Kapitel 19 — Kostbare Erkenntnisse

Nachdem sie uns die Lehren vermittelt hatte, die wir zu fassen vermochten, empfahl die erhabene Botschafterin Elói, Margarida zu dieser liebevollen Versammlung mitzubringen, um ihr inneres Gleichgewicht zu festigen und ihre Widerstandskraft zu stärken.
Nach einigen Minuten erschien Gabriels Frau, die in diesen Tagen in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit gerückt war, gelöst von ihrer stofflichen Hülle, im Andachtsraum. Sie zeigte einen unsicheren Gang und eine seltsame Abwesenheit in ihrem Blick, was ihren halb bewussten Zustand verriet.
Meiner Meinung nach erreichte das strahlende Licht ihr Bewusstsein noch nicht. Sie zeichnete sich in diesem Moment durch unwillkürliche Bewegungen aus und ging in unserer Mitte umher, als wäre sie eine gewöhnliche Schlafwandlerin.
Mechanisch flüchtete sie sich in die mütterlichen Arme, die Matilde ihr entgegenstreckte. Sobald sie sich in den Schoß ihrer Wohltäterin gekuschelt hatte, die sie mit sanfter Zärtlichkeit umhüllte, reagierte sie positiv und betrachtete uns dann voller Bangigkeit. Sie schien nach und nach zu erwachen.
Die Beschützerin, der daran gelegen war, einige wichtige Zentren ihres geistigen Lebens zu wecken, begann, magnetische Striche über ihrem Haupt zu vollziehen — Vorgänge, die ich nicht so tiefgreifend verstehen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte.
Ich bemerkte jedoch, dass Matilde magnetische Mittel auf die Nervenbahnen des Organs des Gedankenausdrucks sowie entlang der gesamten Region des sympathischen Nervensystems anwendete.
Der Lehrer erklärte mir später, dass der natürliche Zustand der inkarnierten Seele mehr oder weniger mit einer tiefen Trance oder einer vorübergehenden Anästhesie zu vergleichen sei, in die die Seele des Menschen durch die verlangsamten Schwingungen der niederen Ebenen versetzt wird — zum Zwecke der Entfaltung, Läuterung und Erlösung in Raum und Zeit.
Umwandlungsprozesse im Inneren ihres Seelenkörpers wurden für unsere Beobachtung sichtbar, weil Margarida durch Brustkorb und Hände dunkelgraue Flüssigkeiten in Form von hauchfeinem Dampf ausschied, der sich in der umgebenden Atmosphäre auflöste.
Unmittelbar nach dieser „Reinigung“ strahlten die Bereiche des endokrinen Systems diamantengleiches Licht aus, das wie eine Konstellation von fesselnden Umrissen in den Schatten des bis dahin undurchsichtigen und gewöhnlichen Seelenkörpers leuchtete.
Aus Matildes Brust gingen ununterbrochen Lichtwellen aus, und alles ließ uns glauben, dass sich Gúbios Schützling in diesem Moment in einem wahrhaftigen Bad göttlicher Essenzen befand.
An einem bestimmten Punkt dieses einzigartigen Prozesses des Erwachens öffnete die junge Frau wie ein erschrecktes Kind weit ihre Augen und starrte uns mit einem Ausdruck des Staunens an, wobei sie beunruhigte Ausweichbewegungen vollführte.
Als sie sich jedoch dem sanften und erleuchteten Antlitz ihrer Wohltäterin zuwandte, beruhigte sie sich zusehends, als wäre sie von einer unbeschreiblichen Liebe erfüllt. Matilde küsste sie gerührt.
Beim Kontakt mit diesen erhabenen Lippen umarmte Margarida, die sich bis ins Innerste ihres Wesens berührt zeigte, ihre Gönnerin und offenbarte damit ihre tiefste Sehnsucht nach geistiger Vereinigung. Wie von jäher Freude überwältigt, rief sie unter bewegten Tränen:
— Mutter! Meine geliebte Mutter!
— Ja, meine Tochter, ich bin es, — entgegnete ihr Gegenüber und streichelte sie mit zärtlichster Innigkeit; — die Liebe vergeht nie! Die Verbindung der Seelen überwindet Zeit und Tod.
— Warum hast du mich verlassen? — fragte Gabriels Frau und schmiegte sich in einem Gefühl von unsagbarem Glück an ihr Herz.
