Das Fundament des Vertrauens

Spüren Sie es auch? Dieses Gefühl, dass die Zeit selbst zu rasen scheint, uns mit sich reißt, kaum Luft zum Atmen lässt? Dass die Ereignisse der Welt, die uns täglich wie Sirenen in den Ohren schrillen, sich in einer bedrängenden Weise verdichten? Es ist, als ob das große Rad der Welt eine Geschwindigkeit aufgenommen hat, die uns zwingt, uns festzuhalten, um nicht den Halt zu verlieren. In einer Zeit, in der so viele Sicherheiten zerbrechen, wächst die Sehnsucht nach einem unerschütterlichen Vertrauen. Doch worauf soll dieses Vertrauen stehen, wenn der Boden selbst zu beben scheint?


Wenn Sie das nächste Mal eine Straße entlanggehen, halten Sie einen Moment inne. Betrachten Sie aufmerksam den Asphalt unter Ihren Füßen – Staub, Stein, tote Materie. Die heute dominierende Lehre erzählt uns, dass aus genau solch einer leblosen Substanz alles entstanden sei, was wir sind: unser Bewusstsein, unsere Fähigkeit zu lieben, unsere Sehnsucht nach Sinn, ja, unser Geist selbst. Doch fragen Sie sich ehrlich und still: Kann aus dem Staub unter meinen Füßen wirklich Bewusstsein hervorgehen? Kann aus dem Nichts Leben erwachen? Oder ist es nicht ungleich logischer, dass Leben stets nur von Leben kommt?


Vielleicht stellen wir seit Langem die falschen Fragen. Vielleicht ist das Leben nicht auf der Erde entstanden, sondern hat hier lediglich eine Heimat gefunden. Vielleicht ist unser Geist kein Zufallsprodukt des Staubes, sondern der Staub ist nur der Mantel, den unser Geist trägt, um auf seiner Reise durch diese Welt wirken zu können.


Sehen Sie, das Rad der Zeit dreht sich heute so rasant, weil eine Zeit der großen Klärung gekommen ist. Stellen Sie sich eine jener großen, flachen Scheiben auf einem Kinderspielplatz vor. Zu Beginn, bei langsamer Drehung, kann jeder überall stehen. Doch je schneller die Scheibe sich dreht, desto unerbittlicher wirken die Gesetze der Physik. Nur wer exakt die Mitte findet, kann mühelos stehen bleiben. Alles, was am Rand steht, was nur locker verbunden ist, wird unweigerlich von den Fliehkräften erfasst und hinausgeschleudert.

Dies geschieht nicht durch ein willkürliches Urteil eines Richters, sondern durch ein vollkommenes Gesetz. Die heutige Zeit, mit ihrer rastlosen Geschwindigkeit, ist dieses immer schneller werdende Rad. Sie zwingt jeden von uns zu einer klaren Entscheidung: Wo stehe ich?


Die Angst lebt an den Rändern dieses Rades, dort, wo man sich verzweifelt an Meinungen, Materielles oder vergängliche Sicherheiten klammert. Die einzige, absolute Sicherheit findet sich jedoch im stillen Punkt in der Mitte – im Vertrauen.

Aber dieses Vertrauen ist kein vages Gefühl, keine blinde Hoffnung. Es schwebt nicht haltlos im Raum. Es steht auf einem klaren, festen Fundament, das von drei unumstößlichen Säulen getragen wird:


Mein Wesen ist Geist, nicht Staub. Mein unzerstörbarer Kern entspringt nicht der toten Materie, sondern der ewigen, lebendigen Quelle allen Lebens, die wir Gott nennen können. Ich bin ein lebendiger Gedanke aus dem Ursprung selbst.


Die Schöpfung ist Ordnung, nicht Chaos. Das Universum ist kein zielloses Spiel des Zufalls. Es ist erfüllt von vollkommenen, weisen und gerechten Gesetzen. Diese tiefe Harmonie offenbart sich in jedem Blatt eines Baumes, jeder Bahn eines Sterns.


Mein Leben trägt einen Sinn. Mein Auftrag ist nicht, einen Sinn künstlich zu erschaffen, sondern meinen ureigenen Sinn zu erkennen und mich bewusst wieder in die große, göttliche Harmonie einzufügen, aus der ich einst hervorgegangen bin.


Wer sein Vertrauen auf diese drei Säulen stellt, der betritt die Mitte des Rades. Er wird nicht mehr von den schrillen Sirenen der Welt in Angst versetzt, denn er erkennt darin nur noch das Rauschen des Fahrtwindes bei hoher Geschwindigkeit. Er fürchtet die Fliehkräfte nicht, denn er ist untrennbar verbunden mit dem Zentrum, aus dem alle Bewegung hervorgeht.

Die Zeit der Unentschlossenheit neigt sich dem Ende zu. Das Rad dreht sich immer schneller. Wählen Sie bewusst Ihren Standpunkt und finden Sie Halt im stillen, unerschütterlichen Zentrum des Vertrauens.


Vielleicht hält Sie, nach all diesen Gedanken, noch eine letzte, stärkste Mauer vom Vertrauen ab: das Gefühl der unheilbaren eigenen Unzulänglichkeit. Es ist die leise, giftige Stimme im Innersten, die flüstert: „Du bist es nicht wert. Für dich gibt es keine Hilfe mehr. Der Schaden ist zu groß. Du bist zu weit gegangen.

Mit diesem Gefühl, das oft hinter einer Fassade aus Stolz verborgen wird, gleichen wir Kindern, die in einem Anfall von Unachtsamkeit eine große Verwüstung angerichtet haben. Gelähmt von Scham, sind wir überzeugt, diesen Schaden niemals wieder gutmachen zu können, und wagen es kaum, um Hilfe zu bitten.

Aus unserer menschlichen Sicht mag diese Verzweiflung logisch erscheinen. Doch hier ist der letzte, entscheidende Schritt zum wahren Vertrauen: Wir müssen erkennen, dass unsere Sicht nicht die einzige und schon gar nicht die höchste ist. Wo wir nur das unauflösbare Chaos sehen, blickt der gütige, allweise Vater nicht nur auf den angerichteten Schaden, sondern Er sieht bereits den Weg, wie alles wieder in vollkommene Ordnung gebracht werden kann.

Die Allmacht Gottes kennt für alles Geschehen immer einen Ausweg und in Seinem Wirken sind alle Wege zu einem guten Ausgang bereits enthalten. Was uns unmöglich erscheint, ist für Ihn nur eine Aufgabe, die Seiner liebenden Weisheit unterliegt. Selbst das größte Chaos kann durch die beschleunigte Hilfe der Diener Gottes so gelenkt werden, dass sich am Ende alles wie ein einziger, zusammenhängender Strom von Wundern im Leben des Menschen fügt.

Vertrauen heißt also zuletzt: Nicht nur an die Beständigkeit des Zentrums zu glauben, sondern auch an die gütige, väterliche Hand, die sich uns aus diesem Zentrum entgegenstreckt, um uns sicher durch das von uns selbst geschaffene Chaos nach Hause zu führen. Es ist das Vertrauen, dass keine Verfehlung so groß ist, dass die schöpferische Liebe Gottes sie nicht heilen und in Gutes verwandeln könnte.

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