet sich einem Befund zu, der für unsere Zeit besonders ernüchternd ist: Zweifelsucht, geistige Trägheit, Unwissenheit und Gleichgültigkeit gegenüber den Fragen des höheren Lebens üben einen so lähmenden Einfluss aus, dass viele Menschen nach ihrem Tode aus Verwirrung und innerem Aufruhr nicht mehr herausfinden – und sich an Lebende klammern, weil sie keinen anderen Weg sehen, ihrer Not Ausdruck zu geben.
Was dabei sichtbar wird, sind nicht exotische Krankheitsbilder, sondern drei der schwersten Beschwerden, die uns auch heute begegnen: akute Suizidalität, schwere Apathie und chronische Wutdurchbrüche mit Wurzel in der Kindheit. In jedem Fall steht hinter dem Lebenden ein unwissender Verstorbener, der mit ihm mitlebt – und das, was er selbst war, in den Lebenden hineinträgt.
Drei Sitzungsprotokolle entfalten das im Einzelnen:
- Der Mann, der seine Frau nach sich ziehen wollte: Ein Materialist, plötzlich gestorben, hängt in der Aura seiner Witwe und drängt sie Tag und Nacht: „Nimm dir das Leben. Du musst zu mir kommen.“ Hinter seinem „Materialismus“ steht jedoch keine getragene Überzeugung, sondern die Abwehr eines Menschen, der die rechtgläubige Enge seines Elternhauses nie hatte aushalten können. Dass seine Frau das jenseitige Leben kannte, rettete beide.
- Frank Bergquist: Ein geistig völlig leerer Mann, schon zu Lebzeiten „müde, eintönig, gleichgültig“. Er starb, ohne es zu bemerken – „Das ist ja höchst spaßig – ist mir aber ganz gleichgültig“ – und wanderte seither durch die Auren wechselnder lebender Frauen, bis er nicht mehr wusste, ob er nicht selbst eine geworden sei. Die Patientin, an die er sich geheftet hatte, litt an schwerer Apathie. Es war seine.
- Fred Haupt: Ein 1892 bei einem Dreschmaschinen-Unfall verstorbener Gelegenheitsarbeiter, jähzornig zu Lebzeiten und jähzornig im Jenseits. Er war seit dessen Kindheit – dreißig Jahre lang – an einen Mann angeheftet, der unter unerklärlichen Wutanfällen litt. „Ich kann rasend werden, ich kriege Wutanfälle.“ Nach seiner Austreibung änderte sich das Wesen dieses Mannes vollkommen.
Was die drei Fälle zusammenführt:
So verschieden die Schicksale wirken, eine Frage zieht sich durch sie hindurch: Was geschieht mit einem Menschen, der ohne inneres Wissen, ohne lebendige Beziehung zu sich selbst, ins Jenseits tritt? Das Kapitel verfolgt diese Frage über den Einzelfall hinaus und stellt eine ungewöhnliche Vermutung an: Was wir gemeinhin der Reizbarkeit, der Erschöpfung und der Aggression unserer Zeit zuschreiben, könnte zu einem nicht geringen Teil von eben solchen unwissenden Anheftungen herrühren – fremde Stimmungen, die wir für unsere eigenen halten.
Daraus ergibt sich, was das Buch im Kern leisten will. Eine Welt, in der die Menschen wissend hinübergingen, wäre eine Welt mit weniger schlafenden, müden, anhaftenden Geistern im Jenseits – und damit eine Welt mit weniger schlafenden, müden, jähzornigen Menschen im Diesseits. Wicklands Sitzungen heilten einzelne; was hier in Buchform vorliegt, will diese Möglichkeit weitertragen. Nicht als Glaubensbekenntnis. Als Werkzeug.
Hier finden Sie das neue Material: