Das, was übersehen wird

Die meisten Menschen auf der Erde übersehen den ganzheitlichen Zusammenhang ihres Daseins
Sie ordnen alles der irdischen Welt unter
Das Bewusstsein um das große Ganze unseres Daseins ist auf dem Weg zum Licht um ein Vielfaches wichtiger als die Aufmerksamkeit, die die Menschen der kurzen Zeit des grobstofflichen Lebens widmen
Es gibt so vieles, das für den menschlichen Geist ungleich wichtiger ist als die Erfüllung kleiner irdischer Pflichten und die Bewältigung von Sorgen irdischer Art
Und doch ist das noch bei weitem nicht alles, was für das geistige Innerer dringend notwendig ist, um jene Reife zu erlangen, die allein das Tor zu den Ebenen der lichten Heimat öffnet, die hoch in der Schöpfung über diesem Universum liegt
Und gerade diese geistige Reife ist das wichtigste Ziel, weswegen wir auf die Erde kommen
Leider wird alles wahrhaft Geistige von den Menschen übersehen, und deshalb kann man heute nicht von einem bewussten Streben nach geistiger Reife sprechen
Wir können eher von einem Dahinvegetieren sprechen oder im besten Fall vom Lebenskampf einzelner Menschen, um sich zumindest ein gewisses geistiges Bewusstsein zu bewahren
Doch Bewusstsein ist noch lange keine Reife
Unter Reife kann auch kein Verstandeswissen über Lehren, die die geistigen Welten beschreiben, keine Schriften verschiedener Glaubensrichtungen und nicht einmal die gedankliche Kenntnis des Werkes „Im Lichte der Wahrheit“ verstanden werden
Kenntnisse aus der Lektüre zu besitzen, die sich in der Fähigkeit offenbaren, die einzelnen Stufen der Schöpfung oder die Bereiche der Stofflichkeit aufzuzählen oder über die Tätigkeit der geistigen und dienenden Wesenhaften entsprechend ihren Wirkungsbereichen zu lesen, ist noch lange keine wahre geistige Reife
Das liegt daran, dass das bloße Nachdenken über einen Text an sich noch keine geistige Lebendigkeit ist, wie sie sein sollte und wie sie zur Veredelung und damit zur Reifung des inneren Geistfunkens im Menschen führen soll
Es muss also etwas völlig anderes sein
Reife besteht darin, dass sich das geistige Innere des Menschen in jedem Augenblick der Gegenwart entfaltet, in dem der Mensch mit immer stärkerer innerer Gewissheit im Erkennen des Guten und des Lichts danach strebt, in allen Momenten des Tages im Einklang mit dem Willen Gottes zu stehen
Es ist gar nicht so schwer zu spüren, wohin der richtige Weg führt, der mit der großen Harmonie des Schöpfungswerks verbunden ist
Es ist nicht schwer, denn jeder von uns ist von Natur aus dazu geneigt, Schwingungen des Guten und der Freundlichkeit gegenüber seinen Mitmenschen und der Welt wahrzunehmen, wenn wir es denn wollen
Für den Geist ist es nicht schwierig, aber gleichzeitig ist es zu kompliziert für den Verstand, der heute bei den meisten Menschen über das wahre Wesen des Geistes herrscht und oft stark den auf der Erde herrschenden Bedingungen untergeordnet ist
Der lebendige Geist sehnt sich oft nach dem Guten, doch der Verstand verliert sich meist bei der Suche nach einem äußeren Weg in den alltäglichen Sorgen
Lasst uns mit kindlicher Unvoreingenommenheit den Weg betrachten, der zum Licht und damit zur Reife führt
Der Aufstieg des Geistigen liegt im Festhalten des schlichten Bewusstseins, unter allen Umständen gegenüber den Menschen und der Natur rein und achtungsvoll zu handeln
