Das Öffnen der Augen des Geistes

Die heutige Zeit bringt auf der Erde völlig einzigartige Bedingungen für das Öffnen der geistigen Augen mit sich
Es handelt sich jedoch nicht um eine Art des Hellsehens, wie man vielleicht annehmen könnte, wenn der Begriff „geistige Augen“ fällt
Gemeint ist also weder das Schauen in übersinnliche Welten noch die Gabe des Hellsehens – was für jene Menschen oft sehr verlockend ist, die sich von den außergewöhnlichen Fähigkeiten anderer angezogen fühlen
Es hat nichts mit irgendetwas Außergewöhnlichem zu tun
Hier geht es um etwas ganz anderes
Wenn wir vom Öffnen der Augen des Geistes sprechen, geht es in erster Linie darum, dass der Mensch in seiner inneren Empfindung aufnahmefähig wird, und zwar in einem bisher unbekannten Ausmaß
Das bedeutet, alles, was zur göttlichen Harmonie in der Schöpfung gehört, feinfühliger zu erleben
Man kann es auch ein tieferes Verstehen und Erleben aller Vorgänge nennen, die im Umkreis des Menschen geschehen
Das Öffnen der Augen des Geistes bringt eine ausgeprägtere Fähigkeit zum Mitgefühl mit sich
Das liegt daran, dass der Geist unter dem Einfluss der Lichtströme im Weltall danach verlangt, sich mit einem weit höheren Grad an Mitgefühl in der irdischen Hülle des Körpers betätigen zu können als vor dem Öffnen der Augen
Der Geist ist in jedem Menschen, denn er ist die Grundlage des menschlichen Daseins, und deshalb ist das Öffnen der Augen ausnahmslos allen Menschen möglich
Die Menschen können aus einem lang anhaltenden Zustand erwachen, in dem sie unfähig waren zu empfinden
Im wahrsten Sinne aus dem Schlaf des Geistes erwacht, sehen sie dann plötzlich, wo überall die Menschen die Dinge falsch eingerichtet haben und wo überall aus der Oberflächlichkeit und Lauheit der Empfindung Ungerechtigkeit und Leid für andere Menschen und für alles Leben entstehen
Die reine und klare Wahrnehmung wird sehr oft dadurch verzerrt, dass der Mensch die Welt um sich durch starre Lehrmeinungen betrachtet, die er von anderen übernommen hat, ohne aus eigenem Antrieb nachzufragen und zu forschen
Dadurch haben sich die Ansichten der Menschheit über den Sinn des Lebens nach und nach völlig verkehrt, und aus der ursprünglichen Klarheit ist die heutige widersprüchliche Welt geworden, in der die materialistische Auffassung an erster Stelle steht
Das Öffnen der Augen des Geistes lässt den Menschen die Zusammenhänge wieder richtig wahrnehmen
Viele Menschen sagen, es sei ein „Öffnen des Herzens“ oder auch ein „Betrachten der Welt mit dem Herzen“
Mit dem Herzen als körperlichem Organ hat das jedoch nur insofern zu tun, als sich in seiner Nähe das Herzgeflecht befindet, durch das die Empfindung des Menschen wirkt
Tiefe Erlebnisse von Mitgefühl, Freude, aber auch von Schmerz und Trauer hängen mit der Tätigkeit dieses Nervengeflechts zusammen, das in der Mitte der Brust liegt
Das erweckt dann den Eindruck, als sei das Herz der Ausgangspunkt dieser starken Regungen in der Brust
In Wahrheit aber geht es nur darum, die Aufnahmefähigkeit durch die reine, ungetrübte Empfindung wiederzugewinnen, in der sich hier auf Erden gleichsam die Augen des Geistes öffnen
Und das ist jetzt, im herannahenden Geschehen, die größte Forderung an jeden Menschen, seine Wahrnehmungsfähigkeit durch die Empfindung wieder so voll zu entfalten, wie sie dem Menschengeist auch in der irdischen Welt immer hätte eigen sein sollen
Durch das Weltall fluten mächtige Ströme, die eine unbezwingbare Übermacht in sich tragen, damit die Empfindung im Menschen fortan nicht mehr taub bleiben kann
Heute ist das leider noch nicht so, und deshalb kann der Verstand mit seinem Einfluss zersetzend auf das menschliche Denken wirken
Doch das wird sich ändern, denn die Kraft, die durch die Sphären eilt, erweckt alles Geistige
Es ist ein Strom großer geistiger Erleuchtung, der schon bald in das Leben jedes Erdenmenschen Einzug halten wird
Das wird das Verständnis von allem, was bisher einen auf den ersten Blick unverrückbar festen Platz in der Welt der Gedanken eingenommen hat, völlig verwandeln
