Was können wir tun?

Wir suche Wege zur Unterstützung des Nächsten und denken vielleicht daran, dass wir so viel Wertvolles schon haben – diese wertvollen Texte, die uns immer so inspirieren, die uns innerlich hochheben, die wir schon so oft studiert haben.
Und wir möchten sie so gerne anderen zugänglich machen. Es liegt also nahe, anderen von diesem Schatz zu geben, ihn zu schenken.
Nun geht es bei diesen Texten, bei den heiligen Texten, um Heiliges! Und gerade hier gilt das Gesetz der Gleichart: Um das Hohe aufnehmen zu können, muss ich entsprechend eingestellt sein.
Nehmen wir ein Beispiel, das uns das leichter verständlich machen kann. Wir haben wohl zu Hause eine kostbare Tischdecke, die wir an manchen Tagen, an Feiertagen, heraustun und auf dem Tisch ausbreiten. Zugleich werden die Menschen, die mit uns speisen, selber aufs Feinste angezogen sein. Der Grund, aus dem wir so fein speisen, ist ein Feiertag, ein besonderer Anlass.
So merken wir, dass vieles zusammentrifft: eine bestimmte Vorbereitung im Inneren, eine im Äußeren – und dazu gehört eben auch die kostbare Tischdecke.
Gehen wir zu einem anderen Beispiel, den Andachten. Wir bereiten uns einige Zeit darauf vor, dass wir zu einer Andacht gehen werden. Äußerlich nehmen wir uns frei, sodass wir Ruhe haben, wir schalten das Handy ab, wir versuchen uns freizumachen von irdischen Gedanken. Wir fahren oder gehen zu einem bestimmten Ort, wir sind gut angezogen, wir setzen uns in einen feierlich geschmückten Raum und kommen zur Ruhe.
Dann kommt die Musik, die uns im Idealfall erhebt, die uns hilft, unser Schwingen hochzuheben, so hoch wie es eben geht. Und erst dann, in diesem Moment der inneren Erhebung, wird das Wort gesprochen.
Denn hier trifft etwas aufeinander: Der Mensch, jetzt in den Niederungen, kann sich erheben, sein Geist kann sich erheben, und in der höchsten Erhebung trifft er auf das Schwingen, das wahre Schwingen des Wortes. Und hier kann die Kraft fließen. Sie fließt nicht aus den Buchstaben, sie fließt nicht aus den Schwingungen des Schalls, sondern sie fließt in seinen Geist, der, weil er sich richtig eingestellt hat, in den erhabenen Schwingungen des Wortes nun etwas findet.
Aber nur dann. Wenn diese Voraussetzungen nicht stimmen, dann berührt uns das Wort nicht, es wird uns gleichgültig. Und das ist noch der beste Fall: dass wir überhaupt nichts damit anfangen können, weil uns die grundsätzlichen Voraussetzungen fehlen. Womöglich spotten wir dann, schätzen es gering, setzen es herab.
Aber was ist nun, wenn wir dieses heilige Wort überall zugänglich machen, es wie Wurfzettel überall verteilen, es schnell und überall zugänglich machen in den sozialen Medien, sodass jeder jederzeit darauf zugreifen kann? Müsste es dann nicht so sein, dass viele Menschen gefunden werden, die die Hoheit dieses Wortes, seinen hohen Wert erkennen?
Oder ist es nicht eher so, dass ganz viele Menschen im ersten Zug damit überhaupt nichts anfangen können? Sie sehen es, können damit nichts anfangen, und in ihren Augen wird es wertlos. Und wer hat es ihnen dort hingelegt, an diesen Ort, der so leicht zugänglich ist, der so wenig Vorbereitung und so wenig Mühe braucht?
Doch was geschieht in diesem Moment, in dem das Wort abgelehnt wird – sei es aus einer Oberflächlichkeit heraus, die in diesem Moment ja zu erwarten ist, sei es aus jener Abwehr heraus, in der der Mensch der Jetztzeit ständig lebt?
Dieses Erleben der Wertlosigkeit, der Gewöhnlichkeit oder auch der Unverständlichkeit dieses Wortes, das eigentlich heilig ist, aber nicht verstanden wird, formt sich nun in der Gedankenwelt. Und wenn sich so ein Gedanke hundertmal, tausendmal, millionenmal formt, dann erstarkt er zu bestimmten Formen, und diese Formen verbinden sich mit der Erscheinung des Wortes. Sie werden so zugänglicher, greifbarer als das Wort selber.
Hierin liegt die Verschmutzung. Und hierin liegt eine Hemmung, die durch die leichtfertige Verbreitung des Wortes erst entsteht.
Ich bitte Sie, meine Leser, noch einmal darüber nachzudenken: Ist dies der richtige Weg? Oder welchen Weg sollten wir gehen? Was eignet sich denn dazu, hineingeworfen zu werden in den Alltag, mit Füßen getreten zu werden, schutzlos?