Die große Schöpfungsgeschichte

Seit Jahrhunderten forscht die Menschheit in der alten Geschichte dieser Erde
Sie sucht in der Vergangenheit nach Körnchen hoffnungsvoller Erkenntnis, die den Weg zu einem besseren Leben auf dieser Welt weisen
Viele Menschen suchen für sich selbst in der Geschichte der Menschheit und in den Zeiten der Entstehung und Gestaltung des Planeten nach etwas Wertvollem, das ihnen helfen könnte, ihre weitere Richtung für die Gegenwart zu klären
Hin und wieder suchen einige empfindsamere Menschen auch etwas über Gott als den von ihnen erkannten Schöpfer des hiesigen stofflichen Universums
Sie suchen nach dem Sinn, der in all dem stecken soll und der doch die Antwort darauf geben müsste, warum das Universum und diese Erde entstanden sind
Es fehlen auch Antworten darauf, wo sich die Weisheit Gottes in der unvollkommenen Welt der Menschen befindet, wenn diese Welt für den Schöpfer ein wichtiges Zentrum dessen ist, was er geschaffen hat, wie es von religiösen Führern dargestellt wird
Es gibt noch viele Fragen, die über der Menschheit schweben, auf die es aber keine Antworten gibt
Es gibt vieles, was der Menschheit fehlt und worüber schon heute an allen wichtigen Stellen der Gesellschaft ernsthaft gesprochen werden sollte
Eine innere Ahnung deutet warnend darauf hin, dass die Zeit für die Suche nach Antworten immer knapper wird
Während die bestehende irdische Welt in ihren zumindest noch teilweise tragfähigen Grundfesten erbebt, wird heute an allen Fronten mit noch fieberhafterem Drängen geforscht und gesucht
Trotz dieses Drängens ist es jedoch seit langem nicht gelungen, zu klareren Erkenntnissen zu gelangen, die als Beweis für den Erfolg der Forschung Sicherheit geben könnten
Die Menschen spüren deutlich, dass wahres und ganzheitliches Wissen als Ausdruck seiner Echtheit dem Menschen neben einer erfrischenden Freude auch innere Ruhe und Frieden vermittelt
Wo also kein Friede und keine Ruhe im Menschen ist, da ist auch keine wirkliche Erkenntnis der Wahrheit und des Schöpfers
An einem solchen Ort gibt es auch keine Erkenntnis seines weisen Willens, der alles Leben im Schöpfungswerk bestimmt
Wir können dies im Hinblick auf die menschengeistige Art sogar als eine Gesetzmäßigkeit ansehen, die immer gilt – nämlich, dass einer der sichtbaren Hinweise auf den Besitz einer wahren, umfassenderen Erkenntnis über Gott sich in erster Linie gerade in der sachlichen Friedfertigkeit gegenüber allen anderen Geschöpfen zeigt
Nichts dergleichen ist aber heute unter den Menschen als vorherrschendes Merkmal zu finden
Im Gegenteil, an immer mehr Orten sind zunehmendes Chaos, Verbitterung, Wut und Hass zu beobachten
Auch Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit
Dass dem so ist und dass dies ein immer sichtbareres Phänomen unserer Zeit ist, zeigt nur, in welch schlechtem Zustand sich die Welt der Menschen befindet
Dieser Zustand ist aber nur deshalb so, weil alle Kräfte der bisherigen Forschung auf einen zu kleinen Punkt gerichtet sind – auf die Materie und alles, was mit dieser zusammenhängt
Die Kräfte, die für die Suche bestimmt sind, werden nur auf die Erforschung der Geschichte gerichtet, die sich innerhalb der engen Grenzen der irdischen Welt abgespielt hat
Damit ist jeder Forschung von vornherein eine Grenze gesetzt, innerhalb derer niemals die vollständige ursprüngliche Erkenntnis und damit auch keine Aufklärung gefunden werden kann, die das geistige Innere des Menschen zu erfrischen vermag
Dennoch bemühen sich die in den Grenzen des materiellen Universums gefangenen Menschen um all dies in dem naiven Glauben, dass es möglich sei, durch die Erforschung der hiesigen irdischen Welt zu einer höheren Erkenntnis zu gelangen