Der größte Teil des bisherigen Denkens wird erschüttert werden, damit es sich durch die geöffneten Augen des Geistes erneuert und eine neue Sichtweise erschließt
Und das wird zunächst Erschrecken hervorrufen, denn erst im Erleben wahren Mitgefühls wird sich die heutige Welt als beängstigend leerer Ort zeigen, was die Barmherzigkeit und das Verständnis der Menschen im Umgang mit ihren Nächsten betrifft
Die alte Welt bricht mit jedem Tag mehr zusammen, doch die neue Wahrnehmung der Vorgänge, die der erwachende Geist mit sich bringt, setzt erst so langsam ein, dass die meisten sie nicht bemerken
Die geistigen Augen der Menschen öffnen sich erst einen Spalt weit
Und dabei wird immer zuerst das Schlechte wahrgenommen, also all die Bereiche, in denen Ungerechtigkeit herrscht und in denen es an einem reinen Leben mangelt
Das ruft zunächst Empörung hervor
Auf der nächsten Stufe wird sich der Mensch seiner eigenen Unzulänglichkeit gegenüber dem Übel bewusst
Zugleich steigt in dem Menschen, dessen Inneres erwacht, Zorn über sich selbst auf
Es ist notwendig, Mitgefühl für diese Menschen und Geduld mit ihnen zu haben, denn die nächste Stufe ist die Erkenntnis der eigenen Kleinheit, die nach und nach die Demut erweckt
Und erst danach kommt der Hilferuf an eine höhere Kraft, an Gott
Wenn man heute einen großen Teil der Menschen betrachtet, fällt es noch sehr schwer zu glauben, dass sie durch das Erwachen ihres Geistes befreit werden sollen
Das liegt daran, dass wir uns im Entwicklungsgeschehen in jenem Abschnitt befinden, der zum Beginn des Erwachens gehört
Mit jedem Tag wird sich das ändern, und das Erwachen der Empfindung wird weiter voranschreiten
Heute überwiegen noch der Verstand und seine materielle Ausrichtung, und deshalb bleiben viele Menschen ohne Halt, denn sie sind gewohnt, dass erst die äußere Welt ihnen einen Anstoß geben muss, bevor auch sie selbst weitergehen
Viele von ihnen meinen daher auch, wenn eine Veränderung bevorstehe, werde jemand, den sie als wissend anerkennen, sie darauf vorbereiten
Ein großer Teil der Menschen erwartet auch, dass vor jeder großen Wende in der Entwicklung der Menschheit ein Gesandter des Lichtes kommen muss, der ihnen als rechter Führer der Massen alles so erklärt, dass sie es klar und genau verstehen
Und es gibt noch viele, die in ihrem Dünkel meinen, am Ende würden sie selbst darüber entscheiden, ob die Menschheit diesen Weg einschlägt oder nicht
Das zeigt nur, wie wenig die Menschen die wahre Kraft kennen, die seit jeher die Richtung der Entwicklung des Schöpfungswerkes bestimmt
Das schafft für Milliarden von Menschen eine erschreckende Phase von hoffnungsloser Orientierungslosigkeit
Doch es ist nur noch eine sehr kurze Zeit, in der die Menschen verwirrt sein werden, weil ihre erlernten Vorgehensweisen, mit denen sie bisher nach bewährtem Muster über das Schicksal der Erde entschieden, nicht mehr greifen
Der bisherige lange Abschnitt der Erdgeschichte, geprägt von Leid und dem Blut von Milliarden inkarnierter Seelen, geht zu Ende
Der Zustrom der Kraft bringt die Forderung mit sich, sich in die Schwingungen einer höheren Art von Harmonie einzufügen, die nötig ist, damit die Menschheit auf dieser Erde weiter bestehen kann
Die Menschheit allein ist dazu nicht fähig, denn die Wege, die sie zur Lösung der Schwierigkeiten der irdischen Welt wählt, entfernt sie am Ende immer weiter vom Licht und von der Harmonie
Die Schicksalsfäden müssen dann nur immer weitere karmische Belastungen mit sich bringen, in die sich ein Mensch nach dem anderen verstrickt und dadurch auf seinem Entwicklungsweg aufgehalten wird
Lebt und handelt man weiter wie bisher, entstehen nur neue Verknüpfungen von Fäden, die weitere Wiedergutmachung nötig machen
So wird die Kette des Menschheitsschicksals geschmiedet, die kein Ende hat
Der Ausweg liegt darin, diesen endlosen Kreislauf von Schuld und Sühne zu durchbrechen
Diesen Ausweg zu finden, setzt voraus, dass der Mensch nach und nach geistig sehend wird, anders gesagt, dass die Fähigkeit zum Mitgefühl mit den Nächsten erwacht
Nur mit einer solchen Haltung kann das menschliche Wollen, Denken und Handeln so eingestimmt werden, dass es gelingt, die alten Schicksalsfäden zu lösen, die zwischen einem großen Teil der Menschen als bisher unlösbare karmische Verbindung wirken