Jene ernste Bedingung ist es, unter allen Umständen ein lichtgewordenes menschliches Geistiges zu sein
Dazu ist dem Menschen auch für alle Augenblicke seine Empfindung zur Hand, die gerade durch das Erleben voll verwertet und veredelt werden soll
Wo Empfindungen sind, da ist auch ein Gespür für gesunde Mäßigung bei allem, was ein Mensch tut
Das ist wiederum ein großer Unterschied zwischen Empfindung und Verstand, denn die Empfindung erkennt in ihrer Empfänglichkeit das gesunde Maß, der Verstand hingegen nicht
Das gilt für alles, denn was im Übermaß geschieht, schadet
Das kann jeder nachvollziehen, denn mit gesunder Mäßigung geht die Verbindung zur Harmonie des Ganzen einher
Durch diese Harmonie kann der Geist Freude erfahren
Es gilt für den Einzelnen, die Familie, eine gesunde Gesellschaft und auch für die ganze Erde
Und vor allem gilt das auch als Bedingung in Verbindung mit der wesenhaften Welt, so dass man von einer freudigen Zusammenarbeit zwischen dem menschlichen Geist und den wesenhaften Dienern aller Art und Größe sprechen kann
Damit das Geistige den gesunden Ausgleich der Harmonie richtig wahrnehmen kann, muss es in seinen Entscheidungen selbstständig und frei sein
Damit das Geistige wirklich frei und gleichzeitig in sich selbst sicher ist, muss es sich mit Leichtigkeit und kindlich schlichter Ungebundenheit fortbewegen
Er muss es selbst tun
Nur so kann er in sich die Reinheit der Wahrnehmung und auch die edlen Ideale bewahren, die dem Geist zur Hilfe aus den Höhen der Schöpfung zufließen, wenn er selbst seiner selbst gewiss und somit noch frei ist, seine eigenen Schicksalsfäden zu weben
Um von einer Sicherheit beim Vorwärtsschreiten sprechen zu können, muss jeder Mensch aus sich selbst heraus seinen Weg so wahrnehmen, dass ihm all das, was er auf diesem Weg tut, stets den Sinn für die Größe der Ewigkeit seines Seins vermittelt
Wo Unklarheit herrscht, sollte das menschliche Herz daran arbeiten, sofern eine wahre innere Notwendigkeit dazu besteht
Aber auch bei dieser inneren Notwendigkeit gilt es, den Zusammenhang mit der Gesamtheit des menschlichen Daseins zu suchen, um nicht dem oberflächlichen verständlichen Grübeln zu erliegen
Wenn der Geist nicht weiß, was er tun soll, sollte er nicht überhastet handeln, sondern Geduld in sich selbst entwickeln, ohne dabei die Wachsamkeit in der jeweiligen Angelegenheit zu verlieren
Was dann im Laufe der Tage vielleicht auch plötzlich, wie „von selbst“, zur Ergänzung in der jeweiligen Angelegenheit kommt, das soll sofort lebendig mit der Empfindung verbunden und verarbeitet werden, um das gesamte Bild des geistigen Wissens zu vervollständigen
Dabei gibt es nichts, worauf dem Geistigen keine Antwort kommen könnte, wenn die Fragen aus seiner reinen Sehnsucht nach der Erkenntnis über das Schöpfungswerk entspringen
Es gibt keine Hindernisse auf dem Weg, es gibt nur individuelle Reifestufen, die der Geist aus eigener Kraft erreichen muss
Über nichts, was sich im Rahmen des Schöpfungswerks abspielt, liegt ein Geheimnis, es gibt keine Ablehnung der Bitte um Erkenntnis, sondern zu allem führt nur die natürliche Voraussetzung, die Reife des Geistes zu erlangen
Die Reife des Geistes entspringt allein seiner eigenen, unabhängigen Anstrengung und seinem Vorwärtsdrang
Es ist eine überaus erfrischende Arbeit, die bei jeder Anstrengung fast unmittelbar an Stärke gewinnt, sofern es sich um ein Werk des Geistes handelt