Aus diesen Bemühungen entstand in den vergangenen Jahrhunderten die irdische Wissenschaft, die sich mit der Erforschung aller großen und kleinen Ereignisse der Menschheitsgeschichte befasste, aber auch nach tieferem Wissen strebte, indem sie in die Geheimnisse der Materie eindrang
Die Wissenschaft entstand unauffällig, zunächst nur als zaghaftes Zusammenstellen und Aufschreiben von Erkenntnissen der Gelehrten über die Materie und ihre Gesetzmäßigkeiten
Sie entwickelte sich durch den Vergleich dieser Aufzeichnungen und deren ständige Ergänzung
Genährt durch die eifrige Teilnahme des Verstandes, der darin seine Chance sah sich durchzusetzen, entwickelte sie sich immer raffinierter, bis heute fast das gesamte menschliche Denken nur noch dieser Art der wissenschaftlichen Forschung und Untersuchung unterworfen ist
Alles, was aber von den Menschen durch die Wissenschaft erforscht wird, ist eng mit diesem kleinen Planeten und seinem umgebenden Universum verbunden
So liegt das Scheitern von Anfang an im Versuch beschlossen, durch den Pfad der Wissenschaft das Höhere zu erfassen – jenes, das dem Stofflichen wesensfremd und darum dem Zugriff des Stofflichen entzogen ist
Viele Forscher widmen einen großen Teil ihres Lebens diesem kleinen Planeten Erde, obwohl er im Verhältnis zum großen Schöpfungswerk in Wirklichkeit nur ein winziges Teilchen des Ganzen ist
Immer wieder tauchen Wissenschaftler aus allen Bereichen in die unendliche Erforschung der irdischen Materie ein, jener Materie, die in Wirklichkeit nur ein Ort des vorübergehenden Aufenthalts des menschlichen Geistes im irdischen Leben ist
Es ist nur ein kleiner Teil, geformt von wesenhaften Händen, der für die Gelegenheit des Lebens im grobstofflichen Universum geschaffen wurde, im Gegensatz zur Ganzheit des Daseins des geistigen Inneren, dem das Schöpfungswerk unvergleichlich größere Ebenen und Welten und vor allem auch die Möglichkeit des ewigen Bestehens bietet
Der menschliche Geist übersteigt durch seine andersartiges Art diese grobstoffliche Welt, mit der er nur durch die Brücke verbindender Strahlungsfäden mit dem irdischen Körper verbunden ist
Der irdische Körper bestimmt durch seinen stofflichen Ursprung die Vergänglichkeit dieser verbindenden Strahlung
Wenn diese Strahlung unterbrochen wird, besteht das geistige Innere unabhängig vom abgelegten Körper weiter
Alles auf dieser Erde kann als vergänglich bezeichnet werden, aber das ursprüngliche Schöpfungswerk in der Andersartigkeit höherer geistiger Ebenen ist von Dauer
Ja, es ist selbstverständlich, dass auch diese Erde und das Leben auf ihr aus der Werkstatt der Hohen Schöpferkraft hervorgegangen sind, die in Erfüllung des Auftrages des Lichtes die Welt der Stofflichkeit gestaltet hat und eine Vielfalt unzähliger Herrlichkeiten in vollkommener Harmonie bietet
Es gibt also auch hier auf der Erde viel Schönheit und damit Gelegenheiten, eine gewisse Freude oder sogar Verzauberung aus ihnen zu erleben
Dennoch ist es nur ein Genießen eines kleinen Teils des großen Daseins in den Ebenen, die dem Geist im Rahmen des Schöpfungswerkes gegeben sind
Weder in der Geschichte der Menschheit noch in der Geschichte der natürlichen Entwicklung auf dieser Erde finden wir die Antworten auf die großen Fragen nach dem Ursprung des Universums und dem Sinn seiner Entstehung, nach denen die Forscher seit jeher suchen
Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir unseren Blick über die Geschichte der Erde hinaus richten und uns stattdessen mit der umfassenderen Geschichte der Schöpfung befassen
Das bedeutet, dass wir unsere Suche über die materielle Welt hinaus ausdehnen müssen
Es bedeutet, die Aufmerksamkeit in eine ganz andere Richtung zu lenken als bisher