— Ich habe dich nie vergessen, — erklärte die Wohltäterin und umarmte sie mit noch größerer Zärtlichkeit. Der dichte Schleier des Irdischen scheint uns oft voneinander zu trennen; doch kein Schatten kann uns wirklich scheiden
— Unsere Sehnsüchte und Hoffnungen vereinen sich wie Lichtpunkte in der Dunkelheit der Trennung, so wie die Sterne als strahlende Wegweiser im nächtlichen Nebel erscheinen und uns an die Unendlichkeit und Ewigkeit erinnern.
Beim liebevollen Klang dieser Worte schien die ehemals Umnachtete immer mehr in unserer Ebene zu erwachen. Mit sehnsüchtigen Augen, die auf ihre Beschützerin gerichtet waren, als wäre sie von unermesslicher Zuneigung gefesselt, klagte sie unter Tränen:
— Liebe Mutter, ich bin so müde und unglücklich!
— Wo doch der Kampf um das Gute gerade erst beginnt? — fragte Matilde lächelnd.
— Ich fühle mich von erbarmungslosen Feinden umgeben. Ich werde Tag und Nacht gequält. Ich spüre einen unüberwindbaren Widerspruch zwischen meinen Gefühlen und der irdischen Wirklichkeit.
— Selbst die Ehe, in die ich meine sehnlichsten Träume gesetzt hatte, war für mich nichts anderes als ein dunkles Buch bitterer Enttäuschungen. Mein Herz ist erschöpft und bedrückt. Verzweiflung und geistige Zerrüttung verfolgen mich… Deshalb bin ich eine schwere Last für meinen aufopferungsvollen Ehemann, der ein besseres Schicksal verdient hätte…
Heftiges Schluchzen hinderte sie daran, fortzufahren. Die ehrwürdige Gesandte trocknete ihre Tränen und sprach gütig:
— Margarida, im irdischen Körper zu leben und die göttlichen Pflichten zu begreifen, die uns auferlegt sind, ist kein leichtes Unterfangen gemessen an der unendlichen Herrlichkeit, die wir in Seiner Gemeinschaft erlangen können. Wir alle haben eine belastete Vergangenheit, die es zu sühnen gilt.
— Es ist jedoch unerlässlich zu erkennen, dass die menschliche Erfahrung zwar ein schmerzhafter Weg der persönlichen Entsagung sein kann, aber zugleich eine gesegnete Schule ist, in der der Geist des guten Willens zur vollen Entfaltung kommen kann. Dazu ist es jedoch notwendig, das Herz für die innere Atmosphäre der Güte und des Verständnisses zu öffnen.
— Wir sind Rohdiamanten, umhüllt vom harten Gestein unserer jahrtausendealten Unvollkommenheiten, die durch die Großzügigkeit des Herrn in der Werkstatt der Erde gefunden wurden. Schmerz, Hindernisse und Konflikte sind gesegnete Werkzeuge der Läuterung, die zu unserem Besten wirken. Was soll man von einem Edelstein sagen, der sich den Händen des Schleifers entzieht, oder vom Ton, der sich dem Willen des Töpfers widersetzt?
— Wandle deine innerste Haltung gegenüber deinen Widersachern. Der Feind ist nicht immer ein Wesen, das bewusst Böses tut. Meistens reagiert er aus Unverständnis, genau wie jeder von uns; er folgt einer bestimmten Denkweise, weil er von seinem Plan überzeugt ist – inmitten der Aufgaben, denen er sich im Kreislauf des Lebens verschrieben hat.
— Er leidet, wie wir selbst, an einer eingeschränkten Sicht, die nur die Zeit, verbunden mit persönlicher Anstrengung zur Verwirklichung des Guten, klären kann. Frosch und Vogel folgen unterschiedlichen Trieben, obwohl sie Kinder derselben Welt sind.
— Es ist notwendig, Margarida, dass wir wissen, wie wir den Feind annehmen können, indem wir ihm durch unser Beispiel dienen. Genau betrachtet sind wir, angesichts unserer Unterlegenheit, Gegensätze zum Wirken der Engel in der niederen Sphäre, die wir derzeit durchlaufen; dennoch bestrafen uns die himmlischen Mächte nicht für unsere vorübergehende Unfähigkeit, die göttlichen Dienste zu verstehen, die ihnen in der Ordnung des Universums zukommen.
