Das irdische Bewusstsein des Menschen

Wenn jemand die Begriffe „menschliches Bewusstsein“ oder auch „Bewusstsein des Menschen“ ausspricht, so wird allgemein angenommen, dass in diesem Begriff wirklich alles enthalten ist, was mit der Persönlichkeit des Menschen hier auf Erden in Verbindung gebracht wird
Mit anderen Worten, viele Menschen glauben, dass sie wirklich sie selbst sind, so wie sie sich gerade in ihrem irdischen Körper wahrnehmen, mit allem, was zu ihrer Persönlichkeit gehört, bis ins kleinste Detail
Sie glauben, dass es nichts geben kann, was über die Grenzen ihres gegenwärtigen Verständnisses hinausgeht
Aber das ist ein Irrtum
Diese häufige Sichtweise auf das menschliche Bewusstsein ist sogar so irreführend, dass für ein umfassendes Verständnis der menschgeistigen Art kaum ein größerer Irrtum denkbar ist
Das hiesige, an das Gehirn gebundene Bewusstsein des Menschen ist ein äußerst eingeschränkter Bewusstseinszustand im Vergleich zur wahren Weite der Fassungskraft des geistigen Wesens, das doch die Grundlage jedes Menschen bildet
Mit seiner Auffassungsgabe hier auf Erden nutzt der Mensch nicht einmal ein Zehntel der gesamten Weite des Erfassungsvermögens seines Geistes
Aufgrund der übermäßigen Nutzung des Gehirns im täglichen Leben im Zustand des vollen Alltagsbewusstseins ist das Verständnis für die geistige Grundlage des Menschen hier im irdischen Körper äußerst begrenzt
Das Gehirn erzeugt durch seine Tätigkeit nur den trügerischen Anschein eines vollen Bewusstseins
Dieses von uns genutzte Tagesbewusstsein ist nur ein kleiner Teil dessen, was in Wirklichkeit das gesamte Wesen des menschlichen Geistes ausdrückt und ausfüllt
Jeder Mensch ist also eine um ein Vielfaches vollwertigere Persönlichkeit, als er sich dessen hier in seinem Tagesverstand in den groben Stofflichkeiten bewusst ist
Aus diesem Grund sprechen sowohl die Menschen als auch die Wissenschaft oft von etwas wie dem menschlichen Unbewussten
Das Unbewusste des Menschen ist schon in der Vergangenheit zum Gegenstand wissenschaftlichen Interesses geworden
Aber selbst die ernsthaftesten wissenschaftlichen Untersuchungen können niemals die Grenzen überschreiten, die in diesem Rahmen gesetzt sind, und sie werden daher niemals die inneren geistigen Schwingungen des Menschen richtig verstehen
Die Wissenschaft kann auf diesem Gebiet nichts grundlegend Neues entdecken, was das Verständnis des Geistigen im Menschen ermöglichen würde, und so wird sich das Unbewusste immer ihrer Erfassung entziehen
Das Unterbewusstsein ist auch das Ziel vieler Scharlatane geworden, die sich mit Hypnose beschäftigen und nicht zögern, gewaltsam in diese Bereiche einzudringen, in der Hoffnung, etwas mehr zu enthüllen, oft aber auch, um andere Menschen in ihren feineren seelischen Ebenen zu kontrollieren
Auch dieser Ansatz ist nicht der richtige Weg, sondern ein Irrweg in den seichten Gewässern der Erkenntnis
So hat sich im Laufe der Jahrhunderte letztlich viel Verwirrung um das menschliche Unterbewusstsein angesammelt, das in der Vorstellung vieler mit etwas besonders Wertvollem im Menschen verbunden ist
So umfasst der Begriff des Unbewussten in der geschaffenen Verwirrung Fragmente von allem Möglichen, im Gegensatz zu dem klaren und eindeutigen Weg der geistigen Ausstrahlung, der hier von Anfang an deutlich vorherrscht