Sich von der kleinen diesseitigen Welt der Menschen zu lösen und nach oben zu dem eigentlichen Ausgangspunkt zu schauen, der über der Materie liegt
In die Ebenen über der Materie kann aber nicht der menschliche Verstand und damit auch nicht die forschende Wissenschaft vordringen, sondern nur das Geistige, das im Menschen wohnt
Nur dieses innere Wesen des Menschen kann durch inneres Erleben die Größe des Ganzen des Schöpfungswerkes erkennen und aus dieser Größe auch die wahre Erhabenheit des Lichtes und die Heiligkeit Gottes begreifen
Doch die Menschen wenden sich meist nicht dem zu, was ihr Innerstes zum Licht erheben könnte
Darum weiß man auf Erden wenig oder gar nichts vom Schöpfungswerk
Es fehlt hier alles, um den Geist wirklich gesund und stark zu machen
Und nur ein innerlich gesunder und in der Wahrnehmung edler Empfindungen regsamer Geist hat in sich die Fähigkeit, höher aufzusteigen zu den Ebenen, wo man über die Geschichte des Schöpfungswerkes viel mehr weiß als hier auf Erden
Betrachten wir ein Bild:
Die menschliche Seele, die einst, im Augenblick des Ablegens der körperlichen Hülle, mit Sicherheit diese irdische Welt verlassen muss, erkennt allmählich, wenn sie genügend Reinheit und auch eine gewisse kindliche Schlichtheit in sich trägt, dass der weitere Weg, der sich ihr bis in unermessliche Höhen öffnet, so erscheint, als habe er kein Ende
Alles erscheint ihr gewaltig und groß
Nichts dergleichen konnte sie sich jemals in ihrem irdischen Leben vorstellen, denn in der stofflichen Welt gab es dafür keine entsprechenden Gedankenformen
Hoch über ihr strahlt das ferne Licht des golden glühenden Lebens
In seiner erhabenen Pracht erscheint es unerreichbar für jedes Wesen in der Schöpfung
Es ist das Licht des Grals, das vom Gipfel der Schöpfung strahlt, der von Gott geschaffene Ursprung allen Lebens
Die Seele erfährt jene Größe der Urkraft, die nie zuvor im irdischen Dasein in Verbindung mit dem Namen Gottes erlebt wurde
Plötzlich fühlt sie sich nichtig, angesichts der Macht jenes Ortes, den sie als den ahnungsvollen Ursprung allen Lebens erkennt
Sie fühlt eine unbeschreibliche Distanz, eine abgrundtiefe, ewige Entfernung zwischen dem Ursprung des lebendigen Lichts und sich selbst
Dennoch erreicht sie von diesen Höhen eine immer stärker werdende Verheißung von Hilfe und Ermutigung
Immer innigere Töne erklingen, die zum Herzen jeder einzelnen Seele, jedes einzelnen Geschöpfes sprechen
Während die Seele aufsteigt, erkennt sie eine zunehmende Schönheit, die sie in jubelnde Freude versetzt
Auf ihrem Pfad begleiten sie zahlreiche Führer, die in jedem Augenblick ihr innigstes Bestreben offenbaren, sich um das sich verklärende geistige Innere der Seele zu kümmern
Diese neue Welt ist völlig anders als die Erde, die im Rückblick kalt und fremd erscheint, verglichen mit den lichtdurchfluteten Landschaften, die die Seele jetzt umgeben
Alles erscheint ihr wie eine ferne Vergangenheit, die sie gerne vergessen würde, umgeben von so vielem Neuen, das einen ständigen erfrischenden Strom von Erkenntnissen über das Licht und die Liebe Gottes bringt
Gleichzeitig spürt sie in ihrem Inneren, wie weit sie trotz all der Pracht noch immer vom Ursprung der göttlichen Liebe entfernt ist und wie wenig sie über all dies weiß
Beschämung durchfährt sie bei allem, was ihr deutlich sagt, wie weit sie zurückliegt im Vergleich zu denen, die sie hier mit gütiger Weisheit begleiten
Und so kann es sein, dass in der Stille eines Augenblicks ein Schauer durch die Seele geht – getragen von der Frage:
Warum wusste sie nichts von all dem in der Zeit, als sie im Körper auf der Erde weilen durfte
Warum hat ihr niemand etwas Genaueres darüber gesagt?