— Anstatt uns zu verurteilen, erkennen sie unsere Unzulänglichkeiten mit Mitgefühl und reichen uns auf tausend verborgenen und indirekten Wegen brüderliche Hände, damit wir lernen, den Berg der Läuterung zu erklimmen und zu den himmlischen Gipfeln aufzusteigen.
Nach einer kurzen Pause in den mütterlichen Betrachtungen fügte die junge Frau verzückt hinzu:
— Geliebte Mutter! Könnten meine Ohren doch immer die süße Musik deiner Worte bewahren! Traurig sehe ich den Sturm der irdischen Schwierigkeiten voraus, zu denen ich zurückkehren muss.
— Jetzt ist alles Trost und Hoffnung; doch morgen werde ich wieder Gefangene in meinem körperlichen Kerker sein und mit umnachtetem Gedächtnis wandeln, in unaufhörlichem Konflikt mit den Ungeheuern, die mich bedrängen!
— Das, meine Tochter, — fügte Matilde liebevoll hinzu — ist Teil der Aufgabe, die du zu erfüllen hast. Verschwende jedoch nicht die Schätze der Zeit mit nutzlosen Grübeleien. Fülle deine Stunden mit gesunder Arbeit und mit der Harmonie, die dir möglich ist – der Quelle aller Schönheit.
— Der Geist, der sich in gewisser Weise bereits den Beschränkungen der Tiernatur entzogen hat, befindet sich im Körper aus Fleisch und Blut wie ein Kämpfer in einer Phase segensreicher Prüfungen.
— Dort drinnen, in der Arena der erhabenen Möglichkeiten, die die Region des Nebels bietet, gibt es jene, die aufsteigen, und jene, die absteigen. Weiche nicht vor dem wertvollen Hindernis im Wettlauf der Vervollkommnung zurück und trinke nicht das trügerische Elixier der Illusion, das leidenschaftlich von all jenen begehrt wird, die sich von den Versuchungen der Entmutigung übermannen ließen und unfähig sind, die Herausforderung anzunehmen, die die Welt ihnen stellt.
— Das Leben ist für jede Seele, die auf dem steinigen Weg triumphiert, Dienst, Bewegung, Aufstieg; und in dem Kampf, der dich zum leuchtenden Gipfel führen wird, bist du nicht allein auf dieser mühsamen Reise – Tausende andere schwitzen und bluten in der Stille.
— Sie gehen durch die Welt ohne die Zuneigung eines Ehemanns und ohne den Segen eines Zuhauses. Sie kennen nicht, wie du, das Geschenk eines normalen Körpers und können nicht einmal die bescheidensten Träume bewahren, die du in deinem weiblichen Herzen hegst.
— Es sind vergessene Männer und hilflose Frauen, die unbemerkt und gedemütigt von der Wiege bis zum Grab leben. Sie atmen unter seelischer Marter und gehen weiter, ungeschützt und zerrissen in den Augen der Welt, und unterdrücken ihre eigenen Schluchzer, die, wenn sie gehört würden, ihnen unerbittliche Strafe einbringen würden.
— Doch trotz des dichten Schleiers aus Tränen, der ihnen das Vorankommen erschwert, gehen sie unerschrocken weiter und hoffen auf ein immer ungewisser und entfernter werdendes Morgen, das sich schemenhaft am endlosen Horizont zu verbergen scheint.
Margarida, die die Darlegung mitfühlend verstand, flehte:
— Liebe Mutter, lehre mich, meinen Weg zu gehen. Ich möchte die gesegnete Gelegenheit, die mir zuteilwurde, ehren!
— Trachte nicht danach, dass sich alle deine Wünsche erfüllen, — sagte die Wohltäterin sanft, — sondern bemühe dich, brüderlich all denen zu dienen, die deine Unterstützung und deinen Beistand benötigen. Hilf, ehe du selbst um Hilfe bittest. Schenke Verständnis, ohne dass man dich sofort versteht.
— Verzeihe anderen, ohne Nachsicht für dich selbst zu fordern. Stütze, ohne die Absicht, selbst gestützt zu werden. Gib, ohne Gegenleistung zu erwarten.
— Strebe nicht nach irdischem Ruhm, der dich besser erscheinen lässt, als du bist, sondern suche stets und an jedem Ort den göttlichen Segen im Einklang mit deinem eigenen Gewissen. Strebe nicht nach Vorrang vor anderen; läutere vor allem deine Gefühle unaufhörlich, ohne deine wankelmütigen und unvollkommenen Tugenden zur Schau zu stellen.