Die Ursache für die genannten Verwirrungen, die sich fortsetzen, aber auch für die Verzweiflung vieler, die sich selbst oft nicht verstehen, ist die übertriebene Kultivierung des rationalen Denkens und Begreifens aller Aspekte des Lebens
Der Verstand ist für das erwähnte geistige Bewusstsein die Stelle, welche eine Verengung im Durchgang der kostbaren, schwingenden Ausstrahlung des geistigen Willens bildet
Diese Verengung, die durch die Verstandesarbeit des Gehirns im Alltagsbewusstsein hervorgerufen wird, stellt für die meisten Menschen ein so starkes Hindernis dar, dass diese feinere Ausstrahlung nicht in ihrer Gesamtheit in das bewusstere Erleben während der alltäglichen Art des Wahrnehmens und Verstehens des Menschen eintreten kann
Der Verstand, aber auch die Lauheit des geistigen Funkens selbst, sind die Hauptursachen für den heutigen unglücklichen Zustand der Menschheit, in dem der größte Teil des geistigen Wesens des Menschen nicht mehr voll in sein irdisches Selbstbewusstsein wirken kann
So bleibt der Mensch auf Erden sich selbst mehr oder weniger immer fremd
Er spürt nur undeutlich, was in seinem Innern wirklich vor sich geht, obwohl er vielleicht hier und da blitzartig etwas wahrnimmt
Trotz des erworbenen intellektuellen Wissens über diese Themen ist es vielen Menschen nicht möglich, das zu werden, was sie gerne wären: nämlich in jedem Moment sie selbst zu sein, mit einem umfassenden Verständnis der Zusammenhänge und einer bestimmten inneren Gewissheit
Sein Tagesbewusstsein hindert ihn daran, sich vollständig mit seinem inneren geistigen Kern zu verbinden
Nur sehr wenige Menschen können von sich behaupten, dass sie, obwohl sie sich in ihrem physischen Körper befinden, auch in der Lage sind, alles, was in ihrem geistigen Inneren in jedem Augenblick geschieht, ständig und in vollem Umfang wahrzunehmen, um sie in den entscheidenden Momenten ihres Lebens sicher zu führen
Personen mit dieser Gabe sollten genauso hoch geschätzt werden wie seltene Blumenarten
Leider gibt es nur sehr wenige solcher Menschen, die in allen Momenten ihres täglichen Bewusstseins in völliger Harmonie mit ihrem Geist leben
Das ist sehr schade, denn in dieser Verbindung liegt der Weg zur Veränderung des Einzelnen und der ganzen Gesellschaft
Die Mehrheit ist von ihrem eigenen geistig-seelischen Empfinden weit entfernt, was zu großen Missverständnissen des wahren Weges führt
Den Menschen fehlt dann die Verbindung zu Inspirationen, die Fähigkeit zu echtem Mitgefühl mit anderen und nicht zuletzt auch die Fähigkeit, weise Warnungen vor der Umsetzung dieser oder jener Entscheidung im Leben wahrzunehmen
Viele Menschen haben nicht einmal eine Vorstellung davon, wie diese Wahrnehmung ihres Inneren eigentlich aussehen soll
Sie unterliegen daher äußeren Lehrmeinungen und Ansichten, die sie für ihre eigenen halten, obwohl sie mehr oder weniger deutlich wahrnehmen, dass es sich nur um fremde Erfahrungen handelt, die aus den Bedingungen anderer Menschen geformt sind, und dass ganz andere Fäden ihr Lebensschicksal bestimmen
Lehrmeinungen und noch so gut gemeinte Ratschläge können das eigene Erleben und die eigene Erfahrung nicht ersetzen
Dazu aber werden Kinder und Jugendliche heute kaum noch angeleitet