Warum wurde in all dem, was sie in ihrem irdischen Leben für wichtig hielt, nicht einmal ansatzweise erwähnt, was für sie in der gegenwärtigen Situation die wertvollste Erfahrung wahrer Glückseligkeit ist?
Neben ihr ertönt die Stimme eines der Freunde, die sie begleiten:
„Das liegt daran, dass auf der Erde von den verkörperten Seelen nur das beobachtet wird, was in der nichtigen Welt der Gedankenformen geschaffen wurde, die stark auf alles Materielle beschränkt sind
Was von den Menschen auf der Erde wahrgenommen und erlebt wird, entstammt dem über lange Zeiträume gebildeten Gedankenballast, der die Erde umgibt
Der Mensch nimmt alles auf, was zu diesem die Erde umgebenden Gedankenballast gehört, und die meisten haben nicht die Kraft, ihn weiter zu durchdringen in einen Raum, der ganz anders ist, als er dem irdischen menschlichen Denken erscheint
Die Schicht der Gedankenformen, die die Erde umgibt, ist im Laufe der Jahrtausende der Menschheit für die meisten Menschen zu einem einengenden Käfig geworden, der von den vorherrschenden niederen Interessen rein weltlicher Natur geprägt ist
Aus diesen Gedanken entstehen die Interessen, Wünsche und Vorstellungen der meisten Menschen, die ihnen folgen, ohne selbst danach zu streben, sich aus ihrer einengenden Niedrigkeit zu befreien
Auch wenn sich das Denken im Laufe der Jahrhunderte allmählich wandelt, bleibt es doch weitgehend auf Materielles ausgerichtet, das eng mit dem menschlichen Leben im irdischen Körper verbunden ist
Obwohl es in den Gedankenströmen eine gewisse Bewegung gibt, gibt es keine Entwicklung hin zu einem besseren und klareren, erleuchteten Leben
So gestaltet die Welt der Menschen unter dem Gesetz der Bewegung auf der Erde eine Geschichte, die sich nach außen hin zwar als Entwicklung und Fortschritt darstellt, in Wirklichkeit aber nur ein Drehen im Kreis ist, ohne Aussicht auf einen wirklichen Aufstieg
Die Menschheit wiederholt immer wieder dieselben Kreisläufe des Erlebens
Die kurzen Jahre des Friedens und des Aufbaus unter den Menschen werden früher oder später immer durch eine Zeit des Neids, des Hasses und der Kriege ersetzt
Zeiten besserer Bemühungen werden letztendlich immer durch die Niedertracht zerstört, die aus dem Streben nach materiellem Besitz und der damit verbundenen Herrschaft über andere Menschen entsteht
Die Formen ändern sich, aber die wahre Erkenntnis des Sinns des Ganzen ist immer dieselbe, nämlich keine
All dies geschieht, weil der starke, glühende Wille fehlt, die Richtung zu ändern, die hauptsächlich durch die rein irdischen Bestrebungen längst vergangener Generationen und ebenso durch die in der Gegenwart lebenden Menschen gestaltet wird
Solange sich der menschliche Geist nicht durch das Erwachen seiner Fähigkeiten der edlen Empfindung über die Materie erhebt, wird er sich niemals aus diesem zerstörerischen Kreislauf befreien können und wie eine überreife Frucht vernichtet werden müssen
Die lauschende Seele erschaudert, denn sie erkennt, dass auch sie auf der Erde in den meisten ihrer Vorstellungen und Wünsche hauptsächlich nur nach Dingen strebte, die eng mit dem materiellen Überleben im Körper verbunden waren
Wie wenig war da, was wie das Schwingen von etwas Höherem erklang, das in all dieser hektischen Eile, die den Wert der geschenkten irdischen Tage verkürzte, nach einem Sinn suchte