Wo der Verstand wirkt, treten bald Müdigkeit und Erschöpfung ein, ohne dass man nennenswert vorankommt
Daran kann jeder erkennen, wann der Geist und wann der Verstand am Werk ist
Der Verstand kreist, sinniert und diskutiert immer wieder über das, was bereits seine Frische verloren hat, verblasst ist und zu einer leeren Hülle eines leblosen Bildes geworden ist
Doch den Geist erwartet etwas Neues, das dem Werk Fülle und Kraft verleiht, welches gerade in der intensivsten Erfahrung des Augenblicks der Gegenwart lebendig wird
Der Geist möchte vom Joch der Schwere dieser Welt befreit werden, denn nur so kann er am besten den Weg zu seinem Aufstieg und zur Lösung aller Schwierigkeiten auf Erden finden, die den Menschen erwarten
Der Weg zur Reife ist nicht ohne Fehler, die der Geist viele Male begehen wird
Ja, selbst der Geist kann sich in seinen Empfindungen irren, da er ja noch selbst in der Erlangung wahrer Erkenntnis über sein Dasein reift
Doch diese Irrtümer sind umso kleiner, je mehr der Geist beweglich ist und sich nicht zu sehr von der irdischen Last des Verstandes einengen lässt
Es sind dies auch keine verhängnisvollen Fehler, auch wenn böswillige Menschen es oft behaupten, um gerade die anderen in ihrer Selbstständigkeit zu verunsichern
Das Licht bringt Vergebung in jedem solchen Irrtum des Geistes, der vielleicht als Folge des Unvermögens, dies oder jenes zu begreifen, entstanden ist, und zwar im direkten Verhältnis zur Reinheit des Willens, der in den Momenten der Entscheidung für eine bestimmte Empfindung, einen Gedanken oder vielleicht sogar eine Handlung vorhanden war
Wo der Fehler aus einem reinen Wollen herrührt, in dem es vielleicht hier und da noch an Reife mangelte, ist das besser für den Geist und seine Entwicklung, als da wo jemand einen anderen hochmütig zurechtweist, nur um ihm seinen Willen aufzuzwingen und seinen Nächsten in Angst und Schrecken vor der Zukunft zu halten
Und wo jemand Rechtfertigung im göttlichen Urteil über andere sucht, finden wir in einer solchen Person gewöhnlich nur ein Verlangen nach Macht und nicht den Wunsch, anderen mit größter Herzenswärme zu helfen
Ein reifer Geist, der die wahren Zusammenhänge zwischen einzelnen Menschen und der gesamten Menschheit erkennt, wird im Gegenteil immer zuerst nach Wegen suchen, anderen zu helfen, anstatt sie zu verurteilen
Ein Urteil über das menschliche Geistige in der Bestimmung der Unabänderlichkeit des Endes seines Seins kann nur der fällen, der das Göttliche in sich trägt und niemand sonst, weder ein Geistiges noch ein wesenhaftes Geschöpf, auch wenn diese zu den höchstgestellten Geschöpfen im Schöpfungswerk gehören würden
Die Beweglichkeit dieser fliegenden, entstehenden und wiedergeborenen Fäden, die in den feinsten Schattierungen schwingen, ist so lebendig, dass es einer höheren Art bedarf, die ihren Ursprung in Ebenen jenseits dieser Schöpfung hat, um sie zu überblicken
Ein Überblick über die Fäden der geistigen Entwicklung in der Schöpfung ist niemandem in dem Maße gegeben, dass er daraus eine unabänderliche Verdammnis oder, im Gegenteil, einen unbedingten Aufstieg ableiten könnte