Da alles, was von außen in das tägliche Bewusstsein gelangt und umgekehrt von innen nach außen dringt, zwangsläufig durch das Gehirn gefiltert wird, erhält der Mensch ein völlig anderes Bild von der ihn umgebenden Welt und von sich selbst, als es in Wirklichkeit ist
Was daraus für den Menschen folgt, ahnen die Menschen heute noch nicht
Zunächst einmal ist der Mensch in seinem Wesen keineswegs nur das, was er hier auf Erden zu sein glaubt
Zwischen Geist, Seele und Körper besteht ein gewaltiger Unterschied, der den meisten Menschen bisher entgangen ist
Das allein sollte Grund genug sein, ernsthaft darüber nachzudenken
Dies sollte auch ein Anstoß sein, darüber nachzudenken, wie man sich aus diesen für den Geist ungünstigen Verhältnissen befreien kann
Die meisten Menschen verharren gerade deshalb in diesem Zustand der eingeschränkten Wahrnehmung, weil sie sich ihres eigenen hoffnungslosen Zustandes überhaupt nicht bewusst sind
Das beschränkte Bewusstsein des menschlichen Geistes hier auf Erden ist im Laufe von einigen tausend Jahren zu einem Zustand geworden, der als untrennbarer Bestandteil des diesseitigen Lebens angesehen wird, obwohl er es eigentlich nie hätte sein sollen
Das begrenzte Begreifen des Verstandes, dem das seelische Erfassen fehlt, ist zur Normalität für die Denkweise der ganzen Welt geworden
Kleine Abweichungen, die nationale oder religiöse Unterschiede mit sich bringen, spielen keine Rolle, denn die die Grundlage für alles Elend der menschlichen Welt ist die vorherrschende Denkweise, die den Verstand als alleiniges Werkzeug zur Erkenntnis und Lebensbewältigung ansieht
Im menschlichen Verständnis aller Zusammenhänge ist eine ungeheure Verschiebung zu Ungunsten des geistigen Inneren eingetreten, die man nur als tragischen Zustand bezeichnen kann
Deshalb gibt es so viele Verwirrungen im Zusammenhang mit den Bemühungen der Menschen, alles Übernatürliche zu verstehen, also alles, was sich in einer anderen Lebens- und Freiheitsebene befindet, die nur wenig über der Dichte dieses Universums liegt
Der Verstand scheitert immer an dem Feineren, das auf der inneren Wahrnehmung des Menschen beruht, weil er in seinem Begreifen völlig unfähig ist, die Grenzen der Materie zu überschreiten, innerhalb derer er zu wirken hat
Und da das Alltagsbewusstsein der Menschen zu mehr als neun Zehnteln durch das irdische verstandesmäßige Wahrnehmen und Denken gebildet wird, so ist es so, dass die Menschen mit ihrem Alltagsbewusstsein nicht fähig sind, sich selbst zu erkennen
Das wesentliche der Selbsterkenntnis entgeht ihnen
Jegliches Verständnis für alles Feinere, das der Wahrnehmung der Seele und erst recht dem Widerhall des inneren geistigen Strebens Raum geben würde, wird in den Hintergrund gedrängt
Man kann sagen, dass das irdische menschliche Bewusstsein durch seine Ausrichtung das schwächste Glied in der Bewusstwerdung des menschlichen Geistes auf seinen Entwicklungswegen in der Nachschöpfung ist
Leider ist dies zu einer Selbstverständlichkeit geworden, die bis auf ganz wenige Ausnahmen von niemandem mehr als falsch empfunden wird
Dass der Zustand der irdischen menschlichen Wahrnehmung für den Geist dem Leben in einem materiellen Käfig des Verstandesbewusstseins gleicht, beunruhigt niemanden
Es ist kein freies seelisches Erleben, sondern die wahren Werte, die in den meisten Menschen vorhanden sind, werden durch die sogenannte Nüchternheit oder, anders gesagt, durch die kalte Berechnung des Verstandes unzugänglich gemacht