Der Seele wird bewusst, wie töricht ihre Frage ist
Schließlich war auch sie nicht anders, auch sie beschäftigte sich zusammen mit ihren irdischen Mitmenschen nicht mit den natürlichsten Fragen, die das wahre Anliegen des Menschen betreffen und wie man sich der Erfüllung dieses Anliegens nähern kann
Sie machte sich auch keine Gedanken über das, was vor dem irdischen Leben war und was nach dem irdischen Leben kommen wird, in all ihrer Eile, die sie den Sorgen und Freuden des täglichen Lebens widmete
In den Augenblicken, die sie für außergewöhnlich und würdig hielt, studierte sie die Geschichte der Menschheit, nur um sich mit den ihr Nahestehenden darüber zu streiten, welche Epoche besser oder schlechter gewesen sei
Obwohl sie ahnte, dass das alles eine fruchtlose Zeitverschwendung ohne den Kern echter Erkenntnis war, kam es ihr damals wie etwas Wertvolles vor, wenn sie bei der Beurteilung der Vergangenheit ihre Meinung äußern konnte
Genauso war es, wenn sie sich unzufrieden über die Gegenwart äußern oder abschätzen konnte, was alles als Zukunft auf der Erde geschehen wird
Sie glaubte, dass alle, die das Leben auf der Erde sichtbar lenken, es schlechter machen, als es recht wäre – ohne sich zu fragen, wie es eigentlich recht sein sollte
Sie dachte sich nichts, obwohl sie sich für gebildet hielt, über viele erhaben, die ihr lau erschienen
Aufgrund ihrer irdischen Bildung verstand sie deren geringe Bedürfnisse nicht und hielt sich für über die kleinen Wünsche nach einem einfachen Auskommen im Leben erhaben
Sie ging davon aus, dass alle, die als weise und gebildet gelten, und damit als wertvolle Erdbewohner, so handeln
Sie ahnte nicht, dass sie – wie die meisten Menschen – letzten Endes in den materiellen Dingen des irdischen Lebens gefangen war
Sie war zwar klüger und erfolgreicher, aber in Wirklichkeit war ihr ganzes Denken auch eng begrenzt auf die bestmögliche Versorgung im Irdischen
Nun erkennt sie, wie leer und inhaltslos dieses Vergeuden der Zeit war, die doch ganz dem Erkennen dessen hätte dienen sollen, was über das irdische Leben hinausreicht – das schließlich auch bei ihr, wie bei allen anderen Menschen, in einer von Angst erfüllten Erwartung dessen endete, was danach kommt
Wie klein, wie unbedeutend erscheint ihr das jetzt, wo sie erkennen darf, wie sehr das alles in Wirklichkeit abseits des wahren Geschehens stand, das sich in freudiger Schöpferkraft in allen lichtdurchfluteten Ebenen des Schöpfungswerks abspielte
Um wie viele Stufen der Erkenntnis könnte sie weiter sein, wenn sie schon damals gewusst hätte, wie sie durch reine geistige Übereinstimmung mit dem Schöpfungswerk vertrauensvoll all das erwarten kann, was notwendigerweise kommt, wenn das Innere des Menschen rein und von dem Willen zum Guten erfüllt ist
Sie hätte doch schon längst wissen können, dass die Schöpfung einen Weg für sie bereitet hat, der ihre Schritte mit gütiger Gewissheit so lenkt, wie es der Verfassung ihres geistigen Inneren entspricht
Sie hätte sich sogar darauf freuen können, wie ihr in einem wohltuenden Strom immer mehr Wissen über die Geschichte der Schöpfung zufließen würde, nach dem sich ihr Inneres sehnt, obwohl sie im Augenblick noch nicht einmal den kleinsten Bruchteil dessen kennt, was man Wissen nennen kann
