Urda, Werdandi, Skulda

Aus „Der Weg zum Gral“ | 26. Oktober 2020 | Ergänzende Texte

Erneut richten wir unseren Blick nach oben, zu den Wohnstätten der drei erhabenen Seherinnen, die in so bedeutender Weise in den großen Lauf der Dinge im Getriebe des Werkes der Nachschöpfung eingreifen

Wenn unser Blick in die richtige Richtung dringt, dann offenbart sich uns die Vorderseite eines prächtigen Pavillons, der Teil eines ringförmigen Tempels ist, welcher auf dem Gipfel der Gärten Asgards den mächtigen Stamm des Baumes der Erkenntnis umschließt

Wir haben bereits beschrieben, dass der Baum der Erkenntnis eigentlich ein herabfließender Strom des Lichtes ist, der sich aus den Höhen der Schöpfung in das Nachschöpfungswerk mit all seinen stofflichen Teilen ergießt

Auch diejenigen, die den vorherigen Teil über die drei Seherinnen gelesen haben, wissen, dass an denselben Stellen auch Strahlungen von unten nach oben fließen, um in ihren Strömen über den Zustand der Dinge in den Ebenen zu berichten, in denen sich die menschlich-geistigen Funken zu ihrer Vervollkommnung entwickeln

In den vom Licht erleuchteten Wolken offenbaren sich dann in den hohen Sphären des Schöpfungswerkes Formen, die in geistigen Bildern das darstellen, was sich in den Ebenen des Nachschöpfungswerkes ereignet hat, was sich ereignet und was sich noch ereignen wird

Dadurch können die begnadeten Bewohner der geistigen Welten Teile oder sogar ganze Komplexe von Geschehnissen sehen, die in geistiger Sprache das darstellen, was sich in den Ebenen abspielt, in denen sich die geistigen Funken auf dem Weg ihrer Entwicklung befinden

So durfte auch Ismael auf dem Gipfel der Schöpfung, kniend vor Parsifals Thron im seligsten aller Säle des Grals, durch diese Bilder, die vor seinen Augen erschienen, in der Sprache des Geistes das beschreiben, was mit dem weiteren Wirken des göttlichen Planes verbunden ist und was somit einst kommen wird als Geschehen, das sich über den irdischen Ebenen der Menschheit erfüllt

Dass es sich dabei um Bilder handelte, die für den irdischen Verstand nur schwer verständlich waren, liegt auf der Hand, denn im geistigen Teil der Schöpfung ist alles in Bilder geformt, die für das dortige Verständnis bestimmt sind

Und deshalb musste die berühmte Offenbarung des Johannes, die Teil des Neuen Testaments der Bibel ist, als diese Bilder später durch Inspiration einem einfachen, innerlich offenen irdischen Schreibenden zur Aufzeichnung anvertraut wurden, schließlich in gewissem Maße die Ordnung und Logik vermissen lassen, die das irdische Denken der Menschen hier anwendet

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft waren in einer Einheit verbunden, so wie die Bilder in den gewebten Fäden der drei Seherinnen erschienen, die durch ihre Arbeit das Wichtigste für das geistige Verständnis in die Bilder eingebracht hatten

Und dass geistiges Wissen nicht irdisches Verstehen ist, versteht jeder, der auch nur ein wenig echte geistige Schwingung erlebt hat

Das Geistige ist immer lebendig, beweglich und nimmt die Symbolik der Bilder anders wahr, als diese gleichen Bilder vom irdischen Denken mit seinen Interpretationen der Formen der Geschehnisse verstanden werden

Wie das, was unten geschieht, oben erscheint und sich als Antwort sofort mit dem verbindet, was noch kommen wird, so muss auch das, was von oben kommt, unten von jemandem, der dazu berufen ist, richtig in die Verständlichkeit des irdischen Denkens übersetzt werden, um verstanden zu werden

Deshalb wurde auch zur Zeit des Menschensohnes auf Erden durch berufene Hände die notwendige Erklärung hinzugefügt, und so wurde die bis dahin Jahrtausende lang mit sieben Siegeln verschlossene Offenbarung des Johannes geöffnet und für alle diejenigen erklärt, die reinen Herzens und lebendigen Geistes sind