— Handle recht und achte nicht auf die leeren oder giftigen Worte der hartnäckigen Verleumdung. Wenn du dich auf die Weisung anderer stützt, misstraue Worten, die dir eine eingebildete persönliche Überlegenheit schmeicheln oder dich zu Herzenshärte verleiten. In Zeiten des Überflusses oder der Not erinnere dich an den Dienst, zu dem der Herr dich berufen hat, und tue Gutes in Seinem Namen, wo immer du weilest.
— Bedenke, dass die Erfahrung im Fleisch nur von kurzer Dauer ist und dass dein Kopf ebenso voller heiligender Ideale bleiben sollte wie deine Hände reich an segensreicher Arbeit. Um jedoch einem solchen Weg zu folgen, ist es unerlässlich, dass du dein Herz der erneuernden Sonne des Höchsten Gutes öffnest.
— Mit einer Seele, die sich dem Glück des Nächsten verschließt, wirst du niemals dein eigenes Glück finden. Die Freude, die du auf dem Weg anderer bereitest, wird dich selbst mit Jubel erfüllen. Im Frieden, den du säst, wirst du die Ernte des Friedens finden, nach dem du dich sehnst.
— Dies sind die Grundsätze eines lichtvollen Lebens. In der Abkapselung wird niemand die höchste Freude erlangen. Für die göttliche Weisheit ist der Hirte, der seine Herde verloren hat, ebenso unglücklich wie das Schaf, das seinen Hirten verloren hat.
— Die Verweigerung von Hilfe ist so finster wie der Leichtsinn, sich zu verirren. Egoismus mag eine Oase schaffen, doch niemals einen Kontinent. Es ist unerlässlich, Margarida, dass du lernst, aus dir selbst herauszutreten und die Nöte und den Schmerz derer zu beachten, die dich umgeben.
Unterdessen verstummte die Stimme der Beschützerin, und Gabriels Frau, die sich vom unendlichen Licht dieser unvergesslichen Momente umhüllt fühlte, fragte, trunken vom Glück:
— Oh Gott! Barmherziger Vater, wem verdanke ich die unvergessliche Gnade dieser Stunde?
Matilde, die der Szene, der wir beiwohnten, wohl eine große Innigkeit verleihen wollte, stand auf, umarmte ihre Seelentochter und kam auf uns zu, um sie uns als besondere Freunde vorzustellen.
Es entspann sich ein herzliches Gespräch, und die Tränen, die uns alle gleichermaßen überkommen hatten, versiegten angesichts dieser bewegenden und unvergesslichen Unterhaltung. Es kam jedoch der Moment, in dem die Wohltäterin sich verabschieden musste.
Zuvor jedoch richtete sie ihren klaren Blick auf die ehemalige Geplagte und sprach mit Nachdruck zu ihr:
— Margarida, jetzt, da du in unserer Sphäre so weit wie möglich ein klares Bewusstsein deiner selbst bewahrst, höre auf den Ruf, den wir an dich richten.
— Glaube nicht, dass ich dich nur aus Freude besuche, um dich zu trösten, was dich vielleicht auf den Weg der trügerischen Sorglosigkeit führen würde, der niemals zum wahren Frieden führt. Das göttliche Ziel muss in allem die Seele unseres Handelns sein.
— Der Sämann, der den Boden bestellt und ihn mit segensreicher Bewässerung versorgt, erwartet etwas von der Aussaat, die ihm tägliche Mühen abverlangt. Die Hilfe von oben, ob direkt oder indirekt, zurückhaltend oder offen, ist nicht nur eine bloße Zurschaustellung himmlischer Macht.
— Die Bewohner der höheren Kreise würden es nicht wagen, ohne höhere Ziele in die Welt des inkarnierten Geistes hinabzusteigen, so wie die Meister der Weisheit es nicht wagen würden, ohne pädagogische Ziele Veranstaltungen hoher Kultur für Brüder mit noch unentwickeltem oder niederem Denk- und Gefühlsvermögen zu organisieren. Die Zeit ist kostbar, meine Tochter, und wir dürfen sie nicht verschwenden, ohne uns selbst schweren Schaden zuzufügen.