Sie hätte schon auf Erden wenigstens teilweise die Herrlichkeit erfahren, die das ganze Schöpfungswerk durchströmt
All das hätte sie können, wenn sie es in ihrem Innersten stark gewünscht hätte
Die große Weisheit, die in der Schöpfung wirkt, hätte sie schon auf der Erde zu der Erkenntnis geführt, dass nur das, was das Innerste nach etwas Höherem ruft, dieses Verlangen stillen kann
Wenn ihr Innerstes in reiner Schwingung mit der Harmonie gestanden hätte, wäre es ihr möglich gewesen, sich aus dem gewohnheitsmäßigen Kreislauf zu lösen, in dem der Mensch Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr dieselben Tätigkeiten wiederholt
Sie hätte bereits auf der Erde vollständig in Einklang mit ihrem geistigen Inneren leben können, und jeder Tag wäre für sie, in Verbindung mit der Erkenntnis des Schöpfungswerks, tausendmal wertvoller gewesen, als es tatsächlich der Fall gewesen war
Große Trauer machte sich im Inneren der bangen Seele breit
Doch dann, gestärkt durch den Wunsch, alles Versäumte nachzuholen, raffte sie sich auf und machte sich auf den Weg, der sie zu weiteren wertvollen Erfahrungen führte..
Dies ist ein Bild vom allmählichen Erwachen einer Seele, die nach ihrem irdischen Ende in die Welt der feineren Sphären kam, die sich dabei immer noch nur in den Ebenen der Feinstofflichkeit in der Nachschöpfung befinden
Und so ist es mit den meisten menschlichen Seelen, die wir aus der Sicht des Lichts als noch zumindest so rein bezeichnen können, dass es ihnen nach und nach ermöglicht wird, in hellere Orte in den feinstofflichen Ebenen aufzusteigen
Das Erwachen dieser Seelen ist immer von Staunen und auch wachsendem Glück begleitet, wenn der aus der irdischen Welt Kommende allmähliche Erkenntnisse über das Schöpfungswerk erhält
So geschieht es schon seit Jahrtausenden und ist nur ein Beweis dafür, dass die Seelen, die sich auf der Erde für bestimmte Erlebnisse inkarnieren, die ihnen Fortschritt ermöglichen, leider gleichzeitig mit der Inkarnation auf der Erde alle Zusammenhänge darüber verlieren, woher sie kamen und was der wahre Sinn ihres irdischen Lebens ist
Auf der Erde existiert noch eine von allem anderen getrennte Gedankenwelt irdischer Art, in der nichts Platz hat, was nicht mit den materiellen Interessen und Bestrebungen der Mehrheit der Menschheit zu tun hat, jener Mehrheit, die zugleich diese Erde als Mittelpunkt ihres ganzen Daseins betrachtet
Selbst die Vorstellung von Gott und dem geistigen Paradies, das er dem Menschen bereitet hat, ist von den Gläubigen an den Schöpfer auf ein rein materielles Verständnis reduziert worden und hat viele Karikaturen hervorgebracht, in denen sich Scharen von sonst wohlmeinenden menschlichen Geistern tummeln
Das Denken der Menschen läuft auf einen einzigen Punkt hinaus: die Erde, auf die sie alles, was sie je über Gott erfahren haben, in ihrer Vorstellung einengen
Dadurch muss jedoch zwangsläufig die gesamte Formung der Gedanken in die falsche Richtung gelenkt werden, denn die erhabenen Begriffe über das Geschehen in Gottes Schöpfungswerk gehören auf andere Ebenen als die kleine materielle Welt der Menschen
Es muss daher endlich die rechte Richtung eingeschlagen werden
Das bringt Verantwortung für all jene, die zu wahrer Erkenntnis über das Schöpfungswerk gelangen durften