Die Menschen wollen sich dessen nicht bewusstwerden und deshalb auch nicht zugeben, dass eine Veränderung notwendig ist, um wirklich frei zu sein
Leider erkennen sie dies nicht einmal in Situationen, in denen es heute absolut schreckliche Folgen für den Einzelnen und die Menschheit als Ganzes hat
Nehmen wir als Beispiel nur eine der vielen Folgen dieses Zustandes, nämlich die Tatsache, dass viele Menschen auf der Erde die Existenz Gottes des Schöpfer leugnen
Das liegt einzig und allein daran, dass ihr Verstand nicht in der Lage ist, alle damit verbundenen Zusammenhänge zu begreifen, denn diese liegen naturgemäß außerhalb der Grenzen des irdischen Raumes und der Zeit
Es ist also nicht der menschliche Geist oder die menschliche Seele, die sich dem Gedanken widersetzt, dass alles, was uns umgibt, und wir selbst ihren Ursprung in Gott haben, sondern es ist nur das stoffliche Gehirn, das dem Alltagsbewusstsein des Menschen seine äußeren Erkenntnisse aus dem diesseitigen stofflichen Leben aufzwingt, in dem vieles der Gerechtigkeit und Liebe des Schöpfers zuwiderzulaufen scheint
Dieser Zustand wird als eine Meinung angesehen, die der allgemein akzeptierten menschlichen Sicht der Welt entspricht
Dies geschieht, obwohl in jedem feineren Teil des Schöpfungswerkes so etwas ausgeschlossen ist und als unverständlicher Mangel angesehen würde
Auch auf der Erde war das vor Jahrtausenden noch ganz anders, denn damals war der Geist in der täglichen Wahrnehmung der Menschen sehr viel gegenwärtiger
Das Verständnis für das Übernatürliche war daher natürlicher und für jeden Menschen jener Zeit eine Selbstverständlichkeit
Alles war durchdrungen von einer größeren, schlichteren Aufnahmefähigkeit, die es dem damaligen Menschen jederzeit ermöglichte, sich in seinem täglichen Bewusstsein nicht nur als Erdenbewohner, sondern als Bewohner des Schöpfungswerkes zu fühlen
Obwohl das Wissen um die Naturwissenschaften nicht in dem Maße vorhanden war wie heute, waren doch alle Grundkenntnisse über das Weltall, seine Entstehung und auch über die anderen Teile des Schöpfungswerkes bekannt und in einfachen Geschichten auch für kleine Kinder verständlich
Dies war möglich, weil der Geist in allem Alltäglichen ständig gegenwärtig sein konnte, weil der Verstand ihm nicht so sehr im Wege war, so dass das grundlegende Verständnis aller Dinge von den Menschen von einer höheren Einsicht durchdrungen war, die immer mit dem Wirken des freien Geistes verbunden war
Die Menschen fühlten sich als Gäste auf Erden, und die Vergänglichkeit des irdischen Daseins brachte ein natürliches Wissen mit sich, dass die Möglichkeit der Verkörperung auf Erden eine Gelegenheit darstellte, Erfahrungen auf dieser Ebene der dichten Materie zu sammeln, mit allem, was damit verbunden ist, seien es Freuden oder Leiden
Geburt und Tod bereiteten niemandem große Schwierigkeiten und waren auch kein Grund, sich vor dem bevorstehenden Ende zu fürchten
Der Geist, der den Körper bewohnte, sah oft schon im Voraus, wohin er sich in seinem seelischen Gewand in den feinstofflichen Ebenen bewegen würde, die man das Jenseits oder auch die Ebenen oder Gärten des anderen Ufers nannte
Niemand wunderte sich darüber, denn all dies gehörte zum selbstverständlichen Wissen einer geistig geöffneten Generation von Menschen