Angesichts des überraschten Ausdrucks, den Gúbios Schützling auf ihrem bewegten Antlitz zeigte, fuhr Matilde fort:
— In wenigen Jahren werde auch ich in den Kreis der Kämpfe zurückkehren, in denen du dich befindest.
— Du? — rief Margarida verblüfft angesichts der Aussicht auf eine Wiedergeburt im Fleisch für das erleuchtete Wesen, das vor unseren Augen stand. — Warum sollte dir eine solche Strafe auferlegt werden?
— Hüte dich vor solch einem Unverständnis des Gesetzes der Arbeit, — fügte die Botin lächelnd hinzu, — die Reinkarnation ist nicht immer ein einfacher Läuterungsprozess, obwohl sie in den meisten Fällen ein Heilmittel für Geister darstellt, die sich in Verwirrung und Schuld verstricken.
— Das Erdenrund ist vergleichbar mit einem riesigen Meer, in dem die emsige Seele ewige Werte findet, indem sie die Gebote des Dienstes akzeptiert, die uns die göttliche Güte bietet. Darüber hinaus haben wir alle süße Bindungen des Herzens, die viele Jahrhunderte lang in der Tiefe des Abgrunds gefangen sind.
— Es ist unerlässlich, die verlorenen Perlen zu suchen, damit das Paradies in unseren Augen nicht leer und ohne Schönheit bleibt. Nach Gott ist die Liebe die glorreiche Kraft, die das Leben nährt und die Welten bewegt.
Die Wohltäterin blickte die junge Frau voller Güte an, machte eine kurze Pause und fügte hinzu:
— Aus diesem Grund hoffe ich, dass du die Weihe des mütterlichen Dienstes bei der Leitung der wiederverkörperten Geister nicht verkennst. Unsere besten Möglichkeiten gehen in der „Sphäre des Neubeginns” verloren, weil es an entschlossenen und einsichtsvollen Händen mangelt, die uns durch die Labyrinthe der Welt führen.
— Zuneigung fehlt fast nie im familiären Heiligtum, wo die Seele sich für die Wiederaufnahme wertvoller Erfahrungen rüstet; jedoch ist maßlose Zärtlichkeit ebenso schädlich wie absolute Härte.
— Du weißt, geliebte Tochter, dass das edelste Wesen, wenn es wieder in den Körper zurückkehrt, gezwungen ist, dessen Bedingungen zu erdulden. Die Gesetze des Leibes, die auf der Erde herrschen, bilden da keine Ausnahme. Sie gelten für die Gerechten mit derselben Strenge, mit der sie für die Sünder gelten.
— Der Engel, der in die Tiefe der Kohlengrube hinabsteigt, wird natürlich in seinem inneren Leben weiterhin ein Engel bleiben; dennoch wird er dem bedrückenden Klima des Untergrunds nicht entkommen können.
— Vorübergehende Vergesslichkeit wird mich in den düsteren Räumen der körperlichen Zellen begleiten, aber das ersehnte Gelingen wird mich nur dann glücklich machen, wenn ich auf deine starke und wachsame Führung zählen kann.
— Ich weiß sehr wohl, dass du, wenn du dann zu der Hülle zurückkehrst, die dich mit dem gemeinschaftlichen Kreis des irdischen Kampfes verbindet, auch unsere Unterredung dieser Stunde vergessen wirst.
— Die Gesundheit und Harmonie, die dich von nun an auf deinem Weg begleiten werden, vereint mit Zuversicht und Hoffnung, die durch unauslöschliche Erinnerungen und vage Eindrücke dieser göttlichen Momente in deinem Geist fortbestehen werden, werden dich jedoch nicht ganz vergessen lassen.
— Schütze deinen Körper wie jemand, der ein heiliges Gefäß für den Dienst des Herrn bewahrt, und erwarte mich in Kürze. Wir werden weiter beisammen sein, auf der verdienstreichen Wanderschaft.
— In den gesegneten Banden des Blutes werden wir Mutter und Tochter sein, um die hohe Schule der allumfassenden Brüderlichkeit intensiver zu erlernen. In der Tat, Margarida, wird meine Rückkehr für deinen zerbrechlichen und zarten Körper ein schmerzliches Opfer sein; dennoch stehe mir bei der erneuten Aussaat bei, damit ich dir bei der sicheren Ernte dienlich sein kann.
— Nimm mich nicht in deine Arme auf wie eine zarte und unbewegliche Puppe. Äußere Zierde bringt niemals echtes Glück ins Herz, sondern nur ein gefestigter und lauterer Charakter, eine sichere Grundlage, auf der sich ein gutes Gewissen entfalten kann.