Johannes selbst, der zu den Höhen des Lichts erhoben wurde, um einen Bruchteil der Ereignisse zu sehen, die Parzival in seiner Allweisheit und unbegreiflichen Allumfassenheit sieht, fiel auf die Knie und flehte darum, dass die Last auf seiner Seele von ihm genommen werde, als ihm erlaubt wurde, einen kurzen Blick auf die Ereignisse zu erhaschen, durch die Berührung göttlicher Gnade, die er für einige Augenblicke vom König des Grals mit dem Auftrag erhielt, alles aufzuschreiben
Der menschliche Geist oder irgendein Geist in der Schöpfung kann niemals das Ganze übersehen, das allein der Allweisen Gerechtigkeit Gottes gehört
Selbst die Vaenen, die die Fäden des Schicksals weben, können das nicht, denn obwohl sie die Fäden weben, veranlasst sie ihre Reife, sich jeglichen Urteils über diejenigen zu enthalten, für die die Fäden des Schicksals durch ihre Hände geführt werden
Nur jemand, dessen innerster Kern das Göttliche ist, kann so etwas vollbringen und gleichzeitig unter dem Allweisen Auge Gottes des Vaters stets vollständig und sicher alle Orte sehen, wohin die Fäden des Schicksals führen, und ob dort noch ein Schimmer Hoffnung auf Wiedergeburt besteht oder nicht
Welcher Mensch würde dies über seine Nächsten mit Gewissheit sagen wollen, wofür er zugleich die volle Verantwortung seinem eigenen Geist aufbürden würde?
Die Antwort auf diese Frage kann man sich sparen, da es nicht möglich ist, ein Urteil über einen anderen zu fällen
Geschieht dies dennoch, so zeigt das nur die eigene Unreife, die mit seelischen Schwächen wie Zorn und Herrschsucht verbunden ist, und nicht selten ist der Grund auch das Bestreben, anderen Menschen Leid zuzufügen, weil diese freier und ungebundener erscheinen als das Innere dieses unreifen Menschen
Aber lassen wir diese unschönen Dinge beiseite, von denen es auf der Erde unter den Menschen sehr viele gibt und die von der Verwirrung und dem Irrweg solcher Seelen zeugen, die teilweise die Verbindung zum inneren Leuchten ihres geistigen Funkens verloren haben, der, wäre er wirklich aus dem Griff seelischer Verzerrungen befreit, sofort danach verlangen würde, im freudigen Gesang mit dem gesamten Werk der Schöpfung und ebenso mit den anderen Menschen in Einklang zu kommen
Ein befreiter Geistesfunke in einem Menschen würde sich nicht um die Fehler kümmern, sondern den Kampf oder gar das ähnliche Unglück anderer verlorener Seelen sehen und den Wunsch verspüren, ihnen zu helfen, anstatt sie zu verurteilen und in die Tiefen der Zerstörung zu stürzen
Das gilt auch für alle lichteren Ebenen des feinstofflichen Teils der Nachschöpfung, wo die bereits erleuchteteren und reiferen Seelen die darunter Befindlichen als dringend hilfsbedürftig in ihrem inneren Erwachen betrachten
Die Seelen sehen den schlichten Weg, der ihnen erst im Nachhinein als ein großes, durch den Menschen niemals ausgleichbares Göttliches Geschenk erscheint, und sie freuen sich darüber, dass sie das alles zu ihrem Wissen erkennen durften, welches sie immer stärker erfüllt
Aber das können wir schon hier auf der Erde erleben
Es genügt, innerlich vollständig zu erwachen
Jeder erwachte Geist kann leicht voranschreiten, besonders in der heutigen Zeit auf dieser Erde, in der viel Wissen bereits nahe gerückt ist und nur einen kleinen Schritt vor dem Geist liegt, ihn rufend, damit er Kraft entwickle und sich das Wissen zu eigen mache
Es ist dies jedoch nicht der Weg eifriger Verbissenheit, sondern es ist der Weg freier Ungebundenheit, die an erster Stelle durch das Erleben des Augenblicks der Gegenwart bedingt ist
