Vom Wasser, der Erde und dem Morast

Ein nebliges Landschaftsbild mit einem trockenen Graben in einer Wiese, umgeben von Bäumen und sanften Hügeln im Hintergrund.

In der Nacht hatte es lange und ruhig geregnet. Am Morgen war die Luft so klar, dass die Hügel näher schienen als sonst. Ich ging den Feldweg hinauf, der zwischen den Wiesen liegt. Der Boden war unter meinen Schritten dunkel und federnd; er nahm jeden Tritt auf und gab ihn weich zurück. Aus den Wiesen stieg jener Geruch auf, den es nur nach dem Regen gibt – die Erde, die getrunken hat.

Ich blieb stehen und nahm eine Handvoll davon auf, am Rand, wo der Maulwurf sie aufgeworfen hatte. Sie war weder übermäßig nass noch trocken. Sie war durchfeuchtet, und doch zerfiel sie in der Hand in lauter kleine Krümel, jeder für sich, dunkel und locker. Zwischen den Krümeln, dachte ich, müssen tausend kleine Kammern sein, und in jeder sitzt jetzt ein wenig von dem Regen der Nacht – gehalten, nicht gestaut. Das Wasser war einfach eingezogen, so als hätte die Erde genau darauf gewartet.

Wer hatte sie gebaut? Niemand und alle: die Würmer, die Wurzeln, die feinen Fäden der Pilze, das Unsichtbare, das in jeder Handvoll Erde arbeitet. Sie alle arbeiten ununterbrochen, doch sie tun es ohne eignen Plan und ohne Anleitung. Es sind die Wesen der Natur selbst, die sie lenken und antreiben, auch wenn sie es selbst gar nicht merken. Die Erde ist ja kein Stoff, sie ist ein Gebäude – und das Gebäude wird vom Leben errichtet, das in ihm wohnt. Das Wasser macht das Leben möglich, das Leben baut die Kammern, die Kammern empfangen das Wasser. Ein Kreis, in dem keines fehlen darf. Mir fiel ein, wie derselbe Regen weiter oben am Berg auf die Felsplatten gefallen sein musste: Dort war er einfach abgelaufen, in Rinnsalen, und hatte nichts zurückgelassen. Und auf dem verhärteten Stück am Ackerrand, wo im Sommer die Maschinen wenden, stand er jetzt wohl in flachen Lachen und wartete darauf, zu verdunsten. Derselbe Regen. Es lag nicht am Regen.
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