Das Allerwichtigste für den Aufstieg des Menschen ist dabei die Fähigkeit, alles zu vergeben und wiedergutzumachen, was in der Vergangenheit zwischen den Menschen geschehen ist
Bis heute haben die Menschen die Bedeutung dieses Verständnisses nicht erkannt, ohne das sich der Geist nicht öffnen kann
In Wirklichkeit ist es jedoch etwas ungeheuer Ernstes, das Milliarden Seelen bindet und dadurch aufhält
Damit sowohl der Einzelne als auch die gesamte Gesellschaft aufsteigen können, ist es am wichtigsten, den nur oberflächlichen Blick auf andere Menschen in eine Haltung zu verwandeln, die aus der höchsten Regsamkeit des menschlichen Geistes hervorgeht
Und das wird sich auch als Bedingung für die weitere Entwicklung der Menschheit in diesem Teil des Weltalls erweisen
Man kann sagen, dass dies für viele Menschen der schwerste Abschnitt des kommenden Wandels sein wird
Auf seine Weise wird es jedem Menschen Schwierigkeiten bereiten, denn jeder Erdenmensch ist irgendwie vom Stachel Luzifers gezeichnet, vom Misstrauen
Und der Mensch misstraut nicht nur der Welt um sich, sondern auch sich selbst
Die Menschen vertrauen sich selbst nicht
Das Misstrauen gegenüber dem eigenen Empfinden ist ein Hindernis, das sehr viele sonst gute Menschen davon abhält, sich von den erlernten Verhaltensweisen im Alltag zu befreien
In der Regel stellt sich Misstrauen sofort dort ein, wo man sich der Aussicht auf eine bessere Entwicklung öffnen sollte
Der Mensch glaubt nicht an die Möglichkeit eines besseren Lebens auf der Erde – ja, er glaubt nicht einmal daran, dass er selbst reine Wege gehen und ein vollwertiges, freudiges und schönes Leben führen kann
Die Menschen haben gelernt, im Gehorsam gegenüber dem Verstand das Schlechtere zu erwarten, denn so hat es sich durch den starken Einfluss der heutigen Denkweise in ihr Gedächtnis eingeprägt
Es hat sich in alle Gedanken eingewoben, die weit mehr an Leid und Schmerz als an Gottes Segen glauben
Und weil sie diese Dinge fürchten, fürchten sie auch die weitere Entwicklung des Geschehens
Sie haben das von Generation zu Generation als etwas Selbstverständliches übernommen
Überall dort, wo sonst die Kraft der Überzeugung von einem guten Ausgang, die Kraft des Vertrauens in den Sieg des Besseren wirken könnte, kommt stattdessen die Warnung vor der Torheit eines solchen Handelns, und man rechnet mit einem schlechten Ausgang
Dadurch wird jedoch, anstatt die gute Entwicklung zu stärken, dem Weben der Fäden eines weniger guten Weges Kraft zugeführt – für das Leben des Menschen wie für das gesamte Geschehen auf der Erde
So hat der Versucher die Menschen meisterhaft in eine falsche Richtung gelenkt, was sich im menschlichen Schicksal unter der Wirkung des Gesetzes der Gleichart am Ende zeigen muss, ohne dass die Menschen etwas davon wissen
Die Erwartung eines schlechten Ausgangs formt die Gestalt des Ergebnisses, das dann unter der Wirkung der Schöpfungsgesetze eintritt
Die Fäden richten sich danach, welche Voraussetzungen für die Entwicklung die Menschen schaffen
Mit diesem Wissen arbeiten heute unter anderem auch alle Medien, die die gesamte Stimmung in der Gesellschaft beeinflussen
Man könnte diese Art, das Denken der Menschen zu lenken, auch ein stetes Untergraben der gesunden Kräfte nennen
Anstelle des aufbauenden Prinzips, das immer mit der Erwartung einer besseren Entwicklung arbeitet, hat sich in der Menschheit ein Prinzip eingebürgert, das schon im Voraus mit dem weniger Guten rechnet
Welchen Schaden das in der Welt der Gedanken anrichtet, ahnt die heutige Menschheit noch gar nicht
Dadurch wird auch die Kraft des Mitgefühls mit den Nächsten untergraben, denn die Erwartung des Schlechteren nährt in den Menschen die Meinung, sie lebten selbst schon im Mangel oder es müssten sie demnächst Armut, Elend, Krankheit und Krieg ereilen
Durch das, was in den Medien immer wieder gesagt wird, erreicht man, dass die Mehrheit der Menschen dies auch erwartet