Die Offenbarung wurde von den Siegeln befreit und wirkt nun zur Erfüllung aller in ihr enthaltenen Bilder auch für die Welten der Stofflichkeit

So ist immer das Geschehen, das aus dem Licht kommt, in dem die gnadenvolle Größe Gottes an alles Notwendige denkt, damit die geistigen Funken auf ihren Entwicklungswegen in der Stofflichkeit immer das zur Hand haben, was für sie wirklich wichtig ist

All dies hat eine gewisse Verbindung mit dem besonderen, gesegneten Tempel, der zu Beginn der Zeiten im Werk der Nachschöpfung unter Walhall für die drei Seherinnen und auch ihre wunderbaren Helfer, deren es eine große Anzahl gibt, geformt wurde

Und genau an der Stelle des ringförmigen Tempels befindet sich als prächtigster Teil dieses Tempels der Pavillon, in dem die drei Seherinnen wohnen, deren Ursprung von einer hohen wesenhafte Art ist

Die drei Seherinnen arbeiten beständig in ihrem Dienst und bringen dadurch die Zukunft in das Werk der Nachschöpfung

Oft werden sie als Spinnerinnen oder auch als alte Frauen beschrieben, die die Fäden des Schicksals weben

In Unkenntnis ihres wahren Wesens haben die Menschen nichts anderes zur Hand als meist seltsame Formen, die das Bild alter, unnahbarer und unfreundlicher Frauen hervorrufen

Die Menschen der alten Völker haben in ihrer Unwissenheit dieses Bild geschaffen, weil sie von ihrem eigenen Schicksal ausgingen, in dem sie allzu oft nur Unglück und Schwierigkeiten fanden

Dieses Unglück schrieben sie dann den Seherinnen zu, als ob diese die Fäden aus sich selbst webten

Welche Torheit war und ist das doch von einer großen Anzahl von Menschen, die nichts wissen und auch nichts wissen wollen

In Wirklichkeit sind diese drei wesenhaften Dienerinnen wunderschön, wie alle jene Diener, die ihren Ursprung im von Gottes Willen gesegneten wesenhaften Strom haben

Am ältesten erscheint Urda, die auch als erste der Dienerinnen an diesem Ort entstanden ist

Ihr Haar ist silbern, und ihre sonst klare Stirn ist von Falten bedeckt

Das liegt nicht daran, dass sie Spuren des Alters trägt, sondern auf ihrem Ausdruck ist der Abdruck der Fäden, die sie weben muss, indem sie die Vergangenheit auf ihr Spinnrad wickelt, und mit dieser Vergangenheit sind meist nur graue Fäden verbunden, die aus den Ebenen der Stofflichkeit unter Asgard aufsteigen

Sie hat auch einen großen silbernen Mantel mit einer Kapuze, die sie sich aufsetzt, wenn gerade aus den Tiefen der Stofflichkeit Ströme aufsteigen, die in großem Maße Schmerz, Leid und Tod in sich tragen

Ihre eine Hand hält das Spinnrad, und die andere nimmt durch sanftes Bewegen der Finger ständig den Faden auf, der sich aus dem Weben der größten Vaenen zusammenfügt, die für diese Dienerin die Fäden vorbereiten, die aus dem Wollen und Streben aller Geschöpfe stammen, die in den Universen der Weltenteile leben

Von Urdas Spinnrad steigt ein Strahlungsfluss auf, der hoch oben in der Krone des Baumes über Walhall in den Nebeln des Lichtes verschwindet

An Urdas linker Seite sitzt in dem durchleuchteten runden Pavillon Werdandi, die Dienerin, die die Gegenwart webt

Werdandi webt die Fäden, die im Strom des Baumes von den Höhen herabkommen, und fügt dem einen Teil der Fäden hinzu, die ihr aus Urdas Hand zufließen

Werdandi ähnelt in ihrem Aussehen am ehesten einer reifen Mutter

Ihr Gesicht ist geprägt von liebevoller Fürsorge, aber auch von strenger Gerechtigkeit

Sie hat dichtes braunes Haar, das zu einem langen Zopf geflochten ist, der sich um ihre Beine schlingt und bis zu den Wurzeln des Baumes reicht, so wie sich in ihm die Länge des Lebens des Menschengeschlechts in der Nachschöpfung widerspiegelt