Alles, was einem Menschen widerfährt, sollte vollständig erlebt und somit durch die Empfindung des Geistes verarbeitet werden
Nur wenn man den Moment der Gegenwart des Geistes erlebt, können Mitgefühl und Fürsprache für andere aus dem geistigen Kern entspringen, genauso wie nur in einer solchen Einstimmung heilende Kräfte wesenhafter oder gar höherer Art durch einen Menschen fließen können
Wo immer der Geist mit dem Guten und somit mit der gesamten Harmonie des Schöpfungswerkes im Einklang sein möchte, wird er sich überall als ein feinfühliger Mensch zeigen, der stets ehrlich und aufrichtig gegenüber seinen Mitmenschen handeln möchte und der jeden Weg sucht, jedes reine Bestreben zu unterstützen
Doch selbst wenn dem Menschen ein Bild des Glücksbegriffs gezeigt wird, sieht er meist nur eine weltliche Form davon, sei es Erfolg im Zusammenhang mit Angehörigen, Familie, Besitz, Wohlbefinden oder dem Umfeld, in dem er als Bürger eines Landes lebt. Nicht zuletzt sieht er auch ein Bild seiner Gesundheit, eines langen Lebens und vieles mehr, was eng mit dem irdischen Glücksbegriff verbunden ist
So unterschiedlich die erwähnten Bilder auch sein mögen, sie werden doch größtenteils mit dieser irdischen Welt verbunden sein, und es bleibt wenig Raum für ein wahres geistiges Verständnis des Glücksbegriffs
Gleichzeitig ist es genau dieses Glück, das in allem gesehen werden sollte, was einem Menschen widerfährt, was ihn durchs Leben begleitet, damit es der einzig richtigen Reihenfolge zugeordnet werden kann
Der Begriff des Glücks für den Geist steht im Zusammenhang mit der Wahrnehmung, auf dem richtigen Weg zu wandeln, der zu den Lichtebenen hoch über dieser Welt führt
Glück und Erfolg sollen in lebendiger Verbindung mit der geistigen Erfüllung des irdischen Lebens erlebt werden
Geistige Erfüllung hängt mit den reinen, gewebten Fäden zusammen, die es dem Geist ermöglichen, sich immer näher zu Gott zu erheben, diese Nähe zu erfahren und daraus weitere Kraft für den Dienst in der Schöpfung zu gewinnen
Und genau das ist das Wichtigste, wonach ein Mensch streben sollte, weit vor allen irdischen Dingen
Das Weben reiner Schicksalsfäden für die Seele
Hier kann niemals verstandliche Berechnung enthalten sein, denn reines Weben kann nur auf einer lebendigen Herangehensweise des geistigen Inneren an alles beruhen, was einem Menschen widerfährt und wie er sich selbst gegenüber der ihn umgebenden Welt zeigt
Das lässt sich nicht verstandlich vorbereiten, im Gegenteil, man sollte stets bereit sein, mit größter Achtsamkeit und Feinfühligkeit ehrlich, hilfsbereit, kreativ und mit der Bereitschaft zur Vergebung zu handeln
Erst auf dieser Grundlage sollten andere Herangehensweisen an die irdische Welt folgen
Wenn der Geist in solch einer lebendigen Herangehensweise Gedanken und Vernunft dazu anleitet, Wege durch die irdische Welt zu suchen, kann daraus nichts entstehen, was sich in die Fäden des Schicksals als schweres Hindernis einschreiben und den Aufstieg behindern würde
Es wird auch immer genug Hilfe und Inspiration geben, um alle Momente im Leben zu meistern, so dass man stets die Würde und Größe seines Geistes bewahren kann
Es gibt vieles in der erlernten und von anderen Menschen übernommenen Lebenseinstellung, das für den Geist wie eine Bremse wirkt und ein echtes Erleben des Lebens im Sinne der Erfüllung seiner großen Gabe behindert, die in ihm für jeden Menschen liegt