So drang auch der Geist durch die Beherrschung des Körpers leichter und vollständiger in alle irdischen Tätigkeiten ein und eignete sie sich mit Leichtigkeit an, verbunden mit dem Verständnis, dass dies alles für ihn Gaben Gottes sind, zubereitet auf seinen Wegen der Erkenntnis des Schöpfungswerkes
Das Verständnis der Natur entstand nicht aus der äußeren Erscheinung von Pflanzen und Tieren, sondern aus der Erkenntnis, die der menschliche Geist durch die ihn umgebenden dienenden Wesen erhielt
In allem war eine gewisse Kindlichkeit zu finden, die unbedingt mit der einfachen Natürlichkeit des geistigen Funkens im Menschen verbunden ist
Der Funke wohnt nicht unmittelbar im irdischen Körper, sondern ist mit ihm durch ein lebendiges Band der Ausstrahlung verbunden, aus dem sich mehrere Ströme bilden, die schließlich den irdischen Körper beleben
Der Körper ist auch nicht selbstbewusst, wie man gemeinhin annimmt, sondern nur durch den Geist belebt, und ohne Verbindung mit der geistigen Ausstrahlung würde er fast augenblicklich alles bewusste Leben verlieren
Aber der Geist ist auch nicht mit dem Körper verbunden, wie es sich die Leute, die sich in dieser Frage für die Wissenden halten, so vorstellen, als ob er unmittelbar in den Körper eingetaucht wäre, als ob eine Art dichterer stoffliche Hülle die feineren Substanz verschluckt hätte
Etwas Derartiges ist überhaupt nicht nötig, damit der Geist den irdischen Körper in seiner Gesamtheit als sein Eigen empfindet
Alles in der Schöpfung ist Ausstrahlung
Und aus dieser Strahlung ist stets das gewoben, was noch dichter ist und daher an sich weniger strahlend
Die Strahlung vom Geist zur Seele und weiter von der Seele durch feinere Zwischenschichten wird schließlich durch die Nervenfasern mit dem Körper verbunden
Das Nervensystem im Körper kann als die dichteste Strahlungsart bezeichnet werden, die das Grobstoffliche mit den feineren Ebenen des Bewusstseins verbindet
An der Spitze dieses Nervensystems des Körpers steht das Gehirn als Zentrale, die viele Nervenausstrahlungen miteinander verbindet, so dass durch die Sinne die irdische Welt als vollwertige Gegenwart wahrgenommen werden kann
Das war schon immer so vorgesehen, so dass es nirgendwo auf diesem Weg der Wahrnehmung in beide Richtungen eine Verzögerung oder gar einen Stillstand geben würde
Trotzdem geschah es, dass das Gehirn als zentrales Werkzeug die ursprünglich nur dem Geistigen zukommende Befugnis übernahm, nämlich die Entscheidungsgewalt darüber, was richtig und was falsch ist
So verengte sich alles auf die Wahrnehmung dessen, was für diese irdische Welt richtig ist, und alles, was für das geistige Innere selbst von größter Bedeutung war und ist, wurde getrennt
Die Achtung vor höheren Werten, die Wahrnehmung des eigenen Gewissens, die Klarheit im Verständnis der höheren Zusammenhänge des Lebens – all das trat für die Zeit des irdischen Daseins, in der der Verstand das Werkzeug des irdischen Körpers ist, in den Hintergrund und wurde mehr oder weniger abgeschnitten
Dies führte unter anderem zum Verlust der geistigen Bildersprache, der Intuition und der wirklichen Verbindung mit all den Helfern, die jeden Menschen umgeben
Es entstand eine Hemmung, die eine tiefere Verbindung zu den feinstofflichen Ebenen der Schöpfung behinderte, die immer als Rettungsanker für die Menschheit gedacht waren.