Doch darin wiederholt sich nur immer derselbe Irrtum, und die Unkenntnis der Schöpfungsgesetze treibt die Menschen am Ende tatsächlich in Elend und Krieg
Das Misstrauen durchdringt das ganze Denken der heutigen Zeit
Und so wird die Wahrnehmung mit der Empfindung gelähmt, denn in der Empfindung lebt immer etwas von reiner Kindlichkeit und damit von Vertrauen
Und nur aus einer solchen Einstellung des Menschen erwächst dann die Fähigkeit zum Mitgefühl mit Menschen, die auf ihrem Lebensweg Hilfe und Verständnis brauchen
Wird die helfende Hand zusammen mit dem Wissen um den Lauf der großen Schöpfungsgesetze gereicht, dann kann alles schnell heilen und sich im neuen Zustrom der Kraft wieder aufrichten
Auch das Weben der eigenen Schicksalsfäden wird vom Augenblick an, in dem die Empfindung und das Vertrauen in Gottes Allweisheit erwachen, anders ausgerichtet, und so können früher oder später mehr innerer Friede und Gelassenheit bei der Suche nach Auswegen aus den verschiedensten menschlichen Schwierigkeiten einkehren
Am Ende wird doch jeder aufsteigen, wenn er sich nicht selbst seinen eigenen Weg weiter durch Misstrauen und die Unfähigkeit zum Mitgefühl mit den Nächsten und allen Geschöpfen der Schöpfung verbaut
Ein solches Erwachen des Geistes bietet dem Menschen diese Veränderung als unverhoffte Hilfe in dieser verworrenen Gegenwart auf der Erde
Deshalb ist es hier angebracht, alle aufzurufen, sich einen neuen Blick auf die Welt und auf alles Leben in ihr zu eigen zu machen
Das Öffnen der Augen des Geistes ist nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine Bedingung, die aus den Höhen des Lichtes für eine neue Richtung der Entwicklung auf der Erde vorgegeben ist
Schon zu viele Jahrhunderte wurden mit den immer gleichen Irrtümern der Menschheit vergeudet, ohne dass sie den richtigen Weg fand
Die Gegenwart bietet die Möglichkeit, vollständig zu begreifen, welchen Sinn das menschliche Dasein auf der Erde hat
Dazu verhilft der sehend gewordene Geist
Blickt der Mensch zurück, muss es ihn erschüttern, dass in der bis heute aufgezeichneten Geschichte die wahren geistigen Gaben, die im Inneren der Menschen schlummern, nie in dem Maß genutzt wurden, wie es dem Willen des Schöpfers entsprochen hätte
Umso mehr sollte jetzt der Wille gestärkt werden, allem Kommenden mit einer ganz anderen Erwartung zu begegnen
Das Weben der Fäden ist den Alphar anvertraut, die als wahrhaft Wissende erkennen, wann und unter welchen Bedingungen eine Wende so in den Lebensweg eingewoben werden kann, dass fortan alles nur noch auf gesegneten Wegen verläuft
Doch solange ihre geistigen Augen verschlossen bleiben, werden die Menschen diesen gnadenvollen Vorgang nie mit ihrer Empfindung erfassen, und so besteht für sie die Gefahr, verschlossen und leer zu bleiben und alles Schlechte mitzuformen, ganz nach dem, was andere ihnen an Gedanken eingeben
Es ist an der Zeit, mit diesen alten Gewohnheiten Schluss zu machen
Wer geistig sehend wird, dem eröffnen sich jetzt ganz neue Aussichten
Alles kann zum Besseren gewendet werden
Nichts steht dem entgegen, dass im Inneren des Menschen das Vertrauen in einen besseren eigenen Weg und in eine bessere Entwicklung der Gesellschaft erwächst und sich festigt
Und dann wird es auch geschehen
Mit Gottes Hilfe wird es kommen und die Gedankenformen aller Schwarzseher ganz hinwegwehen, die ihren Mitmenschen nur Schreckensbilder von Not und Elend vor Augen führen
Wer erwachtes Mitgefühl in sich trägt, der wünscht anderen Menschen niemals etwas Böses
Das ist etwas so Schlichtes und Natürliches, dass es fast verwunderlich ist, dass sich die Menschen nicht nach diesem Grundsatz als einem der wichtigsten im Leben richten
Mitgefühl findet sich überall dort, wo im Menschen die geistige Wahrnehmung auf reine Weise belebt ist
Und genau dazu ist es nötig, die Augen seines Geistes ganz zu öffnen
Das anzustreben, ist jetzt für jeden das Allerwichtigste
Darum auf, vorwärts, möge alles zuerst mit dem Herzen wahrgenommen werden
Dann wird sich das Leben des Einzelnen wie die ganze Welt zum Besseren wandeln
Der Weg des Grals – Ergänzende Texte – 2. November 2026
Übersetzung aus dem Tschechischen
Otevření očí ducha