Deshalb sind viele Menschen verwirrt und wissen nicht, wie sie mit einzelnen Schwierigkeiten umgehen sollen, die ihnen unüberwindbar erscheinen, obwohl sie es eigentlich nicht sind
Der Lotse in allen Situationen muss die lebendig wache Gegenwart der Empfindung sein, die dem reinen Wollen des Geistigen freien Durchlass aus dem Inneren nach außen gewährt, stets in immer mehr geformter Vornehmheit der Äußerung
Nur in dieser kraftvollen Grundlage liegt die Verbindung mit dem gesamten Werk der Schöpfung und mit all den Hilfen, die für den lebendigen Geist bereitstehen
Doch was diese Grundlage in sich birgt und wie sie den Geist mit tausenden helfenden Lichtfäden verbindet, können sich die Menschen von heute kaum vorstellen
Ehre sei all jenen Ausnahmen unter den Menschen auf Erden, die diese innere Harmonie in höchster Wachsamkeit und Sensibilität bewahren
Sie haben immer noch eine offene Verbindung zu den geistigen Welten in sich
Sie schöpfen daraus Kraft und eine höhere Perspektive jenseits allen irdischen Geredes, die ihnen wie ein offenes Buch der Gesetze Gottes erscheint, in dem alles, was geschieht, eine Bestätigung der einfachen Wahrheit von Gottes Willen in der Schöpfung ist
Dies führt jedoch zu nichts anderem, als zu einer immer innigeren Bejahung des Lebens in der Stofflichkeit zusammen mit allen geistigen sowie wesenhaften Geschöpfen, die sich hier befinden
Das führt zu einer warmen Anteilnahme und reinem, liebevollem Mitgefühl für diejenigen, die sich zwar ehrlich bemühen, aber dennoch scheitern
Und in ihren Fehltritten und ihrem Straucheln sieht derjenige, der wahrhaftig mit den geistigen Ebenen der Schöpfung verbunden ist, keinen Grund zur Verurteilung, sondern nur eine Herausforderung, Wege zu finden, wie er hier oder dort wirksam helfen kann
Er erkennt auch, dass er immer lernen kann, denn Gottes Weisheit bereitet ihm in Fülle Momente des Erlebens, die verwandelt und verfeinert werden können, gleich einem unerschöpflichen Strom neuer Erfahrungen
Und der Geist kann sich dadurch immer mehr nach oben bewegen, wenn er es als Erkenntnis nutzt als Bestätigung der Einfachheit und gleichzeitig der Vielfalt der Erscheinungen der Gesetze Gottes in der Schöpfung
Alles um ihn herum spricht eine neue, freudige und freie Sprache und bringt ihm immer reichere Gaben des Geistes
Und genau deshalb ist der geistige Funke, der sich in die lebendige Flamme des Geistes verwandelt, in die Welt der Stofflichkeit gekommen
Nicht etwa, um sich unter den vorübergehend gegebenen Bedingungen der menschlichen Gesellschaft mit ihren Auswüchsen und Verwirrungen zu behaupten, sondern um ein möglichst starkes Erleben der emotionalen Empfindung dessen zu entwickeln, was wirklich wichtig ist und was nebensächlich ist
Und leider zeigt die heutige Welt als Blüte aller vergangenen Zeiten auf der Erde, wie das Wichtigste, wozu bereits Kinder in einfacher und klarer Sprache geführt werden sollten, als nebensächlich und unbedeutend vergessen und übersehen wird
Das Wertvollste, was den Menschen zu einem geistigen Wesen macht, das eigentlich dazu bestimmt war, diesen fernen Ebenen dichter Stofflichkeit Licht zu bringen, wird unter dem Eindruck der anscheinenden Bedeutung all dessen übersehen, was nur eine vorübergehende Begleiterscheinung in den gegebenen Verhältnissen auf Erden ist