Dieses Seil wurde durch das Wirken des Verstandes im Gehirn durchtrennt, und der Geist fand im Erdenleben kein Gehör mehr, obwohl er es ist, der die Befugnis hat, alle Entscheidungen zu treffen
Die Menschheit wurde zu einer umherirrenden Schar ohne klaren Weg und Ziel
Durch ihre begrenzte Auffassungsgabe können sich die Menschen nicht einmal denken, dass die Dinge anders sein könnten, als sie bisher verstanden wurden
Zum Beispiel können sich die Menschen nicht vorstellen, wie die Entwicklung auf der Erde ohne das Böse verlaufen könnte
Viele behaupten, dass das Gute und das Böse nebeneinander existieren müssen, um die Evolution auf der Erde aufrechtzuerhalten
Sie können sich auch nicht vorstellen, welche Rolle Luzifer hätte spielen können, wenn sie nicht darin bestünde, den Menschen in Versuchung zu führen
Dabei ist es für den lebendigen Geist leicht zu verstehen, dass das Gute die Möglichkeit schafft, immer mehr Kraft aus dem Licht zu schöpfen
Dieser Zufluss wird dann immer neue Impulse bringen, die dem Menschen immer neue Perspektiven des Schaffens eröffnen, die weder hier auf Erden noch jemals eine Grenze haben werden
Es schafft einen Raum, in dem der Mensch nur durch Verwendung seiner höherer Kräfte voranschreiten kann
Anders als beim Aufeinandertreffen von Gut und Böse führt die gute Einstellung der Menschen nicht zu Schaden und Leid, sondern nur zu einer allgemeinen Stärkung und Freude am Fortschritt
Daraus entsteht eine viel wertvollere geistige Erkenntnis über das Werk der Schöpfung
Diejenigen also, die von der Notwendigkeit des Zusammenstoßes der Kräfte des Guten und des Bösen als notwendigem Ansporn für die Entwicklung der Menschheit sprechen, haben das Wesen der göttlichen Weisheit nie verstanden
Sie haben auch nicht begriffen, dass Luzifer gar nicht als Versucher gedacht war, wie es heute erkannt und von den meisten verstanden wird, die anerkennen, dass ein solches Wesen erzengelhaften Ursprungs überhaupt existiert
Sie haben nicht verstanden, dass seine ursprüngliche Aufgabe, die sich aus seiner göttlichen Natur ergab, darin bestand, dem menschlichen Geist bei seiner Entwicklung zu helfen
Er sollte Wissen bringen über das Schöpfungswerk, er sollte Wege aufzeigen zur Zusammenarbeit der Menschen mit den hohen Wesenheiten Walhallas, die ihm zu Beginn seiner Sendung vertrauensvoll entgegenkamen und alle seine Aufgaben bei der Gestaltung der irdischen Welt der Menschen treu erfüllten
Luzifer sollte derjenige sein, der, die Schwäche der Menschengeister erkennend, in ihrem Einschlafen und freiwilligen Untertauchen in den Tiefen der Materie Wege zur Stärkung und Erfrischung auf ihrem Entwicklungsweg schaffen sollte
Dazu hatte er auch den großen Segen Gottes, bis in ihm der Stolz auf das vollbrachte Werk erwachte, das er als das seine betrachtete
Der Fehler Luzifers bestand darin, zu glauben, er sei für die Schöpfung wertvoller als Parsifal, der als der von Gottvater bestellte rechtmäßige Verwalter und Hüter des gesamten Schöpfungswerkes in der Urfeste des Grals wohnte, in dem für diesen Dienst ein Teil des wesenlosen göttlichen Lichtes für immer eingebettet war
Im ersten Aufblitzen dieser Regung Luzifers liegt die ganze spätere Tragödie verborgen, die für ihn und die Menschheit und für einen ganzen Teil der Nachschöpfung eintreten musste
Deshalb musste er schließlich von den dazu berufenen Erzengeln unter der Führung Michaels gestürzt werden
Der ganze Anfang des Geschehens, das wir auch aus vielen Aufzeichnungen der Menschheit kennen, liegt im Wanken und Sturz Luzifers, der nie von Gott dazu berufen war, sein Prinzip der Versuchung an den Menschengeistern in der Materie anzuwenden
Dies alles geschah erst nach seinem Sturz, der mit seiner Trennung von der Verbindung mit dem Willen Gottes kommen musste
