30 Jahre unter den Toten – Carl Wickland –
Kapitel 7 – Körperliche Gebrechen aus seelischer Ursache

Das siebte Kapitel der Neuausgabe von Dreißig Jahre unter den Toten ist veröffentlicht. Es widmet sich einem Themenkomplex, an dem die rein physische Medizin oft an ihre Grenzen stößt: chronische körperliche Schmerzen, Lähmungen und Schwächezustände, für die keine organische Ursache gefunden werden kann.
Carl Wickland beschreibt die Dynamik dahinter wie folgt: Verstorbene, die noch nicht wissen, dass sie ihren irdischen Körper verloren haben, leiden oft weiterhin an den Schmerzen ihrer einstigen Krankheit oder ihres Todeskampfes. Geraten solche erdgebundenen Geister in die Aura empfindsamer Menschen, übertragen sie diesen Zustand auf die Betroffenen.
Was zunächst abstrakt klingt, wird im Kapitel durch detaillierte Fallgeschichten aus der Praxis greifbar:
- Grace Brusted: Eine Modedesignerin, die unter schwerer Antriebslosigkeit leidet und das Gefühl hat, ein „Doppelleben“ zu führen – gesteuert von einem erschöpften Geist aus dem Jahr 1898.
- Jack Finch: Ein 84-jähriger Mann, der von Schwindelanfällen gequält wird, bei denen er vornüberkippt. Die Ursache findet sich bei einem Geist, der als Kind fallengelassen wurde und sich die Wirbelsäule brach.
- Herr Z.: Ein Patient mit 25-jähriger Schlaflosigkeit und Übelkeit, der unbewusst von seinem an Magenkrebs verstorbenen Freund besetzt gehalten wurde.
- James Hoxen & Lizzie Davidson: Zwei Fälle von scheinbar unheilbaren Rückenmarksleiden und Lähmungen. In beiden Fällen übertrugen verunglückte oder medizinisch fehlbehandelte Geister ihre fatalen Körpersymptome direkt auf die Patientinnen.
Medizinische Einordnung und ein offener Blick:
Eine Besonderheit dieses Kapitels ist die ausführliche Gegenüberstellung der historischen Sitzungen mit der heutigen medizinischen Sichtweise. Die Symptome der Patienten lesen sich aus heutiger Sicht wie klassische Beschreibungen von funktionellen neurologischen Störungen (FNS), Somatisierungsstörungen oder dissoziativen Identitätsstörungen.
Die Bearbeitung am Ende des Kapitels zwingt den Leser jedoch nicht, sich für die eine oder die andere Seite zu entscheiden. Sie stellt die neurobiologische Sprache der modernen Medizin und die ältere, seelisch-übersinnliche Sichtweise gleichwertig nebeneinander. Der Leser wird ermutigt, nicht vorschnell zu urteilen, sondern beide Modelle als Werkzeuge zu nutzen, um das Leiden in seiner Gänze besser begreifen zu können.
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