— Das Gewächshaus kann die schönsten Blumen der Erde züchten, aber es bringt nicht die besten Früchte hervor. Der nutzbringende Baum kann nicht auf die Zuneigung und ständige Pflege des Gärtners verzichten.
— Es ist jedoch wichtig zu erkennen, dass er nur unter der sengenden Hitze des Sommers, unter heilsamen Regenschauern oder durch den starken Windes kräftiger wird. Kampf und Widerstände sind erhabene Segnungen, durch die wir unsere alten Hindernisse überwinden.
— Man darf sie nicht unterschätzen, sondern muss in ihnen die gesegnete Gelegenheit zum Aufstieg erkennen. Verstehe meine Bedürfnisse, damit ich dich im richtigen Moment verstehen kann.
— Menschliche Annehmlichkeiten sind achtbar, aber spirituelle Errungenschaften sind göttlich. Hilf mir, in den ersteren ein Gleichgewicht zu finden, um den himmlischen Geboten des ewigen Geistes gerecht zu werden.
— Sobald du mich in deinen Armen hältst, zwinge mich nicht unter dem Vorwand, mich mütterlich zu beschützen, zur Tatenlosigkeit und Trägheit. Nicht mit äußerem Zierrat helfen wir der kostbaren Pflanze zu wachsen und Früchte zu tragen, sondern durch die beharrliche Arbeit mit der Hacke, durch Wachsamkeit bei der Verteidigung, durch nährenden Dünger und heilsamen Schnitt.
— Verliere mich nicht aus den Augen, damit die Liebe und Dankbarkeit gegenüber Gott für immer in meinem unbeständigen Gedächtnis bleiben. Steh mir zur rechten Zeit bei, damit ich im richtigen Moment nützlich sein kann.
Ergriffen durch die stille Lektion, die uns erteilt wurde, bemerkten wir, dass Margarida unter vielen Tränen alles versprach, was von ihr verlangt wurde.
Die liebevolle Unterweisung fesselte uns alle, und wir hätten ihr gerne endlos gelauscht; doch Matildes Blick verriet nun die Dringlichkeit des Aufbruchs. Sie richtete noch einige sanfte Worte des Trostes an ihre geliebte Tochter, hüllte sie in magnetische Ströme, harmonisierte liebevoll ihre feinstofflichen Zentren und bat Elói um Hilfe, damit Gabriels Frau in ihren Körper zurückkehren konnte.
Als sie sich zum Abschied rüstete, fügte die große Mentorin noch einige Mahnungen hinzu.
— Margarida, — sagte sie gütig, — vergiss nicht das Reich der Schönheit, das du in deinem häuslichen Heiligtum errichten kannst. Meide entschlossen die gefährlichen Schatten der Eifersucht und Zwietracht.
— Lerne, in kleinen Dingen nachzugeben, damit du leicht das Licht empfangen kannst, das vom Opfer ausgeht. Gefährde nicht durch Nichtigkeiten den spirituellen Gewinn, den dir die Erfahrung bieten kann.
— Du bist frei von äußeren Bedrängnissen, aber du hast dich noch nicht von deinen eigenen Schatten befreit. Vertraue auf die göttliche Kraft und wanke nicht, auch wenn der Sturm die innersten Fasern deines Herzens peitscht.
Mutter und Tochter umarmten sich voller unbeschreiblicher Zärtlichkeit. An Gúbio gewandt, erklärte Matilde diskret die Arbeit, die sie für die nächsten Stunden geplant hatte, und versicherte, dass sie in der Nähe auf uns warten würde.
Kurz darauf dankte sie uns mit äußerster Freundlichkeit und gab uns keine Gelegenheit, ihr die Dankbarkeit und Freude zu bekunden, die unsere Seelen erfüllten.
Dann zog sie sich zurück und gab unserem Führer ganz selbstverständlich die Kräfte zurück, die sie von ihm entliehen hatte. Gúbio übernahm daraufhin wieder die Leitung der Arbeit und teilte uns mit, dass wir alle — mit Ausnahme von vier Gefährten, die bei Gabriels Zuhause Wache halten würden — zu den höheren Kreisen aufbrechen sollten, mit einem Zwischenstopp an einem der „Grenzposten” der irdischen Sphäre.