Wäre dies nicht geschehen, hätte sich die Entwicklung allen Lebens in der Nachschöpfung ganz anders entfalten können, und es hätte gar nichts dergleichen wie die Erkenntnis von Leid und Schmerz unter die menschlichen Geister gelangen müssen, ebenso wenig wie sich für viele jene so lange Kette von Verstrickungen hätte entfalten müssen, die sie nach den Gesetzen der Schöpfung immer nur durch das Nacherleben ablegen können
Um zu innerer Klarheit zu reifen, muss der menschliche Geist das Leben des Schöpfungswerkes in seiner Gesamtheit erkennen und vor allem durch Erfahrung an der Harmonie teilhaben, die das ganze Werk Gottes durchdringt
Das macht ihn reif, und zugleich braucht er sich nicht mit der Notwendigkeit belasten, für seine schweren Irrtümer und Versäumnisse zu büßen
Wenn die Menschen, die ihre philosophischen Ansichten über Gott und sein Werk verbreiten, die mit der Notwendigkeit der sogenannten Dualität, also dem Nebeneinander von Gut und Böse als Notwendigkeit der Entwicklung, verbunden sind, nur ein wenig ernster nachdenken würden, dann müssten sie zu dem Schluss kommen, dass der gesamte geistige und ursprüngliche Teil der Bewohner des Schöpfungswerkes notwendigerweise verarmt sein müsste, denn in den dortigen Bereichen gab es nie das Böse wie bei den Menschen auf Erden
Damit würde aber alles, was sich im Geistigen unmittelbar gebildet hat, als minderwertig erscheinen gegenüber den Erfahrungen des menschlichen Geistes, der dem Prinzip der Versuchung unterworfen ist
Es würde aber auch bedeuten, dass das ganze Werk Gottes auf Willkür aufgebaut wäre und nicht auf ewig unveränderlichen Gesetzen, die den Willen Gottes enthalten
Das ist ausgeschlossen, und das beweist gerade die selbstständig wirkenden Gesetze, die vom Anfang bis zum Ende aller Teile der Schöpfung gelten
Es bedarf keiner Versuchung für irgendein Geschöpf, um in einem Werk zu reifen, das aus vollkommener Harmonie entstanden ist
Das Einzige, was im ganzen Schöpfungswerk als Grund für eine gewisse Wachsamkeit und daraus resultierende Kampfbereitschaft auch in den höchsten Höhen wahrgenommen wird, ist die Erkenntnis, dass die Schöpfung am Anfang durch den Willen Gottes aus dem Nichts geboren wurde, in dem es nichts gibt als Erstarrung und eine gewisse kalte Leere ohne Raumbegriff
Diese Erkenntnis führt zu einer bewussten Hinwendung aller zum Licht, in dem allein Leben und Dauer sind
Darin liegt die Wachsamkeit, dass die Liebe Gottes sich nicht wegen der Unzulänglichkeit der Bewegung der Bewohner des Schöpfungswerkes verschließen und zurückziehen muss, was den notwendigen Untergang des Schöpfungswerkes bedeuten würde
Für diese Wachsamkeit aber, alles in Bewegung und gedeihlicher Entwicklung zu erhalten, erhalten alle immer wieder einen mächtigen Zufluss neuer Kraft von Gott aus dem Gral, der in sich die Verheißung der ewigen Dauer des ganzen Werkes ist
Gegen diese Wachsamkeit hat sich auch Luzifer nie gewehrt, der selbst seine Verteidigung vor Gott darauf stützte, dass gerade die Menschengeister durch ihre Lauheit, mit der sie über die von ihm absichtlich errichteten Hindernisse stolpern, einen Teil des Schöpfungswerkes gefährden
Er war der Meinung, dass die geistige Menschheit es nicht verdiene, die Möglichkeit einer solchen Gottesliebe zu haben, um sich zu entwickeln, da sie dafür zu schwach sei
Um dies zu beweisen, bedurfte es keiner langen Aufzählung einzelner Versuchungen, sondern es genügte ihm, den Schwerpunkt der Entscheidungsfindung des Menschen vom Geist auf den irdischen Verstand zu verlagern
Um dies zu zeigen, verlagerte er das Prinzip seines Dienstes, der darin bestand, allem Schwächeren zu helfen, auf eine scharfe Trennung dieses Schwächeren von der Hilfe, und umgekehrt stellte er den menschlichen Geistern als größtes Hindernis das kalte, irdische materielle Denken entgegen, welches alle andere untergeordnete Formen der Versuchung enthält, womit er ihre Schwäche im Werk der Schöpfung beweisen wollte