Auch sie hat ihren silbernen Mantel mit einer Kapuze, die sie sich aufziehen kann, wenn sie schweres Geschehen für einen der Weltenteile webt

Ihre Hände weben alles, was für den Lauf der Dinge notwendig ist, damit die Menschen ihr Leben führen und in ihm zu ihrem Aufstieg oder Untergang reifen können, je nachdem, wohin ihre Schicksalswege des aus dem freien Willen ihres Geistes gebildeten Wollens sie führen

Zur Linken von Werdandi sitzt dann die dritte der Seherinnen, Skulda

Skulda ist die jüngste der Seherinnen und wirkt im wichtigen Dienst des Webens der Zukunft

Sie webt in Wirklichkeit keinen der Fäden, aber ihre linke Hand hält eine Schale, in die sie das tropfende Öl des lichten göttlichen Segens auffängt

In diesem Tropfen des lichten Öls aus den Höhen ist der Keim von allem enthalten, was als Folge des Vergangenen und Gegenwärtigen kommen wird

Dieses Öl ist der Träger des Lebens, das alles nährt und vorantreibt, damit es Frucht bringe von allem, was gesät wurde

In ihm vereinigen sich die göttliche Gerechtigkeit, die göttliche weise Reinheit und die göttliche Liebe, die wie ein Strom goldenen Öls von den Höhen in die Schale der Schuld fließen

Die Dienerin Werdandi, die neben Skulda sitzt, taucht ihre Finger in diese Schale und fügt das Öl den Fäden der Gegenwart hinzu, die gerade in den Stoff gewebt werden

Auf diese Weise wird der Faden der Zukunft zur Gegenwart, die sich durch die von den Vaenen sorgsam geführten Fäden sofort zu den Weltengemeinden, den Ländern, den Völkern und auch zu den einzelnen Menschen geführt, um sich an ihnen zu erfüllen

Skulda hält in ihrer anderen Hand einen silbernen Stab, mit dem sie die Fäden antreibt, die sich aus Werdandis Hand abwickeln

Für viele, die dieses Bild von Skulda sehen dürfen, erscheint es, als ob sie selbst den Faden der Zukunft weben würde

In Wirklichkeit formt sich die Zukunft aus der Vergangenheit und Gegenwart, die Urda und Werdandi weben

Skulda fügt diesen Fäden den Glanz der göttlichen Kraft hinzu, die in Form des herabfließenden goldenen Öls zu ihr fließt

Indem Skulda die Fäden mit dem silbernen Stab vorwärtstreibt, wird aus ihnen sogleich die Gegenwart

Die Menschen haben das Bild der Skulda, von der ein starker Strom von Fäden ausgeht, die das Kommende tragen, seit jeher als eine Art Schicksal gedeutet

Sie empfanden es als ein unausweichliches Geschehen, und in dieser Unausweichlichkeit wähnten sie, dass es unmöglich sei, sich dem zu entziehen, es sei denn, man akzeptierte es als ein Spiel des Schicksals, das über sie hereinbrach und das sie nicht ändern konnten

In Wirklichkeit entsteht nirgendwo ein einziger Faden, der in sich ein ungerechtes Geschehen für irgendeinen Menschen oder ein Geschöpf enthalten würde

Alles wird streng davor geschützt, dass irgendetwas geschieht, was das Prinzip eines ungerechten Schicksals in sich tragen würde, wie es sich auch heute noch viele Menschen einreden wollen, die sich oft als Opfer eines höheren Geschehens in ihrem Leben zu sehen versuchen

Lasst uns also den Verlauf der Fäden verfolgen, die in sich die nahe Gegenwart für die Menschen auf ihren Wegen tragen

Wie gesagt, die von Skulda angetriebenen Fäden eilen zu den höchsten der Vaenen, die diese Fäden sogleich sortieren und weiter in die Ebenen unter sich schicken, wo wiederum eine ganze Armee weiterer Helfer bereitsteht, die die Fäden wiederum weiterführen und in noch feinere Ströme sortieren, die schließlich zum Erleben des einzelnen Menschen eilen, wo immer dieser sich auch in den Ebenen der Stofflichkeit befindet