So viele Kulturen, so viele Formen und so viele verschiedene Denkschulen hat es hier bereits gegeben, und die Geister, die immer schon damit verbunden waren und es noch immer sind, ziehen das dem Ganzen der großen Harmonie des Schöpfungswerkes vor
Es ist gerade diese große Harmonie, aus der die Antwort auf alle Leiden der irdischen Menschen auf diese Erde herabkommt
Der Ausweg, der immer nur gesucht wird, befindet sich im einzelnen Menschen, er will entdeckt und entfaltet werden, weil er durch sein Wesen ein Teil des Menschen selbst ist
Die geistige Erweckung, die Erkenntnis des wahren Sinns des Lebens, bildet die Grundlage für diesen Ausgangspunkt
Das Erwachen führt zum Erkennen und einem allmählichen neuen Verständnis der Welt
Aber es erfordert, zusammen mit Demut, ständige Lebendigkeit und glühende Empfindsamkeit, ohne die es keine wahre Erleuchtung und Stärkung des geistigen Funkens gibt
Eben all dies soll das Geistige nicht in der Annahme beiseite schieben, dass es seine Kräfte vielleicht auf die Lösung irdischer Pflichten oder Erschwernisse und Sorgen richten müsse
Die Ausgangslage für den richtigen Umgang mit Pflichten, Sorgen und Schwierigkeiten sowie für das Erleben der kraftvollsten geistigen Momente ist stets an die Befreiung des inneren Menschen aus den materiellen Bindungen geknüpft, die heute bei der Mehrheit vorherrschen
Ein gesundes Empfinden wird erstickt und durch Verstandesklügeleien geschwächt, die ständig zwischen irdischer Friedfertigkeit und dem Bestreben balancieren, Pflichten zu erfüllen, die im Widerspruch zur geistigen Empfindung stehen
Wo das Irdische in seiner fesselnden Übermacht über das Geistige siegt, dort kann die Empfindung niemals wirklich herrschend werden
Der Geist kann kein Vasall der Materie und ihrer Formen sein, wenn diese in einem falschen Verhältnis zueinander stehen
Es soll immer ein ehrliches Ringen im Empfinden des Geistigen geführt werden, alle falschen äußeren Formen so zu ändern, dass sie sich in ihrer Art mehr der großen Harmonie im Schöpfungswerk nähern
Dies geschieht jedoch nicht durch Revolte oder einen absichtlich provozierten Kampf, sondern nur durch ein edles und ruhiges Beharren auf der Richtung, die der Geist als richtig empfindet
Die rechte Ausrichtung im Schöpfungswerk führt jedes geistige Geschöpf zur persönlichen Verantwortung für sein Sein und für alle anvertrauten Hüllen, die dem Geistesfunken als helfender Schutz auf seinen Wegen durch das Werk der Nachschöpfung dienen
Erst das Erfüllen der eigenen Verantwortung, welches sich auf das reife Erkennen der Gesetze des Schöpfers in allen Formen im Schöpfungswerk stützt, ermöglicht es, wahrhaftig mit innigem Herzen zu den Mitmenschen zu gehen und ihnen wirksam seine Kräfte zur Hilfe weiterzugeben
Alles andere muss letztendlich scheitern und sich als weit entfernt von dem wahren Wunsch zu helfen erweisen
Leider ist das genau das, was die Menschen heutzutage am meisten übersehen
Daher sollte jeder Augenblick genutzt werden, um sich des großen Ganzen unseres Daseins bewusst zu werden, das mit der verheißenen geistigen Heimat in den lichten Ebenen der Schöpfung verbunden ist
Der Weg des Gral – Zusätzliche Texte – 29. November 2021
Übersetzung aus dem Tschechischen
To, co je přehlíženo
https://www.cesta-gralu.cz/to-co-je-prehlizeno/