Menschen, die diese Erkenntnis haben, sollen Träger der Fackel der Erleuchtung sein, in der allein der Ausweg aus all der bisherigen Verwirrung und Hoffnungslosigkeit liegt
Erleuchtung, die in sich die große Erkenntnis trägt, um wie viel größer das Schöpfungswerk als Ganzes in Wirklichkeit ist und die im gedanklichen Aufbau alles Bisherige übertreffen soll
Es soll zum machtvollen Licht der Erkenntnis werden, das alles durchleuchtet – wie ein tragender Boden, aus dem künftig nur noch gute, friedvolle Früchte erwachsen können, zum Wohle des einzelnen Menschen und der ganzen Menschheit
Deshalb soll mit Ernsthaftigkeit über die große Geschichte des Schöpfungswerks gesprochen werden, damit die Kleinheit aller bisherigen Streitigkeiten und Kriege der von der Schöpfung losgelösten Menschheit auf dieser Erde mehr zum Vorschein kommt
Wer die wahre Erkenntnis von Gott und Seinem Schöpfungswerk hat, soll sich immer fragen:
„Was ist diese Erde mit ihren Gaben und was ist der Mensch mit seinem irdischen Reichtum im Verhältnis zum Schöpfungswerk, wenn hier nicht der Einklang mit der Harmonie des Ganzen des göttlichen Werkes gewahrt wird?“
Es ist nichts
Wenn sich auch so viele Erdenmenschen für groß und wichtig halten, so liegt doch ihr wahrer Wert aus der Sicht des Lichtes nur darin, wie sie mit der Schwingung ihres Inneren in einer dem Guten zugewandten Stimmung leben, die schon hier auf Erden in voller Harmonie mit dem ganzen Schöpfungswerk ist
Aber wie viele solcher Menschen gibt es heute auf der Erde?
Im Einklang mit dem Ganzen des Schöpfungswerkes zu leben bedeutet, das Schöpfungswerk als ein allumfassendes großes Werk Gottes zu verstehen und zu erleben, das keine Lücken hat und das im Inneren des Menschen in jedem Augenblick des Dasein schon hier auf der Erde bewusst gelebt wird
Gerade für jeden mit der Wahrheit begabten Geist ist es eine Aufgabe, die zum lebendigsten Wirken im täglichen Denken des Erleuchteten werden muss
Er soll helfen, die Erleuchtung durch seine gesegneten Gedanken und Taten zu verbreiten
Nur wenn alles in bewusster Erkenntnis des Schöpfungswerks als Ganzes betrachtet wird, wird das gegenwärtige Leben auf der Erde zu einer sinnvollen Teilnahme jener Menschen, deren Erkenntnis über das Schöpfungswerk auf der lebendigen Wahrheit aufgebaut ist
Und gerade dieses Wahrnehmen und Erleben eines beständigen bewussten Verstehens der Ganzheit des Schöpfungswerkes führt den Geist zu einer lebendigen Teilnahme am Aufbau eines ganz neuen Gedankengebäudes, das allen, die nach dem Sinn ihres Daseins suchen, Ermutigung und Frieden bringen kann
Dieser Aufbau einer neuen Gedankenwelt ist der Weg zu einer Verwandlung, die in einer großen Erweiterung der bisher engen Grenzen des menschlichen Denkens besteht
In diesen erweiterten Grenzen soll dann die lebendige Übereinstimmung der Menschen auf der Erde mit dem gesamten Schöpfungswerk in einer einheitlichen Stimme zum Ausdruck kommen
Dies wird schließlich als natürlichen Bestandteil der menschlichen Welt auch die Erkenntnis der großen Geschichte des Schöpfungswerks bringen
Erst dann wird, zusammen mit der Demut der Menschen, eine Zeit des Friedens und der gegenseitigen Hilfe aller auf dem Weg nach oben, zum Licht, anbrechen
Übersetzung aus dem Tschechischen
Velké Dějiny Stvoření (145)
https://www.cesta-gralu.cz/velke-dejiny-stvoreni/
Von CESTA GRÁLU|30. Oktober 2023|ERGÄNZENDE TEXTE