Wo auch immer er ist, die Fäden finden ihn und formen mit Hilfe der nächsten Helfer, der Vaenen und Alphar, das wirkliche Leben mit allem, was kommen wird

Die Fäden nähern sich und können durch ihre Art nur das bringen, was dem Menschen wirklich zusteht

Sogar der Mensch selbst kann in letzter Minute das, was auf ihn zukommt, noch ändern, durch eine neue Einstellung seines Wollens

So schnell arbeitet und wirkt alles

In allem spiegelt sich die höchste Möglichkeit der freien Entscheidung des geistigen Wesens im Menschen wider, die immer der Grund für das ist, was auf Erden geschieht

Jedes Heranfließen eines Fadens bringt eine Situation mit sich, die ihm eine neue Entscheidungsmöglichkeit gibt

Sie kann Fortschritt und Befreiung bringen, wenn der Mensch das Erleben rein und richtig durchläuft

Es kann aber auch neue Schuld entstehen, wenn Menschen, die sich im grobstofflichen Geschehen begegnen, ihren Fehlern und Schwächen erliegen und dadurch dem anderen Menschen mehr schaden, als es im natürlichen Zustand der Unreife durch die Erfüllung des Ausgleichs hätte sein sollen

Der Verlauf dieser Ereignisse liegt immer ganz in der Hand der Menschen selbst, und es liegt allein an ihnen, inwieweit sie sich von den dunklen Einflüssen beherrschen lassen oder sich im Gegenteil erheben und im Rahmen der rückwirkenden Ereignisse ihren Edelmut und ihre Güte gegenüber anderen Menschen zeigen

Aus den Höhen eilen immer nur Fäden herbei, die die Botschaft von der Notwendigkeit des Ausgleichs von Schuld oder von etwas tragen, das bis jetzt noch eine offene Wunde ist, die nach Heilung ruft

Dadurch bereiten die Fäden aus dem Vergangenen die Gegenwart vor, und diese Gegenwart gestaltet die Situation und Umgebung, in der sich das eine oder andere abspielt

Es entsteht ein Knotenpunkt, der die Gelegenheit zur Auflösung des Vergangenen bietet, und das auch in Momenten, in denen sich die Menschen dessen überhaupt nicht bewusst sind und die gegebene Situation für die alltäglichste halten, die sich für sie im Alltag vielleicht schon zum tausendsten Mal wiederholt

Dennoch ist in der gegebenen Situation immer ein Geschenk aus dem Licht zur Gelegenheit des Fortschreitens vorhanden

Auch in der kleinsten Begegnung mit einem anderen Menschen liegt die Möglichkeit, sich zu befreien, sich in seiner Art des Handelns mehr zu einer höheren Reife und Güte zu bewegen

Das zukünftige Geschehen bestimmt immer und allein der Mensch mit seinem freien Willen

Deshalb ist für alle Menschen letztlich immer die innere Einstimmung entscheidend, in der sie sich begegnen und in der sie gemeinsam die Erfüllung eines solchen Augenblicks meistern, wenn sie diesen Knotenpunkt durchschreiten

Ob beide als Sieger, oder nur der eine oder der andere, oder ob gar beide sich durch das gegebene Erleben einen neuen karmischen Faden schaffen, der dann wieder in zukünftiger Zeit gelebt werden muss, das alles hängt nur von ihnen selbst ab

Man muss nur erkennen, dass der belebte, laufende Faden eine Kraft in sich trägt, die nach dem Erleben einer bestimmten Situation ruft

Der freie Wille der Beteiligten entscheidet dann, ob es eine befreiende Erfahrung wird oder eine Erfahrung, die zu einer neuen Schuld führt, die wieder neu geknüpft werden muss, um auf eine neue Gelegenheit zu warten

So entstehen zwischen vielen Menschen karmische Bindungen, die Jahrhunderte oder gar Jahrtausende dauern können, bis wieder eine neue Gelegenheit zur Befreiung kommen kann

Diese Gelegenheit ist dann gnadenvoll zu nutzen, wird aber von den Menschen in ihrer Abgestumpftheit, in der Unaufmerksamkeit ihrer geistigen Wahrnehmung allzu oft nicht richtig erkannt

Dadurch wird kostbare Zeit vergeudet, die doch nötig ist, damit sich der menschliche Geist weiter von den Fäden seines Schicksals löst