Er wollte zeigen, dass der menschliche Geist diese Schranke nicht aus eigener Kraft mit seiner Ausstrahlung durchglühen und überwinden kann, und dass damit alle Liebe Gottes zu ihm als vergeblich und ergebnislos vergeudet erscheint
Damit aber stellte er sich ganz und gar gegen die Liebe Gottes und gegen den Schöpfer selbst
Die Folgen sind bis heute spürbar, wenn gerade die stärksten Fäden menschlicher Schicksale als Ergebnis seines Wirkens sich lösen, um zugleich einen neuen Aufbau zu ermöglichen, der ganz im rechten und gesegneten Fluss aller Kräfte schwingt
Die Fähigkeit des Menschen, die Welt zu verstehen, hat sich heute so entwickelt, dass wir uns auf einer Stufe befinden, die als trauriges Ergebnis alles bisherigen Geschehens im stofflichen Universum angesehen werden kann
Man kann von einer geistigen Verarmung des Bewusstseins sprechen, das bei richtiger Entwicklung heute auf einer ganz anderen Stufe stehen könnte, die jedem Menschen nur dauernde Erfrischung in der Erkenntnis so vieler Dinge bringen würde, die ihm heute noch nicht bekannt sind
Dennoch liegt in jedem Menschengeiste, der in sich wirklich lebendig ist und in seinem allumfassenden Wollen zum Guten brennt, die Kraft, den bisherigen unheilvollen Einfluss der geistigen Lähmung zu überwinden
Diese Kraft wartet nur darauf, gegen den Widerstand des zweifelnden Verstandes, der immer wieder zur nüchternen Sachlichkeit des Lebens zwingt, zur Wirkung gebracht zu werden
Es ist nicht schwer, wenn der Geist in seinem brennenden Wunsch wirklich er selbst sein will, auch hier auf Erden
In allem soll sein Anteil an der Begeisterung für das Tun des Guten im Kleinen wie im Großen brennen, als Zeugnis dafür, dass der Versucher, der sich im Zweifel des Verstandes und im Spott über alles Überirdische, das im Menschen erklingt, verbirgt, überwunden ist
Zugleich gilt hier eine Bedingung:
Niemand kann diesen siegreichen Schritt für einen anderen tun
Der kalte, berechnende Verstand muss gerade und nur durch den Menschen selbst überwunden werden durch die innerlich aufsteigende Kraft zum Guten und zum Licht
Es mag als etwas Unmögliches erscheinen, aber es ist mehr als leicht in dem Augenblick, wo im Menschen die reine, freudige Kindlichkeit aus der Erkenntnis des Schöpfungswerkes und Gottes, aus dessen Willen das Schöpfungswerk hervorgegangen ist, erwacht
Alles Wissen, das dem menschlichen Geist gegeben ist, soll zum freudigen Schaffen verwendet werden
Wo noch Kritik und Verurteilung anderer herrschen, da wird die Erkenntnis der Wahrheit nicht richtig angewendet, da herrscht nicht der Geist über den Verstand
Wo aber der Geist herrscht, da schreitet man mit Riesenschritten voran zum Schaffen und Aufbauen von Neuem auf der Suche nach allen reinen Lebensweisen
Und nur zu solchem Gebrauch wird den Menschen auch hier auf Erden neue Kraft gegeben werden, die für die kommenden Monate naht
Durch das ganze Weltall ertönt der Ruf des Lichtes als Träger des Willens des Parsifal-Strahles, damit das irdische Bewusstsein der Menschen endlich ein vollkommen geistiges Bewusstsein werde
Es war nie anders gedacht, als dass die Menschen empfindungsfähige Bewohner des Schöpfungswerkes sein sollten
Das Irdische soll nicht vom Geistigen getrennt sein, sondern im Gegenteil in jedem Augenblick ganz vom Geist des Menschen, also vom Reifen empfindungsmäßigen Wollen des allumfassenden Guten geleitet werden
Nur das kann zugleich als Dienst an Gott gelten
Und zum Dienst an Gott, zum wahren Gottesdienst, soll nun jeder Mensch eilen, der wirklich Frieden und Harmonie in sich und um sich sucht
Übersetzung aus dem Tschechischen
Aus Gralsweg |März 25, 2024|Ergänzende Texte
Pozemské vědomí člověka
https://www.cesta-gralu.cz/pozemske-vedomi-cloveka/