Dabei ist hier immer der wirksamste Weg zur Hand, um alles richtig zu durchlaufen – der Weg der vollständigen, allumfassenden Einstellung zum Guten in allem, was die Menschen erleben

Nur dies hat die Kraft, Befreiung von allem Belastenden zu bringen, damit der Aufstieg des Geistes einmal vollendet werden kann

Der beklagenswerte Zustand der Unwissenheit vieler Menschen führt leider oft dazu, dass ihre Lebenserfahrungen sie in belastenden Bindungen gefangen halten oder gar dazu verleiten, anderen Schaden zuzufügen und sich dadurch noch tiefer in Schuld zu verstricken

Wenn die Menschen die höchste Gerechtigkeit und die weise Liebe der göttlichen Gesetze erahnen würden, dann würden sie erkennen, dass in ihnen selbst die einzig entscheidende Kraft liegt, die sie befreien kann, indem sie alles auf sich nehmen, was auf sie zukommt, sei es in freudiger Übereinstimmung mit den anderen, sei es durch die Vergebung, die in ihnen durch die edle Haltung gegenüber allem, was ihnen von anderen Menschen angetan wurde, entsteht

Eigentlich ist alles so einfach und unkompliziert

Zum Aufstieg führt immer nur der einfachste, universellste Weg, der dem menschlichen Geist gegeben ist, um Freude und Erfüllung zu erlangen

Es ist ein universeller Weg, der nichts weiter verlangt, als ein helfendes, freudiges und reines Wollen in sich zu bewahren, das nicht erlahmt und immer in Bereitschaft im Menschen ist

Dieser wunderbare Aufstiegsweg, den die göttliche Liebe dem geistigen Funken in der Schöpfung bietet, ist einzigartig und unersetzlich, und der Mensch kann nichts anderes erfinden, um ihn zu ersetzen

Doch nun zurück zu den Dienenden, die am Fuße des Baumes der Erkenntnis die Fäden spinnen

Die Dienerin Skulda hat ein jungfräulich-jugendliches Aussehen, ihr Haupt ist mit hellen Locken geschmückt, die zu einem dichten Zopf gebunden sind, der ihr bis zu den Füßen herabfällt

Auch Skulda trägt einen Mantel, der jedoch in hellem Gold schimmert

Dieser Mantel hat keine Kapuze, aber sie hat einen leichten Schal, mit dem sie ihr Haar und ihr Gesicht bedecken kann, wenn sich ihr aus der Höhe die Ankündigung einer zukünftigen schweren Erfahrung für die Welten der Materie nähert

Das ist dann der Fall, wenn die Folgen schwerer karmischer Art zurückkehren und auch dann, wenn die Schöpfung von dem erfüllenden Lichtstrahl durchzuckt wird, der die Welten im Werk der Nachschöpfung zur Abrechnung im Gericht ruft

Die Schilderung dieses Geschehens im Werk der Nachschöpfung würde aber ein eigenes Kapitel in der Annäherung an die dort wirkenden Vorgänge erfordern

Vielleicht wird es wieder einmal Zeit sein, dies alles durch das Weben der Fäden zu verdeutlichen, die aus der Höhe durch den Baum der Erkenntnis fließen

Doch nun zurück zu Urda, Werdandi und Skulda

Um die drei erhabenen Spinnerinnen der Schicksalsfäden ist stets reges Geschehen, denn ihnen stehen von Walhall aus viele andere edle Helferinnen zur Seite, darunter die Hesperiden, die sich am Ort des Eulenpavillons in Jungfrauen verwandeln, um den drei Seherinnen goldene Äpfel vom Baum der Erkenntnis zu bringen, von denen sie ihnen Bissen zur Sättigung geben

Auch sind hier von Zeit zu Zeit in glänzender Rüstung die Walküren zu sehen, die kommen, wenn aus den von Werdandi gewebten Fäden Kampf hervortritt und der Abschied heldenhafter Krieger aus den grobstofflichen Ebenen zu erwarten ist

Auch Hathmes und Hermetes neigen sich dorthin, denn auch sie lesen aus den gesponnenen Fäden ihren Ruf zur Arbeit, fast immer voran der kämpferische Hareiars, der zur Zerstörung der Welten berufen ist

Schweigend kommt auch die Dienerin Styx in den Pavillon der Spinnerinnen

Sie tut dies, um in die Fäden zu schauen, wenn sie strahlende Geister aus dem Licht in die Materie oder wieder aus der Materie ins Licht begleiten wird, die aus den Höhen der Schöpfung oder gar aus dem eigentlichen Teil der Urschöpfung in die Nachschöpfung eintauchen

Ihre Freude in einem solchen Falle ist unbeschreiblich, denn der Lichtstrahl, der in diesen gesandten Helfern bebt, ist für diese Dienerin immer erfrischend und erhebend

Styx begleitet dann einen solchen Gesandten aus den Höhen des Lichtes zu den Orten, wo sich sein Geist auf die Inkarnation vorbereitet

An feinstofflicher Stätte, erfüllt vom strahlenden Licht der höchsten Höhen des Werkes der Nachschöpfung, spinnt sich dann durch die Fäden der Zukunft die Möglichkeit der Inkarnation an den Orten, wo ein solcher Lichtgesandter wirken soll

Er selbst wirkt in den Inspirationen mit, damit die Bedingungen für seine Inkarnation in der grobstofflichen Welt so gut wie möglich für seinen Dienstbeginn vorbereitet werden

Nicht selten nähert er sich in seinem angenommenen feinstofflichen Hülle denen, die ihn aufnehmen sollen, um sie durch seine Ausstrahlung in ihrem persönlichen Aufstieg zum Licht zu unterstützen

Wenn die Fäden geknüpft sind und alles bereit ist, wird von der Dienerin Styx ein silbernes Band hinzugefügt, das zu dem kleinen Körper führt, der sich im grobstofflichen Schoß der irdischen Mutter bildet

Der edle Geist gibt sich vertrauensvoll dem Strom der Kräfte hin, die ihn der Verbindung mit der Astralhülle des Körpers und schließlich mit dem eigentlichen Erdenkörper des Kindes näher bringen

Alles um ihn herum verschwimmt, und er sieht sowohl seine Vergangenheit als auch die Zukunft, die für ihn vorbereitet ist

Sein Bewusstsein verengt sich allmählich zu einem schmalen Strom, während die gebildeten Fäden sich spannen und die Ausstrahlung des Irdischen ihn immer näher und näher heranzieht

Es ist, als dehne sich sein Bewusstsein aus zu einem langen, uralten Klang, dem wunderbaren Ruf der Heimat, und zugleich tauchen vor ihm immer deutlicher die Stimmen der kommenden Welt auf

In diesem Augenblick streicht Styx dem Diener liebevoll über die Stirn, und er versinkt für einen Augenblick in einen unbewussten Schlaf

Sein geistiges Wesen, das er in sich trägt, ist der irdischen Geburt nahe

Über seine Augen wird das weiße Band des vorübergehenden Vergessens seiner Vergangenheit gelegt, damit er auf seinem irdischen Weg des Erkennens und Lernens eine Zeitlang nicht gestört wird

Nur von Zeit zu Zeit kann sich die Vergangenheit in seinen inneren Regungen aus den Höhen des Lichtes melden

Aber das vermag sein irdisches Kinderbewusstsein nicht mehr ganz zu erfassen, und er gibt sich diesen Echos der Heimat nur als stille Erinnerung hin, die das Innere seines irdischen Kinderbewusstseins schmerzlich erbeben lässt

So oder vielleicht etwas anders, aber im Grunde doch immer ähnlich, kann sich die Inkarnation der geistigen Diener vollziehen, die aus den Ebenen des Lichtes in die Stofflichkeit in die Nachschöpfung kommen, um hier ihren Teil des freudigen Dienstes am Licht zu erfüllen

Ihr Weg beginnt immer mit den Fäden, die aus den Händen Werdandis hervorgehen, denen Skulda dann einen besonderen Glanz göttlichen Schutzes und Segens für ihren Dienst in der Stofflichkeit hinzufügt

Aus diesen Fäden weben die Vaenen und Alphar alles Notwendige für die Vorbereitung der Inkarnation und auch für die Erfüllung aller wichtigen Momente im irdischen Leben solcher Diener

Zu einem bestimmten Zeitpunkt ertönt durch diese Fäden ein Ruf, ein unstillbares Drängen, den Dienst am Licht aufzunehmen, für den sie sich allein in die Materie inkarniert haben

Dann wird sich ihr ganzer irdischer Weg ändern, denn nichts sollte in ihrem Leben stärker sein als die Erfüllung dessen, wofür sie auf die Erde gekommen sind

Eine solche Berufung erwachte in den Dienern Jesu, die dann zu seinen Aposteln, Jüngern und Schülern wurden, um sein Wort durch das Durchglühen ihrer Erkenntnis zu den anderen Menschen zu tragen, mit denen sie durch ihre Art des Begreifens in enger Verbindung standen

Auch die Berufenen um den Menschensohn, als er persönlich auf Erden war, trugen den gleichen inneren Ruf in sich, als er sie rief durch das Wort der Gralsbotschaft, das er mitbrachte

Und auch heute, in dieser Erdenzeit, gibt es eine große Zahl solcher, die gekommen sind, um in den schwersten Stunden der Erdenmenschheit zu ihrer Aufgabe zu erwachen, die sie mit dem Licht verbindet und die auch in ihnen unerwartet eine besondere Entschlossenheit weckt, die Wahrheit zu finden und ihre Ausstrahlung in ihrem Leben zu verwandeln als etwas, das untrennbar mit ihrem weiteren Weg im Erdenkörper verbunden ist

So wird durch die Stätten in den Höhen, wo die drei Seherinnen Urda, Werdandi und Skulda weilen, der Beginn edler Erfüllungen ermöglicht für all jene, die aus dem Licht kommen, um diesen fernen irdischen Welten beizustehen

Die wunderbare Erhabenheit und weise Größe der göttlichen Führung in allem wird von vielen Menschen in irdischen Körpern nicht erkannt, da das heutige Tagesbewusstsein des Verstandes alles überstrahlt und selbst bei den Berufenen die Klarheit darüber trübt, warum sie auf Erden sind

Aber das muss jeder selbst überwinden, um in sich die Strahlkraft des Bewusstseins seiner Aufgabe aufleuchten zu lassen und damit in seinem Geiste eine ehrfürchtige Demut vor der göttlichen Weisheit zu erwecken, die alles ins Leben ruft

Gelingt es seinem Geist, dies zu einem klaren Erfassen zu bringen, dann sollte er sich von dieser Erkenntnis nicht mehr abbringen lassen, damit ihm durch die Fäden, die an den Stätten des Baumes der Erkenntnis gewoben sind, viele Gaben mit Hilfe und Segen zuwachsen können, die sich ihm nur in der lebendigen Ausstrahlung seines reifen Geistes zeigen können

Gesegnet ist die Stunde für jeden, der in sich selbst durch Reife zu wahrer innerer Größe und Weisheit in einem solchen Augenblick der Erleuchtung gelangt

Für ihn sind nun Ströme gesegneter Gaben aus dem Licht bereitet, damit sein Weg nur von großartigem Wirken in wichtigem Dienst erfüllt sei

Wo er lebt und wirkt, soll in ihm ein lautes Ja zum Licht erklingen, damit er ein Leuchtturm strahlender menschlicher Erfüllung werde, der in seinem Denken und Handeln auf ein vorbildliches Wirken unter den Menschen ausgerichtet ist

Hohes Wissen soll ihm als Geschenk des Lichtes zugänglich sein, das er dann nutzen soll, um die Richtung zu erkennen, die zum Licht führt, damit er durch sein Streben den Weg in eine neue Zeit auf Erden bahnt

Still und treu weben die drei Seherinnen für einen solchen reinen Geist, der das Licht in sich trägt, Fäden, die ihm in vieler Hinsicht den Weg nach oben ebnen

Geht er im Einklang mit diesen Fäden, ohne in sich selbst den Mut zu verlieren, ohne Zweifel an seiner Überzeugung von der göttlichen Größe, dann wird es um ihn hell, und die letzten Hindernisse, die ihn daran gehindert haben, voll für das Licht im Dienste des heiligen Gottes zu wirken, fallen von seinem Weg


Übersetzung aus dem Tschechischen
Urda, Werdandi, Skulda
https://www.cesta-gralu.cz/urda-werdandi-skulda/


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